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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1892-10-01 · Heft 10 (1.10.1892) · p. Seite 223

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
12 (1892)
Issue
Heft 10 (1.10.1892)
Date
1892-10-01
Page
Seite 223 (sequence 7)
Language
German
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— 223 Chalipatlii T’murati Chaparathi sage, weil deren Anfangsbuchstaben Chataeh sind, welche der Name des Engels ist, der die Lebensdauer der Menschen bestimmt. Chatach welches zerschneiden heißt, ist dann zu vergleichen mit der Parze Atropos, von der der Lebcnsfadcn angeschnitten wird- So sehr aber auch dieses Opfer mit der Zeit geheiligt wurde, so eiferten doch drei ausgezeichnete Talmudisten: - R. Moses ben Nachman, R. Salomo ben Adereth und R. Joseph Karo, dagegen. Der erste sagt: Es s ei dieser Brauch als heidnisch eine Sünde. Der zweite meint; In Betreff der Kaparoth, die man für die Jugend — es war also bei den Erwachsenen damals noch nicht gebräuchlich — bringt, so ist dieser Gebrauch in unserer Stadt allgemein eingeführt. Obgleich ich aber von vornehmen Männern Deutschlands vernommen haben, daß die dortigen, Rabbine» für diesen Brauch stimmen, habe ich ihn dennoch in unserer Stadt aufgehoben. Endlich will auch der dritte R. Josef Karo (Hilchotli rosch hascliana seet. 605) diesen heidnischen Gebrauch beseitigt wissen. Daß dieser Brauch heidnischen Ursprungs ist, ersieht man auch daraus, daß bei den Griechen und Römern bei Genesung Kranker dem Aesculap ein weißer Hahn geopfert wurde. Es ist ferner zu bedenken, daß ursprünglich dieser Brauch nur für die Jugend eingeführt wurde, und das Opfer aus Pflanzen bestand. Bei den Griechen war der Palmbaum den Musen geheiligt. Es mochten daher die damals dem Heidentume ergebene» Israeliten die Palmzweige als Opfer für ihre Kinder gewählt habe». Üm aber nicht das Heidnische im Originale aufzunehmeu, verarbeiteten sie die Palmzweige zu Körben, pflanzten schnellwachsende Vegetabilien hinein, um dadurch dem Opfer ein äußeres Ansehen zu geben. In späterer Zeit verwarfen sie die Anbetung der Musen und mußten daher auch die früher gebräuchlichen Opfer geändert und durch solche, die der Minerva geheiligt waren, ersetzt worden. Nun war bei den Griechen und Römern die Eule und der Hahn, der Minerva geweiht und als Attribut beigesetzt. Die Israeliten wählten den Hahn weil dieser nach mosaischer Verordnung ein reines, die Eule hingegen ein unreines Thier ist. Nach einigen Jahrhunderten wurde die Grundursache dieses Brauches vergesse», und man meinte, daß diese ^pfer, sowie der Asasel, die menschlichen Sünden auf sich lade, und es wollten also auch die Erwachsenen auf diese Art ihrer Sünden ledig werden. Es mußte nun die allgemeine Einführung dieses Gebrauches erfolgen. Daher auch die) späteren, oben erwähnten kabbalistischen Zusätze, da man diese Tiere als wirklimc Sühnopfer betrachtete. Daß aber dieser Gebrauch den lim Orient und in den meisten italienischen Ländern wohnenden Israeliten ganz Jfremb ist, bestätigt Leo Mantinensis (de Ceremon. liodie. Judaeonim Part. III. 7). Im Ceremonienbuch Colbo (S. 68) wird sogar befohlen, dieses priesterliche Amt entweder von einem Alten oder von einem Chasid ausüben zu lassen, und sodann soll dieses Opfertier an Arme verschenkt werden, welches Letztere aber vom Mahril aus dem Grunde nicht angenommen wird, weil es für den Beschenkten eine Beleidigung wäre, ein mit Sünden belastetes Thier genießen zu müssen. Es soll daher meint der Mahril der Wert dieses Opfers den Armen gegeben werden. O.

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