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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1892-11-01 · Heft 11 (1.11.1892) · p. Seite 254

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
12 (1892)
Issue
Heft 11 (1.11.1892)
Date
1892-11-01
Page
Seite 254 (sequence 14)
Language
German
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254 Thätigkeit dieser Körperschaft nahezu unmöglich mache». Solche Vorgänge seien ein wahrer Skandal und können zu keinem gute» Ende führen. Es sei eine Schande vor der ganzen Welt. — Der Kaiser wendete sich sodann zu dein Delegirtcn, Professor Ednnrd Sueß mit den Worten: „Sie haben jetzt schwere Tage im niederösterreichischen Landtage durchgcmacht. Es ist eine Schande und ein' Skandal, wie cs dort zugeht. Man weiß gar nicht, was man dazu sage» soll." Deltgirter Sues; crividerte: „Dem Gebildeten sind Grenzen in der parlamentarischen Bertheidigung gezogen, über die er nicht hinausgehen kan». Wir können nicht Scandal mit Scandaleu beantworten." Der Kaiser sagte darauf: „Da haben sw Rechts Es gehen infolge dessen die Geschäfte des niederösterreichischen Landtagesanch nicht vorwärts, es wird nichts ecarbeitet." — Ans Göttingen konimt dje Nachricht vom Ableben des hervorragende» Nechtsgelehrten Herrn Professor Rudolf von Jhering. Zu seine» bedeutendste» Arbeiten gehört das Werk „Zweck im Rechte" auf welches er auch hingewiesui, als man ihn über seine Stellung zur Judenfrage interpellirte. Er schrieb tamals wörtlich: „Ich gehöre nichts zu! den Antisemiten; ich würde vor mir selber erröten, wenn ich mich auf der geringsten antisemitischen Regung ertappte. Liegt Ihnen daran, auch meinen Paine» der Zahl derjenigen anzureihen, bie ihr öffentliches Verdammungsurteil giber eine Bewegung ausgesprochen habt», welche unserer Zeit und unserem Vaterlande zur höchsten Unehre gereicht, so g< be ich Ihnen gerne die Autorisation dazu, und ich freue mich, die Gelegenheit zu erhalten, öffentlich für eine Ueberzeugung einzutreten, die ich bisher nicht blos durch Worte ausgesprochen, sondern mein ganzes Leben hindurch durch die That bewährt habe.".„Aber ich frage mich: Wozu das? Es wäre schade um die gute Zeit, ich würde-nur wiederholen, was viele Andere schon vor mir gesagt haben. Umsoweniger mag ich mich dazu verstehen, als ich in dem drimcn Bande meines Zweckes im Recht die Nötigung haben werde, die Frage im systematischen Zusammenhänge mit der dort zu entwickelnden Idee der Menschl chkeit zu berühren. Ich mag mich nickt selber abschreiben; wer sich dafür interemrt wie ich über die Frage denke, lvird dort Gelegenheit haben, dies zu erfahren. Für die gegenwärtige Veranlassung mag die Andeutung genügen, daß ich a» jener Stelle die geschichtliche Entwicklung des Gedankens der Menschlichkeit verfolge und den Nachweis führe, daß dieser Gedanke, zu dem sich die Griechen und Römer in ihrem Rechte noch nicht erhoben hatten, das vielmehr den Fremden als rechtlos behandelte, in dem Rechte des alten Testamentes (3. Mos. 19, p4; 5 Mos. 10, 19) mit aller Klarheit und Bestimmtheit ausgesprochen worden ist' womit ich dann das Auftreten von Christus und den Grundgedanken seiner Lehre die Liebe, in Verbindung bringe;> ich erblicke in ihm den Abschluß einer nur auf dem Boden des Judentums vorbereiteten Entwicklung." „Dem Volke, das unserer modernen Welt den Gedanken der Menschlichkeit und der an keinen Unterschied des Glaubens geknüpften Liebe gebracht hat, lohnt der Antisemitis »ns dadurch, daß er beide ihm gegenüber verleugnet — gottlob, daß dieselben in der heutigen Welt bereits zu feste Wuyzeln geschlagen haben, um diesem Unterfange», einen Erfolg in Aussicht zu stellen^ R. v. Jhering." — Herr Dr. phil. fjrnnntttt Dloch ist zum Mitarbeiter an den “Momunenta Geramniae historica“ ernannt worden. — Am 2. September Würbe unter allgemeiner Beteiligung das fünsundzwanzigjährige Jubiläum des'Rabbiners Herr Dr. Stein in Worms gefeierte Der Jubilar wurde von dem Geiiieindcvorstande, von Deputationen verschiedener Vereine und der Gemeinden des Bezirks beglückwünscht und vielfach beschenkt;

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