Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 12 (1892)
- Issue
- Heft 10 (1.10.1892)
- Date
- 1892-10-01
- Page
- Seite 230 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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230 zu appelliren und die Funken eines Rassenu»d Neligionshasses in dieselben zu werfen, war und ist ei» Verbrechen, wie an Deutschland, so am Christentum. Zumal die War von einein im talmudischen Judentum begründeten religiösen Bedürfnisse nach Christenblut hat die Wissenschaft von Neuem erwiesen als das, was sie ist, als ^ine leere Ausgeburt Mittelalterlichen Aberglaubens und Fanatisniils. Die schmachvolle Xantencr Geschichte hat aber noch eine andere Seite als die puraiitisemitischle, »äiiilich die Vcrschwisterung, i» der Antisemitismus und Ultramontanismns hier erscheinen, und dadurch wird sie zu einem noch viel bedrohlicheren Zeichen der Zeit .... Aber unsere Staatenlenker sind ja von Bismarcks Zeiten her blind und taub gegen solche Zeichen und Warnungen." — In einer Vorlesung über „Moralphilosophie" kam Professor v. Gizycki in Kerlin gelegentlich der Besprechung der Intoleranz auch auf den Antisemitismus zu sprechen und äußerte sich ungefähr folgendermaßen: Er könne das vorliegende Gebiet (Intoleranz) nicht verlasse», ohne auf eine Form derselben zu konimeu, die gerade in neuerer Zeit in Deutschland sich gezeigt habe und ivenig geeignet sei, dem Name» Deutschlands ini Auslande Ehre zu machen; er habe dabei den Antisemitismus im Auge. Nach einigen einleitenden Worte» fuhr dann der Vortragende ungefähr also fort: Jeder Menschenfreund müsse Philoseinit sein. Jedem Menschen werde ei» sittlicher Mensch mit Achtung und einem Gefühl rücksichtsvoller Teilnahme begegnen, es müßte denn senk, daß jener durch sein eigenes persönliches Verhalten sich der Achtung unwürdig gezeigt habe. Daß manche Jude» nnliebenswürdige Eigenschaften besäßen, bezweifelten selbst die vernünftigen Inden nicht. Doch es wäre thatsüchlich wunderbar, tvenn die Jahrhunderte langen Verfolgungen solche Eigenschaften nicht hervorgebracht hätten. Aber ebenso sicher sei^daß durch neue Verfolgungen der Charakter der Juden nicht besser werden würdie Uebrigens seien die Eigenschaften, die man an den Inden tadle, an nur allzuvielen Nichtjuden zu Knden. Ihm seien in dieser Hinsicht wahre Prachtexemplare von antisemitischen Germanen bekannt. Ungerecht sei es, allen Individuen einer bestimmten Klasse znzuschreiben, was von einigen Individuen gelte. Ungerecht sei es, einen Menschen nicht nach seinen persönlichen Eigenschaften zu behandeln, sondern naih solchen, welche man seiner Klasse zuschreibe. Unsere Pflicht sei einfach die, die Unrechtschaffenheit zu bekämpfen, Ivo ivir sie fänden, sei es bei Menschen germanischer Abkunft und den Ehrenmann als solchen anzuerkennen, er sei Jilde oder Nichtjnde. — Herr Dr. Zivi ist zum Rabbiner in Winzenheim erwählt worden. — Am 19. August feierte Herr L. I. Winden, Vorsteher der jüdischen Reformgemeinde in Zerlin seinen 70. Geburtstag. Sein Großvater mar Rabbi Löb Jehuda Minden, Mitglied des Rabbincr-Collcgiums in Berlin um die Miste des vorigen Jahrhunderts; bekannt durch sein Werk „Sefer Millin". Der Synagogenchor der Reformgeineinde überraschte den Jubilar durch ein Ständchen. Es erschienen verschiedene Deputationen der Gemeinde. Herr Hollaender verlas eine Adresse des Vorstandes und der Repräsentanten. Ansprache» hielten die Herren Commerzienrat Weigert, Pinenssohn, und Prediger Dr. Levin. — Fräulein Louise Heymann, Tochter des Amsterdamer Oberkantors, hat in Kerlin gesungen. Ueber die Erfolge dieser aufblühenden, jungen Primadonna äußert sich die „Nordd Allgem. Zeit." „Frl. Heymann kam nach Berlin als fast unbekannte Sängerin und verließ es als glänzender Stern ain Himmel der Gesangsknnst." — Die Universität Jena hat Herr Rabbiner Dr. Wiener in Gppeln unter dem 25. Juli d. I., in Erinnerung an den Tag. an dem er vor 50 Jahren in Jena promovirt wurde, das Diploi»' als Ehrendoktor verliehen. — Ein Hörer der Lehranstalt für