Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 12 (1892)
- Issue
- Heft 9 (1.9.1892)
- Date
- 1892-09-01
- Page
- Seite 201 (sequence 9)
- Language
- German
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201 jüdischen Priester in der Religion der Israeliten unterrichte» ließen und den jüdischen Gottesglauben bei teilweiser Beibehaltung ihrer Götterverehrung annahmen (2. K. 17. 23—34). Der neue Gottesglaube gewann bei ihnen bald die. Oberhand, so daß sie sich nach der Rückkehr der jüdischen Verbannten aus Babylonien an dem Wiederaufbau des Tempels in Jerusalem beteiligen wollten. Die Geschichte kennt sie unter dem Namen „Samaritaner", die erst von den Lehrern des 2. und 3. Jahrh. als „Juden" gleich den andern Anhängern des jüdischen Glaubens erklärt wurden. Beim Rückzuge der Israeliten aus den babylonischen Ländern nach Palästina zur Begründung des zweiten jüdischen Staates schlossen sich ebenfalls viele Fremde den Israeliten an. Im Buche Esther (8. 17.) wird erzählt, daß sich viele von den Bewohnern des Landes den Juden angeschlossen hatten. Und in Nehemia (10. 29.) lesen wir: „Und der Rest des Volkes, die Priester, die Leviten und Alle, die sich absonderten von den Völkern des Landes zur Lehre des Ewigen, hielten fest bei ihren Brüdern." Es wiederholte sich wieder die Frage über deren Zulassung zum Kultus. Die Antwort erfolgte auch da.: „Keine Ausschließung keine Zurückweisung!" In Jesaia (K. 56. 1—7.) heißt es darüber: „Und es spreche nicht der Fremde, der sich dem Ewigen anschließt, abgesondert hat uiich der Ewige von seinem Volke, und cs rufe nicht der Verschnittene: „siehe, ich bin dürres Holz!" Denn so spricht der Ewige: „Die Verschnittenen, welche meine Sabbathe beobachten und erwählt haben, woran ich Wohlgefallen habe, und sesthalten an meinem Bunde, ihnen gebe ich in meinem Hause und innerhalb meiner Mauern ein Andenken, einen guten Namen, besser als Söhne und Töchter, einen ewigen Namen gebe ich ihnen, der nicht aufhört." Eine eigentümliche Erscheinung, einzig in ihrer Art, bietet die Geschichte der Erfüllung obiger prophetischer Verheißung, des Ganges der jüdischen Gottesidee durch die Völker, in dem Jahrhundert vor und nach der Auflösung des jüdischen Staates durch Titus. Was nicht in der Blütezeit des ersten und zweiten jüdischen Staatslebens, nicht in den Jahren des Glanzes und des Glückstandes des jüdischen Volkes zu geschehen vermocht hat, das vollzog sich wunderbar zur Zeit des Niederganges desselben, in den Jahren der Vernichtung seiner politischen Fortexistenz. Ein Zug nach dem jüdischen Gottesglauben, ein Drängen zu dessen Altären bemächtigte sich der Völker in und außerhalb Palästinas. Asiaten, Griechen und Römer in den drei Weltteilen, Asien, Afrika und Europa sah x man sich zu dem jüdischen Gottesglaubcn bekenne», die Synagogen aufsuchen, dort den Gott Israels anbeten und die Vorlesungen aus der Thora und den Propheten anhören und auf die Worte der jüdischen Lehrer lauschen. Nicht unbedeutend muß dieser Andrang der Heiden in Rom gewesen sein, wenn die römischen Dichter Horaz und Jtivenal sich veranlaßt fühlten, gegen die Ausbreitung des Judentums ihr Wort zu ergreifen. In den „Satyren" (IX. 69 und IV. 95—110) des Elstern haben wir die Anspielungen auf das Eindringen des Judentums schon zur Zeit des Augustus. Juveual läßt sich zu dem Bekenntniße hinreißen: „Man lauscht dem Raunen des greisen Juden, dem Gemurmel der alten Jüdin mit heiliger Andacht."') Er erzählt, daß er auf der Straße angeredek wurde: „Wo im Bethause treffe ich dich, Jude?"*) So empfiehlt Ovid, ebenfalls ein römischer Dichter, den Stutzern der Haupstadt, an den Thüren der jüdischen Bethäuser die Schönen (Roms) zu mustern. (Oviä ars arnat. 1. 76.). - (Fortsetzung folgt.) ') Juvenal 6. 641. 2) Das. 3. 296.