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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1892-11-01 · Heft 11 (1.11.1892) · p. Seite 246

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
12 (1892)
Issue
Heft 11 (1.11.1892)
Date
1892-11-01
Page
Seite 246 (sequence 6)
Language
German
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Stunde stieg die Gefahr, und schon bevor die dritte Nacht vorüber gegangen war, umstanden das Krankenbett die „Chewra-Männer" mit denWachskerzlmi in der Hand, das Schlimmste erwartend. Da mit einem Male erhob sich der Patient von seinem Lager, faltete die Hände, und die Augen nach oben gerichtet sprach er! „Herr der Welt! Wenn es durchaus Dein Wille ist, so will ich mich darein fügen und hingehen!" Und, wunderbar genug, von diesem Augenblick an sank die Krankheit zusehends von ihrem Höhepunkte herab; allmählich trat eipe Erleichterung in seinem Befinden ein; bald mar auch jede Gefahr beseitigt, und ehe die Sonne zweimal ihren Rundgang vollbracht, war Reb Schmul so weit hergestellt, daß Niemand mehr glauben mochte, dieser Reconvalescent sei bereits den Todten beigezählt worden. Jetzt wurde er von seinen Leuten befragt, was jene Worte zu bedeuten hatten die er beim Eintritt der Krise, wie es schien in einem lichten Augenblicke, gesprochen hat? und da erzählte er ihnen, was zwischen ihm und den drei Reisenden, als Abgesandten der Gemeinde Frankfurt, vorgefallen, daß er nämlich das ihm angebotene Rabbinat hartnäckig zurückgewiesen habe, aber nachdem er die Krankheit als einen Verweis und Strafe von oben angesehen und daher seinen Eigensinn bereute, er sich vom Schmerzenslager aufgerafft habe, indem er dem göttlichen Willen sich zu fügen vorgenommen, dem Wunsche jener Gemeinde nachzugeben und als ihr Rabbiner dahinzugehen. Freilich war's jetzt schon zu spät, da die Depntirten längst abgereist und gewiß schon über alle Berge waren- Doch um die Sache nicht schlechtweg fallen zu lassen, wurden versuchsweise nach allen Richtungen und Windrosen Eilboten ausgeschickt, um womöglich das reisende Dreigestir» einznholen. Wider alles Erwarten wurden die Fremden in einem tvenige Stunden von der Stadt gelegenen Dorfe angetroffen. Ans einem ihnen unbekannten abschüssig en Wege war nämlich ihr Fuhrwerk gestürzt, wobei einer von ihnen sehr stark beschädigt wurde, weshalb sie gezwungen waren, in das nächste Dorf einznkehrcn und hier die Genesung des Verwundeten abzuwarten.! Diesem unliebsamen Zufälle verdankte» sie nun die ihnen überbrachte freudig überraschende Botschaft von dem Entschlüsse Reb Schmul's, den ihm angebotcnen Rabbinerposten anzunehmen und mit ihnen 'zu gehe». Ueberglucklich durch diese unverhoffte Wendung in ihrer Angelegenheit, kehrte» sie sofort mit, damit sie sich persönlich von der Thatsache überzeugen und deshalb zur Heimreise siüt dem gewonnenen Schatz die nötigen Anstalten zu treffen. I Nachdem unser Tagesheld seine Dispositionen getroffen, welche vorzüglich, dahin gerichtet waren, „seine Kinder" möglichst gut versorgt zu haben, und seitens der Depntirten ein reitender Schnellbote nach ihrer Heimathgemeinde mit der erfreulichen Nachricht ihrer Acgnisitivii abgefertigt worden, setzte sich S)er Reisezug tu Bewegung, und fort ging es nun unaufhaltsam in einem fort ron Krackan bis Frankfurt a. M.; wohl in jener Zeit der noch ungeborenen Eisenstraßen eine h mmelweite Strecke, auf welcher wir die Reisenden indes ganz gemütlich begleiten wollen, ohne Bangen wegen etwaiger Langweile, denn diese vier rabbinischm Matadorc, der nunmehrige Frankfurter Rabbiner Reb Schmul an )er Spitze, verstanden es, durch die stets von neuem auftauchendeki Discussione» auf verschiedenen Gebieten ihres reichen Wissens, diesen lästigen Gast, die Langweile, weit weit von sich hintanzuhalten, bis sie endlich an jener Stelle angelangt waren, wo bereits die Turmspitzen der freien Reichsstadt Frankfurt a. M. siihtbar waren. — Ja wohl! die Spitzen der Türme, und bald auch die Giebel r nd

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