Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 12 (1892)
- Issue
- Heft 10 (1.10.1892)
- Date
- 1892-10-01
- Page
- Seite 235 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2969669-2969947-2969958--3666-2977063- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
235 Hofes eingeschxitten und wurde hierüber die coiumissiouelle Verhandlung behufs Erhebungen hinsichtlich der Eignung der beantragten Grundfläche zur Friedhofsanlage anberaumt. — Der berühmte Sprachforscher, Professor Friedrich War Müller in Grford, hat nachstehenden Brief an die Redaction des in Wien erscheinenden Freien Blattes gerichtet: „Oxford, 7. August 1892. 7, Norham Gardens. Verehrter Herr! Ich habe schon zu wiederholten Malen mein Mißfallen gegen das Treiben der Antisemiten ausgesprochen. Ich bin in allen Dingen gegen seichtes Generalisiren. Wenn man die allgemeinen Urteile über Engländer, Franzosen, Deutsche rc. hört, so möchte man immer fragen: wie viel Engländer haben Sie denn gesehen und gekannt? Vielleicht zwanzig, und dennoch urteilt man über zwanzig Millionen! Ich habe viele Juden gekannt, bin ja in Dessau geboren. Viele meiner besten Freunde waren Juden. Nun giebt es auch schwarze Schafe unter den Juden, aber nach ihnen das ganze Volk zu beurteilen und zu verurteilen, das geht doch gegen alle Regeln inductiver Logik! Ich habe seit lange jedem Deutschen in England gepredigt, daß er als Einzelner für den guten Namen des deutschen Volkes in England verantwortlich ist. Dasselbe möchte ich jedem Juden predigen können. Jeder einzelne Jude ist für den guten Namen der Juden verantwortlich. Wenn jeder einzelne Jude das fühlte oder wenn die Gemeinde ihn das fühlen ließe, so würde es keinen Antisemitismus geben. - Das in Bausch und Bogen Aburteilen, ist der Ruin aller Wissenschaft; was für Unheil es in der Gesellschaft und im Staate airrichten kann, sehen wir an den Excessen der Antisemiten. Ich bin Anti - Antiseinit und werde es bleiben. Hochachtungsvoll ergebenst F. Max Müller." — In Mähr-WeißKirchrn wurde Herr Dr. Adolf Aeirndörfrr, bisher in Böhm-Leipa, zum Rabbiner erwählt. — Am 3. August starb in Ung. Krod Herr Zalamon Zrammcr 108 Jahre alt. Er unterrichtete Herrn Dr. Adolf Icllinek in dessen Kindesalter im Talmud. — Marquis Mores, der seiner Zeit den Hauptmann Mayer im Duell erstochen hatte, wurde vom Pariser Schwurgericht freigesprochen. — Herr Julius Kuff, bisher Rabbiner in Sedan, ist zum Rabbiner von gerdun erwählt worden. — In Avignon starb der Rabbiner Herr Arnjamin Wolfe, bekannt als Schriftsteller und Herausgeber der Monatsschrift: „La Familie de Jacob“. — Im „Univers israelite" weist Herr Felir Zloch nach» daß man früher auch bei weniger als .10 Personen öffentlichen Gottesdienst abgehalten. Man hatte sich unter Anlehnung an einen Bibelvers (Richter 5, 2) mit 7 oder gar mir 6 Personen begnügt. — In der Akademie der Wissenschaften in Paris erklärte Pasteur, daß die von dem russischen Arzte Haffkin (Israelit) an sich und drei anderen Russen vorgenommenen Anticholera-Jmpfungen bisher befriedigende Resultate ergeben haben. — Herr Baron Jonas Ditla, welcher durch 50 Jahre in Lyon lebte, ist jüngst dort gestorben. Derselbe war im Jahre 1620 in Casala <Italien) geboren und hat während seines Aufenthaltes in Frankreich seine italienische Staatsbürgerschaft beibehalten. Zur Ehrung seines Andenkens haben die Wittwe und die Kinder desselben 150,000 Francs unter Arme und an Wohlthätigkeits-Jnstitute ohne Unterschied der Religion verteilt. — Bei der Prcisverteilung am National-Conservatorium der Musik in Paris wurde der erste Preis für Violine einstimmig dem Fräulein Iajfe, einer jungen russischen Jüdin, zuerkannt. Die ganze Pariser Presse ist ihres Lobes voll. Den ersten Preis für Piano erhielt ebenfalls eine Jüdin, Fräulein Weingärtner. — Die Vorbereitungsarbeiten zur Allgemeinen Encyklopädie des Judentums unter Leitnng des Herrn Isidor Singer in Paris sind nunmehr bereits so tveit gediehen, daß der erste Band Anfangs 1893 wird er- 20*