Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 12 (1892)
- Issue
- Heft 8 (1.8.1892)
- Date
- 1892-08-01
- Page
- Seite 190 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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190 russische Regierung beschloß, die jüdischeil Privatschulen (Cheders) im ganzen Reiche aufzuheben. An deren Stelle treten staatliche Schulen mit von der Regierung angestellten Lehrern für hebräische Sprache und jüdischen Religionsunterricht. — In St Petersburg ist von Herr Samucl Wiener im Auftrag des Direktors der Museen und unter Lcitung des Herr Prof. Chwvlson das erste Heft der „Bibliotheca Friedlandici" erschienen, welche ein Verzeichnis hebräischer Druck- und Handschriften eirthält iie Herr M. L. Friedland dem asiatischen Museum der Akademie der Wissenschaften in St. Petersburg überwiesen. Das ganze Werk soll sich über nahezil 15000 hebräische Druckwerke und über >000 Handschriften verbreiten. — Der^ unter der Leitung des Oberprokureurs Pobedonos;ew stehende russische Heilige Syuod hat eine Entscheidung getroffen, wonach verheirathete Juden, welche zur griech isch-orthodoxen Kirche übergetreten sind, mit Genehmigung der Bischöfe neu« Ehen eingehen dürfen, wenn ihre Frauen nicht ebenfalls die Taufe einpfangeii haben. — In dem . unmittelbar an der ostpreußischen Grenze gelegenen! russischen Städtchen Hwwojt Wiesto haben bedeutende Ausschreitungen gegen die jüdische Bevölkerung stattgefunden. Die Altbesitzerin Buttkus aus dem Nachbardorfe Broken verschwand plötzlich spurlos, infolge dessen verbreitete sich das Gerücht, die Juden hättest sie ermordet. Verschiedene jüdische Schankwirthschaften wui den vollständig deniolirt. Getötet wurde Niemand. Die hauptsächlichsten Tumultuanten wurden verhaftet. — Der Chacham Baschi von Konstantinopel Herr M. Kevy hat eine Hymne verfaßt, als Ausdruck des Dankes gegen die türkischen Sultane, welche im Jahre 1492 die aus Spanien vertriebenen Juden gastfreundlich ausgenommen haben. Dieses Dankgebet wurde am 1. Tage des Passahfestes in der türkischen Synagoge vorgetragen. — Herrliche Worte hat am vergangenen Charfreitag der griechische Erzbischof von Zante, Monfignor Dionysius Lata, an seine Heerde gerichtet, indem er dieselbe ermahnte, dem neuerdings im Abendlande aufgetauchten Märchen von rituellen Morden bei den Anden keinen Glauben beizumessen, da dies alles erfunden und erlogen sei, teils ans Bosheit, teils aus Eigennutz und Raubslicht. Der ehrwürdige Prälat rief zugleich den Zorn Gottes auf sich herab, wenn er gelogen haben sollte. Er kenne die Glaubenssatzungen der Inden und ebenso auch ihre religiösen Gebräuche und wisse daher sehr gut, daß den Juden selbst der Gennß des Blutes von Tieren strengstens verbo en ist. Diese Worte, gesprochen von einem Fürsten der Kirche an einem der heiligsten Tage der Christenheit, verfehlten selbstverständlich nicht, auf die im Gotteshause Anwesende» einen tiefen Eindruck zu machen. — Aus Amerika kommen Nachrichten, welche eine lebhafte Bewegung gegen die Zunahme jüdischer Eiittvauderuug ankündige». Die in New-Dork erscheinende Zeitschrift „Century'' gibt folgende Ziffern deren Richtigkeit wir nicht prüfen können und die zu antisemitischen Zwecken den Stempel des Uebertriebenen an sich tragen: „Die Gesammtzahl der Israeliten nnserer Stadt beträgt etwa 300,000, wovon etwa 50,MO im Jahre 1890 neu eingelvandert sind. Die israelitische Bevölkerung von New-Aork lvird also jetzt nahezu ein Fünftel der Gesammtbevölkerung der Stadt betragen. Das Schnittwaaren - Geschäft ist mit 514 Firmen und einem Kapital von 58,000,000 Dollar fast ganz in jüdischer Hand. Ebenso das Kleidergeschäft; cs giebt 204 israelitische Firmen istit 22,000,000 Dollar Kapital; das Hutgeschäft und das Herren-Ausstattungsgeschäft mit 169 Firmen und 12,000,000 Dollar Kapital. Die.400 Gebäude am Broadway zwischen Kanal-Straße und Union Square sind fast! alle von israelitischen Firmen eingenommen, und von 1200 Großhandlungshästsern sind mehr als 1000 jüdische. Die Israeliten be-