Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 12 (1892)
- Issue
- Heft 8 (1.8.1892)
- Date
- 1892-08-01
- Page
- Seite 186 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2969669-2969947-2969956--3613-2977008- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
186in Paris mit Herrn Baron Lronino am 28. Mai kam es vor der Synagoge in des Kue de la Victoire zu antisemitischen Ausschreitungen. Eine neue gegen Rothschild gerichtete Schmähschrift wurde ausgeteilt. Es kam zu Verhaftungen. — Die Akadesnie der Wissenschaften i» Paris hat den Prix Dordin für das Thema: „Die Morallehre Sinjoza's" drei Preise zu je 1500 Frs. den Herren Leon Vrunswich und Renate Worms verliehen. Von dem Prix Leon Faucher, Thema: Vaubau als Nationalökonom fiel ein Preis zu 1500 Frs. Herrn Dreyfuß, ehemaligen Deputirten zu Prix Wolowski zu. Eine Ehrengabe von 2500 Frs. wurde dem Schriftsteller Neuntark zuerkannt für eine Reihe von Studien, welche derselbe in den Jahren >884 bis 1890 über Nationalökonomie, Finanzwesen und Statistik veröffenlicht hat, sowie für eine Monographie über Turgot. — Einen eigenartigen Schwindel hat ein Hqrr Woritz Guttmann in Paris betrieben. Obwohl erst neunzehn Jahre alt, ha' er sich schon mehrfach, einige rechnen 30 Mal» taufen lassen, bald bei Katholiken, bald bei Protestanten, wie sich eben Gelegenheit bot und Personen fanden, denen er unter diesem Vorwände Unterstützungen entlocken konnte. Zusammen loll er dadurch 8—10000 Frs sich verschafft haben. Als er jüngst wiederum im Begriff stand, sich tanse» zu lassen, entlockte er dem betreffende» Priester 50 Frs, womit er eine Freundin bewirthete, sie aber dann ihrer Schmucksachen beraubte- Das Gericht erkannte ihm fünf Jahre Zuchthaus zu. — In Paris erscheint ein neues antisemitisches Blatt „La Libre Parole“ („Das freie Wort"), dessen Chefredakteur der bekannte Drumont ist. — Die „Pall Wall Gazette" veröffentlicht jüngst eine Unterredung mit Herrn Kenan über die Hölle. In Beantwortung einer Frage, wie lange her es schon sei, daß die Menschen an die Hölle als an einen Ort der zukünftigen Bestrafung glauben sagte Renan: „Seit-ungefähr 150 Jahre» vor der gewöhnlichen Zeitrechnung. Im alten Testament fäside man noch keine Andeutung irgend welcher Art von einer zukünftigen Bestrafung der Bösen oder Belohnung der Guten und dies wahrscheinlich aus dein Grunde, weil bis zu der genannten Zeit die Juden ein verhältnismäßig glückliches Leben führten. Aber im Jahr 175 kam Antiochus Epiphanes und verfolgt; die Juden in barbarischer Weise. Galgen und Schwert. Folter und Feuer bedrohten ihr Dasein und Viele unter ihnen erlitten den Märtyrertod. Da verbreitete sich nun der Glaube, daß diejenigen, welche äls Märtyrer gestorben waren, im künftigen Leben für ihre furchtbaren Leiden eine» Lohn, die Executoren und Henker, die Schergen des Epiphanes, dagegen eine Strafe empfangen, würden. Die Sehnsucht nach einer Ausgleichung ist ein Hauptgrundzug der Psychologie der Juden. Jeder muß nach ihrer Lehre seinen ihm gebührenden Anteil am Guten und Bösen erhalten. Diejenigen, welche auf Erden leiden, werden in einein künftigen Dasein eine Entschädigung erhalten, während diejenigen, welche hier i n Glücke leben und Andern Leiden bereite», der Strafe verfallen werden. Man kann also sagen, daß zwischen 175 und 163, daß ist noch unter der Regierung des Antiochus Epiphanes, die Idee von einer zukünftigen Strafe, welche seitdem die Welt in Schranke» hielt, entstanden ist". Ferner bemerkt Renan »och, daß die Juden ursprünglich sich deshalb von einem ewigen Leben für ein endliches Wesen keine Vorstellung machen konnten, weil die Ewigkeit nach ihrem Glauben nur ein Privileg des allmächtigen Gottes, des ewigen Wesens war. — In Paris erscheint eine jüdisch - deutsche Zeitschrift mit Titel „die Pariser Allgemeine jüdische Volkszeitung" herausgegeben von W. Iuckermann. — Man teilt uns aus Kenaus „Peuple d' Israel" folgende beachtenswerte Stelle mit: Man darf annehmen, daß wenn das Königreich Juda von Dauer