Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 12 (1892)
- Issue
- Heft 8 (1.8.1892)
- Date
- 1892-08-01
- Page
- Seite 189 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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189 des Leopoldordens ernannt. — Herr Großrabbiner Astruc früher in Krüssel hat sich in einer Broschüre von seiner Gemeinde verabschiedet. Unter Anderem verlangt er in derselben Abhaltung des Gottesdienstes in der Landessprache und Abschaffung der zweite» Feiertage. — Der Ball, welcher zur Feier des Geburtstages des Königs in Neapel gegcbeben wurde, wurde vom Kronprinzen mit der Gemahlin des Generals Ottolenghi eröffnet. Dies ist der erste Jude, welcher die höchste Stelle in der italienischen Armee erreichte. Derselbe ist bekanntlich auch der militärische Chef des Kronprinzen. — Eine Nachricht von großer Bedeutung gelangte in die Oefsentlichkeit: Der Papst hat sich entschieden gegen die antisemitische Bewegung ausgesprochen. Ein Kirchenfürst ans Oesterreich, der kürzlich in Kam weilte, hat in einer Audienz beim Papste den Wunsch ausgesprochen, daß von höchster kirchlicher Stelle ein Machtwort gegen die Antisemiten gesprochen werde, „da das Treiben derselben nicht nur die christliche Moral in ihren Grundsätzen erschüttere, sondern auch das Volk einer furchtbaren seelischen Verrohung preisgebe." Der Papst fand, wie nun aus Rom berichtet wird, diese» Wunsch an sich begreiflich; „es sei oft ersucht worden, dem Rassenhaß eine Art kirchlicher Weihe zu geben: der heilige Stuhl habe ein solches Ansinnen stets abgelehnt und nienials verhehlt, daß die wüste Bewegung auf seine Sympathien nicht rechnen dürfe; gleichwohl hieße es, derselben zu viel Ehre zu -erweisen, wenn sie ihrer Genieingefährlichkeit wegen vom Papste verdammt würde; soweit seien die Dinge noch nicht gediehen, hingegen sei es an den Bischöfen, das Umsichgreifen dieser sozialen Pest mit allen Mitteln zu verhindern und insbesondere zu sehen, daß die Seminarien vor ihr behütet werden» damit diese nicht der Tummelplatz roher Leidenschaften werden; die Priester sollten nie vergessen, daß alle Menschen Geschöpfe Gottes seien und daß ein gehässiges Wort von ihren Lippen dreifach strenge Sühne erfordere." — Die Ernennung des Herrn Dr. Zimonsen zum Oberrabbiner von Dänemark hat die landesherrliche Genehmigung erhalten und wurde derselbe am 21. Mai feierlich in sein Amt eingeführt. — Die Königin von Holland hat den Professor an der Universität Groningen, Herrn I. Gpprnheim, zum Mitglied einer königlichen Kommission ernannt, welche der Regierung als Beirat in Angelegenheiten, die Wasscrkominunikation betreffend, zur Seite stehen soll. — Der vor kurzem in Amsterdam verstorbene Herr I. I. Dedder hat 300,000 fl. für die Gründung von Armenhäusern für 10 alte Personen der Aschkenasim-Gemeiude vermacht. — Der Jahresbericht des Vereins „Somech Nophlim" in Lissabon für 1891 zeigt in erfreulicher Weise die Zunahme der jüdischen Bevölkerung daselbst. Die Leiter des Vereins, sowie eine große Anzahl der beitragenden Mitglieder sind Damen. Die Balance weist das Vorhandensein von 3 Synagogen nach. — In dem Bulletin der königl. Akademie der Geschichte in Madrid teilt Fernande; Duro die Ergebnisse seiner Forschungen in drei neuen Werken über Columbus mit und gelangt dabei zu dem Resultat, daß nach den Angaben in Rivfis Puigcer's: „Die Juden bei der Entdeckung Amerika's" ganz bestimmt Moriscos und Juden sich im Gefolge des Columbus befunden Haben. — In Srrst-Litewsk ist Herr Rabbiner Josef Dowbeer Soloweihig ein hervorragender Talmndgelehrter, bekannt durch sein Werk „Beth-Talmud", gestorben. Zu seinem Amtsnachfolger wurde dessen Sohn Herr Chaim Soloweitzig erwählt. — In Warschau starb der verdiente Schriftsteller Herr Abraham Zuckermann. — Aus Lod; berichtet man am 10. Mai von Ausschreitungen gegen die Inden, die einen sehr bedrohlichen Charakter annahmen. Nur durch die Ankunft des Gouverneurs von Petrikau mit Militär konnte die Ruhe wieder hergestellt werden. — Die