Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 12 (1892)
- Issue
- Heft 8 (1.8.1892)
- Date
- 1892-08-01
- Page
- Seite 187 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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187 gewesen wäre, Jofia die Einheit Israels wiederhergestellt haben würde, diesmal mit Jerusalem als Hauptstadt. Ein Glück war es, daß dieses Ideal nicht verwirklicht wurde. Es ist dies das Programm, welches die Hasmonäer 500 Jahre später verwirklichten und wenn Israel keine anderen Rechtstitel auf Ruhm hätte, als die Existens seines damaligen kleinen Staatswesens, sein Platz, seine Bedeutung in der Weltgeschichte wäre winzig. Das Ideal der Propheten der alten, vorzugsweise auf das rein Menschliche und Weltbürgerliche gerichteten Schule, war die Wahrheit. Die Bewegung hinsichtlich des Cultus und der Liturgie, an deren Spitze Josia stand, würde Israel seinem wahren Beruf entfremdet haben, wenn nicht Nebukadnezar, wie zu andere Epoche Titus, gekommen wäre, um die Geistesrichtiing der großen Idealisten zur vorherrschenden zu macheu. Zweimal war es das Schicksal Israels, sein Heil gerade dem zu verdanken, was andere vernichtet iind durch Vereitelung kleinlicher, weltlicher Hoffnungen zu seinen großen Pflichten gegen die Menschheit zurückgeführt zu werden. — W- David Kaqnal in Paris, Mitglied der Deputirtenkammer, welcher bereits zweimal Minister der öffentlichen Bauten war, wurde zum Vicepräsidenten der Oberen Handelskammer ernannt. — Das Professoren - Collegium der Universität Eambridge hat dem Senate den Vorschlag erstattet, es möge dem Lector für Talmud Wr. S. Schechler der Doctor- Titel verliehen werden. — In London wurde eine Gesellschaft „The Christian jewisli patriotic alliance“ gegründet, welche im Dienste der Mission steht und nach dem Borbilde des Missinärs Kabbinowitz in Kischenew darauf hinweist, daß ein zum Christentum übergetretener Jude noch jüdisches Nationalbewußtsein hat. — „The Jewish Intelligence“ das Monatsblatt der Londoner Gesellschaft zur Beförderung des Christentums unter den Juden, bringt in dem Maiheft folgende interessante Mitteilung. „Der Prediger Hanauer berichtet, dgß er mit dem Prediger Kelk, Herren Schick und Lees, (alle im Dinste der Londoner Gesellschaft, Station Jerusalem) und mit dem englischen Konsul Dickson die kürzlich entdeckte Grabstätte der Herodianischen Familie, besucht hat, an welcher nach Josephus der berühmte Steinwall vorüberging, den Titus in drei Tagen bauen ließ. Die kürzlich aufgefundenen Gräber sind einzigartig. Der Eingang war früher durch einen schweren Stein verschlossen, der die Gestalt eines Mühlsteins hatte, von sechs Fuß Durchmesser und anderthalb Fuß dick. Die verschiedenen Grabkammern sind in den Felsen gehauen; da aber der Fels hier weich und bröckelig ist, so sind die Wände mit schönem römischen Mauerwerk belegt, dessen Steine so frisch und weiß aussehen, als ob sie erst gestern gelegt wären. Herr Hanauer hält es für sicher, daß die Grabkammern nicht alle belegt waren. Eine enthält zwei große und schöne Stein-Sarkophage. Der kleinere davon ist schön mit Blumen Blättern, Früchten, Rosetten und anderen üblichen Ornamenten verziert, der Deckel ist aber leider zerbrochen. Herr Schick ist der Ansicht, daß dieser Sarkophag nach seiner Größe für eine Frau bestimmt war, und früher die Leiche der schönen, unglücklichen Mariamne, der Gemahlin Herodes des Großen, in sich barg, Herr Hanauer nahm einige große Stücke von irdenen Krügen mit, die Töpferarbeit zeigen, wie sie «ach dem Urteil eines Kenners bei den Juden 600 vor Christo üblich war." — In London starb Herr Marlin Diosi, her gewesene Secretär Ludwig Kossuths. Er hat in seiner Jugend Talmud studiert und zeichnete sich im Freiheitskampfe der Ungarischen Nation aus. Er flüchtete sich nach dessen unglücklichen Ausgange nach England, wo er als Kaufmann ein bescheidenes Leben führte. Seine beiden Brüder sind orthodoxe Rabbiner. — Die^Attien der Gesellschaft, welche die Eisenbahn von Jaffa nach Jerusalem baut, sind unlängst 16*