Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 12 (1892)
- Issue
- Heft 10 (1.10.1892)
- Date
- 1892-10-01
- Page
- Seite 228 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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hälr, so thut der Sohn nicht nur dasselbe, sondern er läßt sich auch beschneiden, verachtet die römischen Gesetze, und studiert und beobachtet mit Scheu das von Moses überlieferte jüdische Gesetz, da inan nur Glaubensgenossen den Weg zeigen und nur Beschnittene zur gesuchten Quelle führen solle." ‘) In den Großstädten Roii^l, Alexandriens, Antiochien Z, Damaskus^, u. a. a. O. war die Zahl der Judenfreunde gleich der Anzahl von Juden selbst. Wie und wodurch k a in! dies? Die Geschichte giebt uns hierzu zwei mächtige Faktoren an. der eine war das griechische Schrifttum der Juden in Alexandrien und an a»- deren Orten! und als den ändern bezeichnen wir die Diaspora, die Zerstreuung der Juden in den Ländern Asiens, Afrikas nnd Europas mit ihren Gemeinden und religiösen Institutionen der Bet- und Lehrhäuser n. am. War es Erstere», gelungen, die Gottesidee des Judentnins mit seinen Lehren und Gesetzen in! eine der Griechen und Römern annehmbare Form zu kleiden, Alles, was abj sonderlich und abstoßend hätte wirken können, in den Hintergrund treten zu lassen, so stellte der andere Faktor die Juden an den vielen Orten ihrer Wohnsitze als Äe lebendigen Zeugen der Wahrhaftigkeit des durch das griechische Schrifttum hes jüdischen Hellenismus de» Heiden verkündeten Gotteswortes mit seiner sittlicy bildenden nnd belebenden Macht auf. Das bedeutende griechische Schrifttum des jüdischen Hellenismus, das teils zur Abwehr der feindlichen Angriffe auf das Judentum, teils jur eigenen Belehrung seiner Stammesgenossen abg^faßt wurde, hat die Lehxen und Gesetze seines Gottesglaubens in der Denk- und Vorstellungsweisel der damaligen gebildeten Welt in gefälliger Form griechisch wiedergegeben. Gegen die Hälfte des zweiten Jahrhunderts wurde erst! eine griechische Uebevsetzung des Pentateuchs und später auch der andern biblischen Schriften angefertigt, die sich bis heute unter dem Namen „Septuaginta," wenn auch nicht mehr ganz in der ursprünglichen Fassung, sondern mit dielen Zusätzen und Umarbeitungen erhalten hat. Dieselbe war der erste Sendbote des Judentums, der in griechischer Sprache die Lehren und Gesetze des jüdischen Gottesbekenntnisses mit der Geschichte des israelitischen Volkes den Völkern verkündete. Weithin fand dieses heilige Schrifttum der Juden in dem griechfschen Gewände seine Verbreitung; es wurde in die gebildeten Kreise Alexandriehs, Syriens, Griechenlands nnd Roms hineingebracht. Man konnte sich nun mit dem als Aberglaube» verschrieenen jüdischen Gottesbekenntnis und dessen Lehren und Gesetzen vertraut machen, was in vollem Maße geschah, und man war von dem vielen Trefsljchen darin überrascht und betroffen. Nicht in Philosopheincu, sondern in einfachen, klaren, Allen verständlichen Sätzen fand man hier, >vas die Aufgeklärten der Zeit bewegt hatte: es gebe nur eine Gottheit, alle Menschen haben Anspruch auf Feiheit, Rechts und Liebe; sie sämmtlich sind Glieder einer großen Völkerfamilie u. a l». So bildete diese griechische Bibel ei» neues Element i» der damaligen Weltliteratur, das bestimmt war die entgegengesetzten Anschauungen des Morgen- und Abendlandes zu vereinen und eine Uinwsilzung in dem damaligen religiösen Denken hervorznrufen. Wie groß die Wirkung davon >var, geht aus den Sagen hervor, die sich zur Verherrlichung dieser griechischen Bibelübersetzung sowie von der Glorifikation, Mosis in dem griechisches Schrifttum dieser und der späteren Zeit gebildet hatten. Artapan hält *) Juvenal Sat. XIV. 96—106. 2) Tacit, hist. V. 5. 3) Strabo bei Joseph Antt. XIV. 7. 2. 4) Joseph. Antt. 3. 2. b. j. 2r 3. 3. 5) Das. b. j. 20. 2. 2.