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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1892-10-01 · Heft 10 (1.10.1892) · p. Seite 229

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
12 (1892)
Issue
Heft 10 (1.10.1892)
Date
1892-10-01
Page
Seite 229 (sequence 13)
Language
German
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229 den Gesetzgeber Moses mit dem mytischen Dichter Musäus identisch/) es wird ferner Moses eins mit Hermes gehalten, der die Buchstabenschrift gelehrt hat. Man behauptete, daß Plato sich den MoseZ, das mosaische Gesetz, bei der Ausarbeitung seines Staates zum Muster genommen/) Dasselbe wird von Pythagoras berichtet, denn das Gesetz Mosis sei schon vor Alexander dem Großen griechisch übersetzt gewesen/) Ebenso soll Aristoteles bekannt haben, daß er von einem jüdischen Weisen, mit dem er Unterredungen hielt, viel gelernt habe/) Ueber den Eindruck, den der Mosaismus auf den gebildeten Griechen machte, zitiren wir die Worte Strabos (60 v. — 20 n) in seinem geographischen Werke: „Moses lehrte, daß die Aegypter nicht richtig thäten, indem sie die Gottheit den Tieren ähnlich machen; auch nicht die Libyer und nicht einmal die Hellenen, die sie in menschlicher Gestalt abbildeten. Denn das Eine allein sei Gott, bas uns Alle, Erde und Meer umfasst, das wir Hin,Niel und Welt und die Natnr der Dinge nennen. Fortsetzung folgt. Monatsschau Herr Rabbiner Dr. §. Grün kündigte in Wiesbaden folgende drei „religionsphilosophische Vorträge" an: Ist die Trauer des israelitischen Volkes um die Zerstörung des Teuchels zu Jerusalem am Ende des 19. Jahrhunderts noch berechtigt? Ist die Vereinigung und Versöhnung der jüdischen und christlichen Lebensanschauung niöglich und zu erstreben? Antrag zur Gründung eines allgemeinen Glaubens-, Friedens- und Freundschaftsbundes. Ueber den ersten dieser im Römersaale am 16. August gehaltenen Vorträge wird berichtet: Die Reihe der religiöseil Vorträge begann Herr Rabbiner Dr. Grün mit einer stimmungsvolle» Einleitung vor einem gewählten Publikum, darunter mehrere geistliche Vertreter christlicher Bekenntnisse, indem Redner zunächst sich in eine allgemeine Kritik der bestehenden Zustände der Zeit in sozialer und nioralischer Beziehung erging und dem Bedauern über die Trennung des jüdischen Volkes in religiöse Parteien, die sich über das Grab hinaus anfeinden, Ausdruck gab. Zun« eigentlichen Thema übergehend, hält der Vortragende die Gebete um die Rückkehr nach Palästina und um Wiederherstellung des Opferkults nicht nichr am Platze — daher auch die Trauer um den Verlust des Tempels zu Jerusalem in nationaler Beziehung seit der Gleichberechtigung in bürgerlicher Hinsicht und gleichzeitigein Aufhören des mittelalterlichen Druckes für unbegründet, diesfalls eine rationelle, radikale Reform vorschlagend, mit der Begründung, daß das Gottesreich universell aufzufassen sei. Dieses zu realisiren, sei die Aufgabe der messianischen Zeit. — Unter der Spitz marke „Zeichen der Zeit" äußert sich Herr Prof. W. Keyschlag in Kalle in der August-Nummer seiner „Deusch.-Evangel. Blätter" über verschiedene Zeitcrscheinungen, die in den letzten Wochen die Aufmerksamkeit auf sich gelenkt haben. Anläßlich des Knabenmordprocesses in Cleve schreibt der berühmte protestantische Theologe u. A.: „Der Antisemitismus ist eine Giftpflanze auf deutsch-christlichem Boden.An die Leidenschaften der ungebildeten Massen ») Euseb. praep. Evang. 9. 18—23. 2) Daselbst 9. 6; 13. 12. p. 663. 3) Clemens . Älexaud. Strom. I. 342. 4) Clearchus de somno I. Clemens Alexand. Strom 1. Bergl. Joseph, contra Apionem 1. 22.

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