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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1892-11-01 · Heft 11 (1.11.1892) · p. Seite 245

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
12 (1892)
Issue
Heft 11 (1.11.1892)
Date
1892-11-01
Page
Seite 245 (sequence 5)
Language
German
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245 Unermüdlich an der Selbstvervollkonimuuiig thätig hat Renan sehr viel dazu beigetragen, dem Studium der jüdischen Geschichte Anhänger zu gewinnen, neue Bahnen gewiesen und wir schließen mit den Worten Reinachs, daß es für Renan ein seltenes Glück gewesen, zwei mal, am Anfänge und am Ende seiner glänzenden Laufbahn, der verführendste, am meisten gehörte und der beliebteste der Hierophanten zu sein (ce sera la rare bonuo fortune de Mr. Renan d’avoir ete deux fois, au debut et au terrne de sa brillante carriere, Ie plus seduisant, le plus ecoute et le plus aime des hierophantes).11) Wahl und Amtsantritt eines IranKfurter Wabbiners. Nach verbürgter Quelle erzählt von Ad. Gestetner. (Schluß.) Sie näherten sich ihm ehrerbietig mit der Bitte, ihn besuchen zu dürfen, was er ihnen aber rundweg versagte, „denn," sagte er, „ich bin ein Taglöhner, und darf nieine Kinder (Schüler) nicht um eine Minute verkürzen." Diese selbstlose Gewissenhaftigkeit imponirte ihnen nur noch mehr. Sie boten daher ihre ganze Beredtsamkeit auf, um ihn zur Gewährung ihres Verlangens zu bewegen. Lange blieb er unerbittlich, endlich konnte er ihrem unablässigen Bitten und Drängen nicht länger wiederstehen und bewilligte ihnen einen kurzen Besuch, aber nur während der Abenddämmerung, wo seine „Kinder" nichts verlieren- Mit sehnlichster Ungeduld zählten sie die bis dahin schneckengängig verrinnenden Stunden, sich in der Hoffnung wiegend, für diese Qual, die so glückliche. Ausführung ihrer hohen Mission einzuheimsen. Genau zur anberaumten Abendstunde sprachen sie bei Reb Schmul vor, indem sie sich als die Abgesandten der Gemeinde Frankfurt legitimirten, um ihn als gewählten Rabbiner dieser Gemeinde zu installiren- Doch zu ihrer bitteren Enttäuschung lehnte der gute Mann, der arme Lehrer, diesen ehrenvollen Antrag ab. „Ich kann doch," motivirte er seine Weigerung, „meine Kinder nicht im Stiche lassen und als Frankfurter Rabbiner von hinnen Weggehen. Was soll aus diesen Kindern werden?" Da half nun kein Bitten, kein Zureden. Reb Schmul beharrte steif und iiiibeugsam bei seinem Ausspruche, und die zurückgewiesenen Abgeordneten mußten schmerzlich betroffen abziehen. — Mit diesem Gefühle zerstörter Hoffnung duldete es sie nicht länger an dieseni Orte und in der nächsten kaum recht angebrochenen Morgenstunde bestiegen sie wieder ihr Fahrzeug, um anderswo ihr Glück zu versuchen. Am andern Tag nach ihrer Abreise wurde Reb Schmul, der nur selten krank war, plötzlich von einem heftigen Unwohlsein befallen, das ihn auf's Lager warf. Der herbeigernfene Arzt erklärte znm Schrecken seiner Umgebung das Uebel für sehr bedenklich und Besorgnis erregend. Es trat auch bald eine Berschlinimerung ein, die Krankheit machte sehr rasche Fortschritte, von Stunde zu ") Wir wollen zum Schlüsse die das Judentum betreffenden Borträge anführen: 1) Judentum und Christentum, ihre ursprüngliche Identität und allmälige Scheidung. Bortrag gehalten in der Societe des Rtudes juives,26. Mai 1883. Deutsche Ausgabe Basel 1883 (M. Bernheim). 2) Le judaisme corame Race et Religion, Conference faite au cercle St. Simon le 27 janvier 1883 (C, Levy, editeur); deutsche Ausgabe. Basel ibidem.

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