Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 12 (1892)
- Issue
- Heft 10 (1.10.1892)
- Date
- 1892-10-01
- Page
- Seite 222 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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222 hervorgehvbcn werden, daß derselbe selbstverständlich weder in der Bibel noch im Talmud erwähnt wird- Erst die Gaonim kennen denselben und Ascheri über denselben befragt, giebt folgende Auskunft. (Vergl. M. Brück, Rabbinische Ceremonialgebräuche u. s: w) „In einigen Oertern wird am Morgen vor dem Versöhnungstage ein Hahn zur Versöhnung geschlachtet, welcher Brauch in den Schriften der Gaonim zu finden ist." Ihr fragt nun nach der Ursache dieser Ceremonie; wenn etwa der Hahn unsere Stelle vertreten sollte, warum wählte man gerade dieses Tier? Darauf antwortet R. Ascher: ihr fragt zwar richtig, allein es giebt folgende zwei U-suchen: 1) weil die Hühner die gewöhnlichsten Haustiere sind (wodurch eS Jedermann möglich wird, ein solches Opfer zu schlachten),- und wirklich schlachte» »lanche Reichen einen Widder, west auch Abraham einen Widder statt Isaak opferte; das Hijhneropfer ist demnach nicht absolut notwendig. 2) behaupten manche Gelehrte, daß der Hahn darum vorzuziehen sei, weil in der hebräischen Sprache das Wort „Geber" sowohl eine» Mann als auch einen Hahn bezeichnet; daher soll „Gelber" der Hahn für „Geber“ den Mann sterben." i „Die Ceremonie wird auf folgender Art ausgeübt. Der die Ceremonie verrichtet, nimmt den Hahn, auf dessen Kopf er seine Hand legt; dann wird die Hand auf den Kopf des Opfernden gelegt, wobei er die Worte ausspricht: Dieser sei für jenen, dieser erlöse jenen." Dann wird auf den zu Versöhnenden abermals die Hai d gelegt und werden dabei die Sätze aus den Psalmen (K. 107, V. 10, 14, 17, 18, 19, 20, 21) dreimal wiederholt. Es wird dann die Hand auf das Opfer es sogleich un wir aber die Vögel davon weil die Hüh Eigentum) au fressen." Dieser ier gelegt, wie es ehedem beim Opfern Sitte war und man schlachtet ö schenkt es einem Armen, um dadurch versöhnt zu werden. Daß Eingeweide hiervon avf's Dach werfen, geschieht, um auch die zenießen zu lassen. Maache behaupten, letzteres geschieht darum, ier gewöhnlich ihre Nahrung auf den Straßen (mithin fremdes suchen. Ferner, weil sie Würmer und Insekten (also Unreines) Brauch wurde allgemein eingeftthrt und geschieht seiner Erwähnung im „Dur Oracb Chaim“ in „Tkiselibaz“ mib „Schebili“. Wenn wir jedoch der Sache tiefer auf den Grund gehen, so finden wir» daß ursprünglich das Opfer nicht ans dem Tier-, sondern aus dem Pflanzenreiche genommen, und nur für Kinder dargebracht wurde., Raschi (Tract. Sabbath Fol. 81) schreibt: „In den Response» der Gaonim habe ich gefunden; daß man Körbe aus Palmziveigen flicht, die dann mit Erde und Dünger gefüllt werden, und 22 oder 15 Tage vor Neujahr wird für jeden Knaben und für jedes Mädchen ein solcher Korb bestimmt, in welchen entweder Bohnen oder Erbsen gesäet werden. Am Tage vor Neujahr nimmt jedes Kind den für ihn bestimmten Korb, drehet sich diesen sielten Mal um den Kopf, wobei es sagt: „Dieser sei an meiner Stelle, dieser vertrete mich, und wirft ihn sodanil in einen Fluß." Dieser Brauch scheint aber von nicht langer Dauer gewesen zu sein, da das Hühneropfer auch schon in den Schriften des Gaonim vorkommt, und man setzte Tiere an die Stelle der Pflanzen. Später erlaubte man dafür auch Gänse, Enten (aber keine Tauben), Fische und sogar gelöcherte Gartentöpfe zu gebrauchen. Die Kabalisten wollen, daß man einen weißen Hahn schlachte. Auch fanden diese für billig, daß man bei Ausübung dieser Ceremonie, die Worte: