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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1892-10-01 · Heft 10 (1.10.1892) · p. Seite 221

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
12 (1892)
Issue
Heft 10 (1.10.1892)
Date
1892-10-01
Page
Seite 221 (sequence 5)
Language
German
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221 zum Lichte und zum Heile, das ist der Pfad der Wahrheit und der echten Seelengröße, und der Anstoß, den wir da hinwegzuräumen haben, das ist das Scheinwesen, daS der Wahrheit den Boden entzieht, unserem Streben jeden sittlichen Halt hinwegnimmt und den Ernst und die Festigkeit einer edlen und lauteren Gesinnung nicht aufkommen läßt. Das hohle Scheinwesen, das mag noch so künstlich die innere Leere verdecken, mag der Lüge einen noch so blendenden Anstrich geben, das ist und bleibt verwerflich, damit können wir den Frieden nicht erlangen und die Versöhnung von Gott. ,Wie sie den ganzen Tag nur mich aufsuchen, nach Kenntnis meine Wege verlangen, als wären sie ein Volk das nur Recht übt, das die göttliche Wahrheit nie verleugnet und verläßt' ruft der Prophet. Belehrung suchen sie in meinem Hause, die Nähe Gottes streben sie an, doch worin besteht die Frömmigkeit, mit der sie sich mir nahen, welches ist die Lehre, die sie von mir verlangen? Das Fasten und Kasteien, das äußere Thun und die gedankenleere Werkheiligkeit, darin allein soll alle Frömmigkeit bestehen, das allein soll alle Gottesfurcht ausmachen und wenn, sie nach Belehrung suchen, da fassen sie gleich die Religion nicht anders auf, als ob durch sie mit der Vorsehung Handel zu treiben wäre, daß man für fromme Thaten gute Gaben des Glücks und Segens sich erkaufen könnte. Wahrlich Euer Festtag ist Euch nur ein Geschäftstag, da möchtet ihr mit Gott eueren Handel abschließen, währendem ihr dies sonst mit den Menschen zu thun pfleget, darum strengt ihr euch so an und niöchtet den höchsten Preis darauf setzen, daß ihr nur die Erfüllung euerer sehnlichen Herzenswünsche von dem Ewigen erlanget. Ihr sollt Euch mit Euerem Gotte versöhnen und Euer ganzes Thun widerstreitet diesem, erhabenen Zwecke, indem ihr da gleichsam nur der Religion ihren Zoll hinwerfet, damit sie für die übrige Zeit des Jahres weiter nichts init Euch zu thun habe. Schemwesen ist es in Israel mit der Gottesfurcht geworden, Scheinwesen mit der ^Religion. Gesinnungsgröße und Geisteswürde müssen wieder in unser Mitte heimisch werden, wahre Tugend und Biederkeit, echter Gottessinn und Seelenadel müssen wieder in unser Leben einkehren, von dem Scheinwesen, das so vorherrschend geworden, müssen wir uns lossagen, brechen mit der Verlogenheit, die unser ganzes Denken und Fühlen mit ihren giftigen Ranken umschlungen, die Wege müssen wir bahnen, die zu Gott führen, die Anstöße hinwegräumen, die in unseren» Herzen liegen, dann wird >vie Morgenröte der Glanz Israels wieder anfstrahlen, dann wird sein Heil iminer herrlicher erblühen. Wahrheit und Gerechtigkeit »verden auf den Bahnen seines Fortschrittes ihm voranleuchten, die Herrlichkeit des Ewigen ihin folgen u»»d der Segen Gottes es z stets beglückend umgeben. Weber den Wrauch des Kühneropfers vor dem | Werföhnungstage. Unter den verschiedenen Bräuchen, die mit dem Versöhnungstage zusainmenhängen ist keiner so »veit verbreitet wie der, daß vor demselben am 9. Tischri morgens ein Hahn für jede männliche und eine Henne für jede weibliche Person als Bersöhnungsopfer dargebracht wird. Fragt man nach der Quelle dieses unter den Namen „Lupores-Umschlagen" bekannten Brauches, so muß zunächst

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