Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 12 (1892)
- Issue
- Heft 8 (1.8.1892)
- Date
- 1892-08-01
- Page
- Seite 183 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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— 183 — Mittelfeiertagen fand im Tempel zu Lemberg auf Veranlassung «nd unter Leitung deS Herrn Rabbiners Dr. Earo ein militärischer Feldgottesdienst statt» an welchem sämmtiche dort garnisonirenden Israeliten unter Führung ihrer militärischen Vorgesetzten Theil nahmen. Mehr als 600 Mann waren in Paradekleidnng erschienen Und folgten sowohl der Andacht als auch der Herz- und gemütherhebenden Predigt mit ungetheilter Aufmerksamkeit. — Am 24. April hielt in Wien Fräulein Elviue Horowic; einen Vortrag über „Moses Mendelssohns Einfluß auf Lessings Nathan". — In Kolik» feierte Herr Rabbiner H. Kollak sein vierzigjähriges Amtsjubiläum. — Herr Jakob Hrettler hat zum Zweck des Ankaufes und der Anlegung eines in Kolomea nöthig geworden? n neuen israelitischen Friedhofes die Summe von 3000 fl. gespendet. — Am 21. April starb in Lemberg Herr I. L. Kerzer, ein um die Aufklärung der Juden in Galizien hochverdienter Mann. — Aus Prag berichtet man: die Ausbildung jüdischer Mädchen als Krankenpflegerinen ninimt einen erfreulichen Fortgang. — Herr D. E. Wendrowitsch in Stry hat ein hebräisches Werk herausgegeben in welchem die Galizisch-Jüdischen Zustände beleuchtet werde«. — Vom verstorbenen österreichischen Kronprinz Kudolf wurde das große Werk „Oesterr.-Ungar. Monarchie in Wort und Bild" ins Leben gerufen. Ob die jetzige Leitung nach seinen Intentionen verfährt, kann fraglich erscheinen, wenn man erfährt, daß sie mit der Bearbeitung der Geschichte der Inden in Böhmen, speciell in Prag, Herrn Frhr. Josef Alex, von Helfert betraut hat. Dieser schreibt im 7. Jahrgang seines „Oesterreich. Jahrbuches" in dem Capitel: Die confess. Frage in Oesterreich 1848 wörtlich Folgendes: „Allein anderseits war es zu wundern, wenn die den Juden in der Reichshauptstadt anfänglich günstige Stimmung allmählich in das Gegentheil umschlug? wenn ihr unziemliches Herzudrängen und Hervordrängen Stimmen der Mißbilligung hervorrief? Dabei blieb es nicht, denn bald gingen die Juden von Vertheidigung zum Angriffe über, zu Ausfällen gegen das Christentum, gegen "bie katholische Kirche und deren Institutionen, Ausfällen der frechsten, unverschämtesten Weise. Mußte das nicht empören? Die Juden sagten: „Gebt uns frei! Drückt, verfolgt uns nicht, um der Religionsverschiedenheit willen! Achtet unseren Glauben, unsere Meinungen, Sitten und Gebräuche!" Sie selbst aber waren weit entfernt, der ungeheueren christlichen Mehrheit gegenüber, in deren Mitte sie weilten, das gleiche zu thun. Sie höhnten und verspotteten, sie verdächtigten und verunglimpften alles, was christlich namentlich was katholisch war, sie besudelten es mit all' dem Geifer und Haß, dessen ihre Rare fähig ist." — In Dien wurde im neunten Bezirke vom Verein zur Beförderung der Handwerke unter den innländischen Israeliten ein Lehrlingshaus eröffnet. — In einer Antisemiten-Versammlung in Dien erklärte jüngst der Maurer-Gehilfe Samfinger, daß die Arbeiter keinen Unterschied des Stammes und der Religion kennen und daß der Antisemitismus elend zu Grunde gehen müffe. „Wir Arbeiter" rief Samsinger aus „wollen vom Antisemitismus nichts hören, wir haben von ihm nichts zu erwarten". — Die Leitung der jungczechischen Partei in Prag hat ihre Mitglieder auf Grund eines Beschlusses des Executivi-Comitees aufgefordert, „sich jedweder Aeußerung zu Gunsten des Antisemitismus zu enthalten." —, Die Minister Fsaky und Zsilagyi erklärten in einer Klubsitzung der liberalen Partei, die Ungarische Regierung bringe demnächst eine Vorlage betreffs Einführung bürgerlicher Matrikeln für die Mischehe-Kinder ein; die; Gleichberechtigung der jüdischen Konfession werde im Eherechte vollkommen gewahrt werden. Chorin möge von der Einbringung eines Antrages, betreffend die Re-