Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 12 (1892)
- Issue
- Heft 8 (1.8.1892)
- Date
- 1892-08-01
- Page
- Seite 182 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2969669-2969947-2969956--3609-2977004- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Zwischen beiden Seiten der Juden Galiziens verursachte jene Vorlage eine rege Polemik. Die Fortschrittler, oder wie man sie in Galizien allgemein nennt, die deutsche!; Inden, neigten sich zu der Regierungsvorlage, welche den Rechtsstandpnnkt des Josefinischen Statuts bewahrt, welcher die religiös-jüdischen Angelegenheiten aus dem Einflüsse der Gemeindeämter ausschließt und deren Kontrolle nur in einigen Punkten zuläßt. Gegen eine so oberflächliche Regierungsreform tratet! die Altgläubigen mit zwei Petitionen zum Ministerium energisch auf. In einer verlangen sie von der Negierung, daß sie bedingungslos auf ihr Projekt verzichte,! und dasselbe dem Parlament nicht übergebe; wenn sie jedoch dasselbe nicht zurücknehmen würde, sollte sie dasselbe im Sinne des Projektes ändern, welches dem Ministerium der Rabbiner Schreiber vorlcgtc. Das Organ der Fortschrittler „Der Israelit" zog dann gegen den Rabbiner Schreiber zu Felde und tadelt» die Tendenz der Petition, welche die altgläubigen Kahals dem Ministerium sandten. Die Enquete ging auseinander, ohne die Aktion in dieser Sache zu Ende zu führen. Am Landtage im Jahre 1881 stellte Teofil Merunowicz vier Anträge, deren erster dahiy zielt, daß die geheime Regierung der Rabbinen und Kahals untersucht werde,! und auf dem Wege des Gesetzes ihr Grenzen gesetzt werden, hauptsächlich aber, daß die mosaische Coiifession derselben Aufsicht unterliege, wie andere Confessiouen. Der zweite Antrag strebte eine gründliche Aufsicht auf die jüdischen Mnrikenfiihrttng an, der dritte betraf den Mißbrauch und Unterschleif, welchen die Juden bei den Assentierungen üben, endlich durch den vierten wurde verlangt, daß der Wucher bei den Anleihen gegen Pfänder beschränkt werde. Von der Regierung kam auf diese Anträge eine zwar günstige Antwort, die dieselben jedgch nicht vollständig erledigte. Erst im Jahre 1884, als sie wiederholt wurde», beschloß der Landtag eine Petition an die Regierung zu stellen, daß aus der Thätigkeit der jüdischen Religionsgemeinden dasjenige ausgeschlossen werde; was nicht zu den Confessionsangelegenheiten gehört, sondern den Reichsgesetzen unterliegt. Die Petition gleichen Inhalts, mit der sich Teof. Merunowicz an den Reichsrat wandte, sollte die Verhandlung der erwähnten Anträge beschleunigen. Sie wurde auch wirklich zur Grundlage der Resolution, welche die Regierung zur Spezialuntersuchung aufforderte; und darauf blieb die jüdische Frage derzeit stehen. ' Monatsschau Am letzten Tage Pessach hielt Herr Rabbiner und Prediger M. L. Ehrlich in Körmeud eine Gedächtnisrede, in der er unter Andern den großen Todten, 'Oberrabbiner Simon Szidon, Professor Dr. Grätz und Oberkantor Friedmann sehr warme Worte der Liebe, und Verehrung weihte, Worte die im Herzen aller Tempelbesucher begeisterten Wiederhall fanden. Daß die Seelengedächnisfeier für derlei Erinnerungen besonders geeignet zu sein scheint, fanden wir bei dieser Gelegenheit wieder sehr bewährt. — Der Kaiser von Oesterreich hat zwei Israeliten den Adelstitel verliehen und. zwar dem Majolikafabrikanten Ignatz Fischer in Kudapest und dem Maschinenfabrikanten Siegmund Her; Direktor der Ungarischen Kohlenbergbau-Aktien-Gesellschaft in Miskolc;. — In den Peffach-