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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1892-09-01 · Heft 9 (1.9.1892) · p. Seite 198

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
12 (1892)
Issue
Heft 9 (1.9.1892)
Date
1892-09-01
Page
Seite 198 (sequence 6)
Language
German
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108 treuer Hut seine Existenzberechtigung liegt, ebenfalls von sich werfen wollte, da kam er und führte es - wieder'.zurück in die Bahnen, die das Geschick ihm angewiesen. Tausenden und Abertausende» war sein Riesenwerk ein Quell neuer Lebenskraft, eröffnete es das Verständnis für ihre und ihres Stammes Aufgabe auf Erden, unzähligen goß es Stolz auf die Helden, deren Enkel sie sich nennen dursten, und glühende Begeisterung;.für das, was so vieler Kämpfe wert gewesen war, in die Seele, und freudiger Überzeugung voll folgten sie wieder den in so viel Stürmen zerrissenen Fahnen ihres Glaubens. Ja, er erfüllte, mußte eine heilige Mission hiernieden erfüllen. In ihm brannte ein Funke von jenem prophetischem Feuer, das den verzehrt, der es in sich verschließen muß, es nicht weiter tragen darf in andere Herzen, nicht die Welt zehren lassen darf an dieser heiligen Flamme, an der sich die Fackel alles Fortschritts auf Erden entzündet/) „Stimme an eine bittre Klage." Heute muß die laute Klage verstummen, nur im stillem Herzen tönt wieder der Schmerz nicht um ihn, der von unsjgeschieden, um uns, von denen er geschieden. Als ein großer Weiser im Sterben lag! da kämpften die Engel und die Irdischen nach der schönen Sage/ um seinen Bes tz an seinem Lager, aber die Himmlischen siegten und entführten triumphierend die Seele des Todten. Diese edle Seele wollte die gebrechliche morsche Lebeushütte nicht verlassen, in der sie so lange der Welt hatte geleuchtet, dieser starke ungebrochene Geist, an dem das Alter spurlos vorübergegangen, stärkte und hielt aufrecht den schwachen Körper; bis zu seinem letzten Atemzuge fast sannuelte er Bausteine für den Hochbau, dessen Vollendung er sein Leben geweiht, die Geschichte der Ahnen. Wer lebeussatt und abgelebt,. bei Lebzeiten geistig todt, zu Grabe getragen wird, den werden wir wohl -betrauern, ■ aber nicht beklageij. Aber wenn der Tod uns in voller Schaffensfreude überrascht, dann geht es wie jeitt schneidendes Schwert nicht nur durch die Seelen der Nächststehenden, nein, aller, die den Verewigten kannten und nun vergebens gehofft haben, sich seines segensreichen Wirkens weiter zu freuen. Wie die Cedern des Libanon, unter denen einst gewandelt zu sein seine schönste Erinnerung bildete, ewiger Schnee und doch grünes! Laub bedeckt, trug er in schneebedecktem Haupt jugendfrische Gedanken; von vergangenen Geschlechtern längst gekrönt, wand er in unseren Tagen stets neue Kränze sich um die Stirn, selbst eine stolze Ceder aus der Vorzeit, die wie jene mit allen Wurzeln ihrer Kraft fest ruhte in heiligem Boden. Die Cedern vergingen im Stürme, rings um ihn sanken Israels Cedern nieder, ihm beugte kein Lebenssturm das Haupt. Wie jener Prophet des Zehustämmereiches als Lebender unsterblich, stand er da unter den Lebenden, selbst ein rückwärts gewandter Prophet, vor dessest Seherauge das Dunkel der Vergangenheit wich und es Licht ward. „Denn plötzlich ist der Verderber über uns gekommen." Der endliche Abschluß, dieses reichgesegneten Lebens, bei jedem Hochbetagten natürlich, bei ihm, dem Geistesgewaltigen, dem fast noch jugendlich Frischen, der noch in seinen letzten Lebenstagen sich mit großen, weitäussehenden Entwürfen trug, war er ein nicht zu fassendes, ein Blitzschlag .aus heiterem Himmel. Küssend nimmt der Todesengel die Seele des Propheten./ Diesem Geist voll Liebe und Milde konnte selbst er nur als Geist der Liebe nahen, nicht die dunklen Schwingen ausbreiten über diesen Geist des Lichtes und der Erkenntnis. Keine bangen Qualen und Leiden dursten dieses helle Auge umdunkeln. Licht, wie sein Streben im Leben, war sein Ende. Dem vorn Schlaf Umfangenen nahte leise 0 Jer. 20, 8. 9 cf. ... 2j Ketubot 104 ö. *) Cf. Bcr. 8 a, Tebarim rabba par. XI. zu 31, 14 u. s. St.

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