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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1892-09-01 · Heft 9 (1.9.1892) · p. Seite 202

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
12 (1892)
Issue
Heft 9 (1.9.1892)
Date
1892-09-01
Page
Seite 202 (sequence 10)
Language
German
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202 Wahl und Amtsantritt eines Frankfurter Wabbiners. Nach verbürg!er Quelle erzählt von Ad. Gestetner. An einem heiteren Frühlingstage zu Anfang des 17. Jahrhunderts konnte der aufmerksame Beobachtee unter der jüdischen Einwohnerschaft in Frankfurt eine etwas auffällige Bewegung bemerken, deren Grund in einer für diese Zeit einberufeuen Generalversammlung, bei welcher die Wahl eines religiösen Oberhauptes auf der Tagesordnung stand, zu finden war. Es muß hierbei gleich erinnert werden, daß die Gemeinde Frankfurt a. M. zur Zeit unserer Geschichte einen weithin strählenden Glanzpunkt rabbinischer Gelehrsamkeit in Deutschland bildete und somit auch ihre Rabbinen einen Weltruf hatten. — Wenn nun schon unter gewöhnlichen Verhältnissen die Berufung auf diesen Posten an einen! Orte, wie hifr, wo eine auserlesene Schaar scharf ausgeprägter kasuistisch gewandter Talmudisten ihr Lager aufgeschlagen, von vornherein den maßgebenden Factoren viel zu schaffen.gab, bis sie das Rechte getroffen, weil doch nicht so leicht der Berufene zu erwählen war, welcher die Qualifieation besäße. um jenem, auf dein unermeßl cheu Gebiete der Kasuistik seiner wartenden geistigen Gefechte immer tapfer Stcnd halten zu können; so war es diesmal ein ganz abseits gelegener Uijistaud, welcher den Wahlact noch um vieles schwieriger, freilich wohl zugleich sehr interessant erscheinen ließ. Der Sachverhalt wcr folgender. — Der zu jener Zeit daselbst verstorbene Rabbiner, eine Caoacität nsten Ranges, im Gumsse allgemeiner Hochachtung und Beliebtheit, ließ eines Tages, da er das Ende seiner irdischen Laufbahn herannahen füllte,} den Gemeindevorstaud zu sich bitten, um über letztwillige Verfügungen 311 beraten. Hierbei kam er auch auf die Einsetzung seines Amtsnachfolgers zu sprechen und äußerte den Wunsch, es möge als solcher Derjenige erwählt werden, welcher folgende Probe gut bestehen würde. Er deponierte nämlich zu Händen des Vorstandes eine versiegelte Schrift, welche drei hochwichtige, talmudisch-halachisciw, „sehr herbe" Fragen enthielt, und derjenige Bewerber, welcher im Stande sein wird, alle drei Fragen mit unanfechtbarer Entschiedenheit zu beantworten, dem werde die Nabbinats-Würde als wohlverdienter Preis zuerkaunt. Es wurde ihm dieser Wunsch, so sonderbar er auch lautete, ohne Bedenken gewährt; beim man hatte stets zu allen seinen beruflichen Anordnungen in Wort und That das unbedingteste volle Vertrauen und konnte beruhigt bei der einstigen Ernennung eines Nachfolgers diese Probe als richtigen Maßstab gelten lassen. Bald darauf ging er seinen zahlreichen Verehrern Als nun die Trauer dachte auffällige Bewegung zu seinen Vätern ein, tief betrauert und beklagt von czeit um war und das Bedürfnis nach einem Lehrer, und Führer immer fühlbarer ward, berief der Vorstand die vorerwähnte Generalversammlung, zu welcher, nebenbei bemerkt, die Talmudisten in der Gemeinde ein starkes Contingent stellten, um über den Wahlgegenstand überhaupt, dann insbesondere über die in Rede stehende Schrift mit den drei Fragen Bestimmungen zu treffen, und, wie leicht begreiflich, sah Alles dem Resultate dieser Verhandlung mit größter Spannung entgegen, auf welche die Eingangs gezurückzuführen ist. Man kannte nur allzugut den

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