Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 12 (1892)
- Issue
- Heft 11 (1.11.1892)
- Date
- 1892-11-01
- Page
- Seite 244 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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244 \ haben würde, wenn nicht die Preisarbeit ausgeschrieben worden wäre, eine vergleichende Studie über die orientalischen Sprachen zu liefern. Aber es batte nicht Renan sein muffen, um sich an der Lösung dieser Preisfrage nicht zu beteilsgeu. Im Jahre 1852 hatte er sein Buch Averroes et l’averroisme (essai historiquc) veröffentlicht. Der Erfolg krönte seine Bemühungen Renan erhielt den Preis und im Jahre 1855 erschien der erste Band seiner Histoire generale et Systeme comparee des langues semitiques (l^re partie seul publiee) „Allgemeine! Geschichte und vergleichendes System der semitischen Sprachen." Dieses Buch begründete den Ruhm Renans nicht nur als Orientalist, sondern auch als Stylist, der es verstand einen so spröden Stoff meisterlich zu handhaben und in sehr fesselnder Weise vorzubriiigen. Renan machte das persische Wort zu Schanden, daß die Form gemeines Rohr8 9) sei. Denn man mag dem Inhalt und der Argumentation Renan's nicht folgen, seinem Style entzieht man sich nicht. : Mit vielem Rechte sagt Th. Reinach: On peut ne pas ouvrir 1’ Histjoire d'Israel, mais une fois ouverte, je defie quieonque de la fernier sans I’avoir lue jusqu’au bout. On est parfois agace ou choque, plus souvent — eptraine et seduit presque toujours.“ Man 11111)1 die Geschichte Israel nicht öffnen; aber sobald man si'e einmal geöffnet hat, wette ich, daß Niemand das Buch saus der Hand gibt, ohne es bis zu Ende gelesen zu haben. Man ist manchmal gereizt, öfter noch gerührt — hingerissen und verführt immer." j Sein Meisterwerk ist die Geschichte des Urchristentums, wozu sein Vie de Jesus| (1863) den Anstoß gab und wurde letzteres Werk ganz besonders in fast sämmtliche europäischen Sprachen übertragen. Im Jahre 1858 erschien eine metrische Übersetzung des Buches Hiob und im Jahre 1860 eine sölche des Hohen Liedes, Nachklänge seines ehemaligen geistlichen. Berufes. Von größerem Interesse für uns ist jedoch seine Geschichte Israels, von welcher 3 Bände bisher erschienen sind. Wir schließen uns hier an das competente Urteil des hervorragenden Docteur en droit (Doctor iuris) Theodor Reinach ganz an, wenn er von diesem Werke behauptet, daß er weder mih den Prämissen, noch mit den Schlüssen, noch überhaupt mit der Methode Renans bei der'Bearbeitung dieses Werkes harmonieren könne (de ne suis d’accord avee l’auteur de 1’ Histoire d’ Israel ni sur les prernisses, ni sur la conclufeion, ni sur la methode de son ouvrage)9). Und auch die deutsche Kritik hat dasselbe Urteil) vollinhaltlich bestätigt. ' Es erübrigt noch über Renan als Bekämpfer des Antisemitismus zu sprechen. Und da müssen wir es anerkennen, daß so ungerecht Renan auch gegen das jüdische Altertum war, so gerecht war er gegen das gegenwärtige Judentum; zu wiederholten Malen sowohl in Vorträgen in der Societe des ittudes juives in Paris, als auch bei Interviews, immer und überall betonte er die erhabene Mission des Judentums/9) die die Menschheit zu vereinen un) zu verbrüdern berufen sein; und anerkannte gerne und freudig die Leistungen der franzl.sischen Juden, sowie — was ihm besonders nahe lag — die Leistungen der deutschen Glaubensgenossen auf dem Gebiete der Wissenschaft des Judentums. 8) Der schöne Spruch lautet: „Wirf hin die Form, de» Sinn ergreife; denn Zucker, sie gemeines Rohr". *) Pariser Revue des Etudes juives 1887. XV. Band,Seite ,0) Allerdings sprach er schon vor Jahrzehnten oie neuerdings von F. v. Lu vertretene Ansicht aus, daß die modernen Juden durchaus keine Rasse, sondern nur ilagbenseinhei t bilden. er ist 314. chan eine