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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1892-10-01 · Heft 10 (1.10.1892) · p. Seite 227

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
12 (1892)
Issue
Heft 10 (1.10.1892)
Date
1892-10-01
Page
Seite 227 (sequence 11)
Language
German
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227 lockungen, keine weltliche Blendtverke gewesen, die der jüdischen Religion den Weg zu den Herzen der Völker gebahnt und sic zur Anerkennung und Annahme ihrer Lehren von Gott und Menschenliebe bewogen, sandeln der reine Gehalt derselben. Dieser erleuchtete die Geister und eroberte sich siegreich die Geinüter der Heidenwelt. Die Gottesidee des Judentums wurde die Sehnsucht der Völker. Es war eine Erfüllung der göttlichen Verheißung (in Jesaia K. 60. 2. 3.): „Denn siehe, Finsternis deckte die Erde, düsteres Gewölk die Nationen, aber über dich 'strahlte der Ewige und seine Häßlichkeit ward über dir gesehen- Und es wandeln die Völker nach deinem Lichte und die Könige in dem Glanze deines Strahles." Kaum zwei Jahrzehnte nach der Auflösung des jüdischen Staates in Palästina unter der Regierung des Domitian, konnte der Geschichtsschreiber Flavins Jasephus - schon berichten: „Gewiß, bei der Menge ist seit lange ein großer Eifer für unsere Religion anfgekommen. Es gibt nicht irgend eine griechische oder barbarische' Stadt, nicht ein Volk, zu welchem nicht die Sitte der Sabbathfeier gedrungen wäre. Auch die Fastenzeit, das Anzünden der Lichter (am Makkabüerfest) und Vieles, was uns zu genießen verboten ist, werden (von diesen) beobachtet. Sie bestreben sich, unsere gegenseitige Eintracht, die Freigebigkeit mit den Besitztümern, die' Arbeitsamkeit in den Gewerken und unsere Ausdauer in den Drangsale» wegen des Gesetzes nachzuahmen.Wie Gott sich durch die Welt ergießt, so ist das Gesetz durch die Menschheit gegangen. Ein Jeder, der sich in seinem Vaterlande und in seinem Hause umgesehen hat, wird mich nicht Lügen strafen.Wären wir nicht selbst von der Vortrefflichkeit aller unseren Gesetze überzeugt, würden wir durch die Menge ihrer Anhänger darauf geführt werde», stolz auf sie zu sein"?) Ferner: Viele der Hellenen sind zu unseren Gesetzen übergegangen, die Einen sind dabei geblieben, die Andern, welche der Standhaftigkeit nicht fähig waren, sind wieder abgefallen."?) Nach den Berichten der Evangelien, (Apostelgesch. Gal. 5. 2.) waren es ganze Gemeinden, die sich im ersten Jahrhundert zur Ciscumcissian drängten?) Ein anderer Augenzeuge aus der Zeit unter Nerva, Trajan und Tacitus, berichtet in verbissenem, unverkennbare» Aerger darüber: „diejenige», welche zu ihrer (der Jude») Religio» übergehen, haben dieselben Sitten. Sie werden nicht früher ausgenommen, bis sie die Götter und das Vaterland verachten, Eltern, Kinder, Brüder aufgeben. Nur Verworfene gehen zu ihnen über und wenden ihnen Gaben und heilige Spenden jit."4) Daß es keine Verworfene waren, die zum Judentum übergiugei«, geht aus dem Bericht des Dio Cassius hervor. Derselbe erzählt aus der letzte» Zeit Domitians, daß Domitian seinen Verwandten Flavius Clemens hinrichten ließ, ebenso bestrafte er viele Andere teils an Gut, teils am Leben, weil sie auf den Abweg der jüdischen Sitte geraten sind?) Der Andrang zur jüdischen Religion muß .damals .nicht unbedeutend gewesen sein, da Nerva sich veranlaßt sah, ei» Dekret zu erlassen, welches verbot, eine Anklage w,egen jüdischer Lebensweise zu erheben. °) Es galt dieses nervanische Dekret als Gegensatz gegen die strenge Praxis unter Domitian. Wir erwähnen noch eine Stelle aus der 14. Satire des römischen Dichters Juvenal, der über die Neigung der Römer zum Judentuni in erbittertem Tone sagt: „Wenn der Vater jeden siebenten Tag faulenzte und Schweinefleisch (gleich Menschenfleisch) verboten *) Joseph, contra Apionem II. 39. Aehnliches bei Philo, Vita Mosis II 137. *) Das. II 10. 3) Bergl. Joseph. Antt. 20? 2. 2. 4) Tacit. hist. IV. 5. 5) Dio Cassius 67. 14. Daselbst 68.

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