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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1892-10-01 · Heft 10 (1.10.1892) · p. Seite 219

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
12 (1892)
Issue
Heft 10 (1.10.1892)
Date
1892-10-01
Page
Seite 219 (sequence 3)
Language
German
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tirmliche, das ihn von allen anderen Wese» unterscheidet und ihm den Rang überirdischer Größe und Hoheit verleiht.! Das Leben ist sonst, wo es in dem weiten Reiche der Schöpfung hervortritt, an einen bestimmten Gang und-Lauf gebunden, der imnier derselbe bleibt. Das Thier kann nicht etwas anderes aus sich machen, als cs ist, sehnt sich überhaupt wohl nie heraus aus dem Zustande, in dem es seiner Beschaffenheit nach sich befindet, es hat in einer Gattung immer eines wie das andere dieselben Neigungen, Eigenschaften, Gewohnheiten und kann sie nie verlieren und verleugnen. Wie anders bei dem Menschen! In dem gährt und glüht es immer, der ist mit sich nie zufrieden, der möchte nur. iniiner auf eine höhere Stufe hinauf kommen, als es die ist, auf der er sich bereits befindet, der hat die rechte Ruhe nicht in sich, der Geist der denkende, dem genügt das schale äußere Leben nicht, der will ihm auch einen tiefere:. Gehalt yerieihe», eine höhere Bestimmung verschaffen, der Vergänglichkeit will er sich entwinde», sich durch die Trübnis, die das gewöhnliche Erdendasein umhüllt zu», Lichte emporringen und darum aufwärts seinen Schwung nehmen und dem Lebe» Bahne» öffnen, die zu einem erhabeneren Standpunkte es heraufführen Das ist eben das Geistige, das Freie in dem Menschen, das sich der Banne der Unveränlichkeit, dem Zwange der drückenden Notwendigkeit, die in dem irdische» Sei» vorwalten, nicht unterwerfen rnag und daher über die Grenzen, in denen dieses sich bewegt, hinausschaut, hinausstrebt, und aus sich selbst etivas zu schaffen sucht, das über dem Irdischen steht und nichts gemein hat mit dem Niedere» und Vergänglichen. Es befindet sich somit das innere eigentliche Lebe» des Menschen durchaus nicht in irgend einer Abhängigkeit, der es sich nicht entziehen kan», es ist uns die Wahl anheimgestellt zwischen einem Dasein, das sich über die Niedrigkeit nicht erhebt und darum leer und gehaltlos bleibt, und zwischen einem Dasein in dem das bessere, edlere, geistige Streben des Menschen zur Entfaltung gelangt und das deshalb auch einer ganz anderen Bedeutung, einen viel höheren Wert fiir uns hat, uns den Himmel auf Erden finden läßt, in dem Menschen das Göttliche zur Geltung bringt, darin seine Würde liegt, seine Weihe und Erhabenheit. Das Ziel unserer Erdenwanderung, das ist ein gegebenes und feststehendes, das nicht nach unserem Wollen und Ermessen sich bestimmen läßt, aber der Weg, auf dem wir da wandeln solle», damit wir da auch ein Höheres und Besseres erreichen, das der Vergänglichkeit nicht verfällt und die ewige Hoheit des Geistes bekundet, den müssen wir uns selbst wählen und selbst bahnen, das ist des Menschen Vorzug und das sein höheren Beruf auf Erden. Und auf diese bessere Bestimmung und auf diese Geisteswürde, die uns verliehen ist, wollen die heilige Feste, die mit der Anschauung des Göttlichen unserer Seele erfüllen uns besonders Hinweise», das Bewußtsein derselben in uns zur Geltung bringen und jene Läuterung in uns vollziehen, durch die das Unedle und Verwerfliche aus unserer Gesinnung sowohl, als auch aus unserer Handlungsweisegänzlich hinweggeschafft wird und darum rufen sie »ns nur die Mahnung zu, daß wir auf unseren Lebenswandel wohl achte», die Pfade ebnen und die Wege bahnen, die nach aufwärts führe», auf denen wir aus der Niedrigkeit und Beengtheit des nur an dem Irdischen haftenden Strebens einporsteigen zu den Höhen lichter Seelengröße und hellerer Geisteserkenntnis. Und er spricht Bahnet, bahnet, ebnet den Weg! Mit dem Wege ist hier die ganze Richtung unseres Lebens gemeint, die von dem einen hohen Gedanken, daß der Mensch etwas mehr als ein vergänglich Erdenwesen ist, geleitet sein soll. Es ist damit unsere ganze innere Gesinnung gemeint, die wir läutern, der Gang unseres 19*

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