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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1892-10-01 · Heft 10 (1.10.1892) · p. Seite 218

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
12 (1892)
Issue
Heft 10 (1.10.1892)
Date
1892-10-01
Page
Seite 218 (sequence 2)
Language
German
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218 es wird da das Verständnis dessen sich ihm enthüllen. In dem Buche unseres Lebens, da steht sie geschrieben, die Erklärung zu diesem Worte, deutlicher als in allen Büchern, in denen etwa eine solche enthalten ist. Dieses Buch ist es aber, das wir aufschlage», seine Schrift so geheimnißvoll, sie soll sich vor uns enträtseln und darin sollen wir bedächtig und mit Ernst lesen und es wird uns dann klar werde», was die Lehre von uns fordert, was uns bedeuten soll die Mahnung, dasi wir. die Pfade ebnen und de» Anstoß hinwegränmen sollen von den Wegen ai f denen wir wandeln Nicht ans Einzelnes, was in unserer Lebensführung und Handlungsweise zu mißbilligen ist, was in unserem Thun und Streben als ein Verwerfliches anzusehkll ist, wollen daher die Tage der Erhebung, der Selbsterkenntnis und Selbstheilmung üns Hinweisen und unseren Blick hinlenken, sondern auf das Ganze, das ' ich uns da als ein iu sich zusammenhängendes und vielfach verwickeltes Gewebe von Irrtum, und Verkehrtheit darstellt, auf die geistige Verderbnis und Zerfahrenheit als deren Anzeichen wir jene Einzelerscheinungen anzusehen haben. Es ist nicht die eine oder die andere Verirrung, wegen deren er uns znrechtweisen, sondern es ist der ganze Weg, den er' uns neu schaffen und bahnen möchte, es sind nicht einzelne Fehltritte, die da gut zu machen sind aber cs sind die Anstöße, durch welche solche möglich gemacht wurden, die da hinwegzuräumeu sind. Zn einer wcitunifassenden Lebensbetrachtung also, zu einem tiefen Einblicke in unser ganzes Wesen, zu einer gründlichen Umwandlung unseres Sinnes! und Willens, zu einer völligen Läuterung unserer Anschauung und Erkenntnis fordert der Mahnruf der Feste uns auf und wenn die auch nicht so das Werk eines Augenblickes ist, so sollen wir doch an sic denken und von ihr die! nachhaltige Anregung dazu empfangen. Es wird das irdische Leben des Äkenschen oft mit einer Reise verglichen, als eine Wanderung dargcstellt, inj der nie eine. Rast, oder eine Unterbrechung eintritt, bis wir an ihrem Ziele uns befinden. Wir schreite» immer weiter in die Zukunft hinaus, weil die Zeit die ruhelose uns da stnmer weiter hinausdrängt, und wenn wir da einmal zum Stillstand und zur Ruhe komme», so ist es der Stillstand, der unseren Gang; für immer beschließt, ein Schlaf ans dem cs hienieden kein Erwachen mehr jgiebt. Wir kennen das Ziel, bei dem wir auf unserer irdischen Lebensbahn einst alle anlange» müssen, das einst unseres Erdendaseins unverrückbare Grenze bildet. Es giebt nur ein Ende für jeden Menschen, ein sicheres und unausbleibliches Ende. und das ist der Tod, an den der Lebende so oft erinnert wird, so wenig er auch den Gedanken, daß er einst der Erde ihr Teil znrückgeben muß, fassen kann und null. Ein anderes wie mit dem Ziele aber ist es mit dem Zwecke unseres Lebens und Daseins. So klar jenes uns ist, so unklar ist uns dieser zumeist. Das eine ist etwas Festbestimmtes und Unveränderliches, das zu jeder Zeit und bei jedem Staubgeborenendasselbe bleibt, das andere jedoch ein sehr verschiedenartiges) mannigfaches, das gleichsam erst durch uns selbst Inhalt und Gestaltung erhalten kann. Wir kennen den Zweck unseres Daseins, die Aufgabe unseres Lebens nicht, aber das wird durch ^unsere» eigenen Geist uns verkündet, das der Mensch nicht dazu da ist, in der irdischen Niedrigkeit dahinzuwandeln, daß vielmehr ein höheres Streben ihm eingepflanzt ist, durch dessen Hervorbildnng und Geltendmachung er seinem eigentlichen Menschenberufe nachkommt. Es ist dieses Verlangen, dieses Bewußtsein in der That erst an ihm das Besondere und Höhere, dadurch erst die Weihe des echten Mcnschtnms.aus seinem Wese» hervorlenchtet, das ihm allein nur Eigen-

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