Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 12 (1892)
- Issue
- Heft 8 (1.8.1892)
- Date
- 1892-08-01
- Page
- Seite 179 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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179 die Gleichberechtigung und das Aufheben der Ausnahmsmaßregeln anzustreben» denn es ist nicht möglich die kleinstädter Bewohner preiszugeben " Dagegen protestierte Ed. Gniewosz, der damalige Statthaltereirat: „Sind diese Anklagen nur teilweise wahr, so sind die Ursache» dieser traurigen Erscheinung darin zu suchen, daß die Juden bisher gemeinschaftlich mit den anderen Bewohnern an beu Angelegenheiten des gemeinsamen politischen Lebens feineu Anteil nehmen konnten. Ist das Judentum wirklich so gefährlich, die Gesellschaft vergiftend, so wird es durch das immerwährende Vertreiben aus dieser Gesellschaft, durch das. Verdrängen in Kasten gefährlicher wie gekauftes Gift; dafür wird es durch das Verbinden mit der mächtigeren Nationalität zum verdünnten Gift, welches uns als Arznei dienen kann." — K. Rogawski meinte: „Die Judenfrage gehört zu denjenigen, welche uns die Zukunft zu lösen auferlegen wird. Das unglückselige Schicksal der Juden entstand, als die schlimmsten Zeiten über die ganze, gemeinschaftliche Gemeinschaft fielen. Diese Frage nahm die Quartalsession des Landtages auf sich, ließ sie jedoch ungelöst und wies sie uns zum Lösen an. Die Quartalsession war der letzte Wille, dessen Vollführer wir sind." Der Abgeordnete Dnbs versicherte, die Juden Hütten schon längst polnisch gelernt, wenn ihnen die Regierung nicht allerlei Hindernisse in den Weg gelegt hätte. Er schloß mit der Warnung: „Seid eingedenk, daß es euere Juden sind, deren Vermögen eiuen Teil des Landesvermögens bestimmt; ihr Scharfsinn, ihre Anlagen können zum Nutzen des Landes ausgenützt werden." Als nachher Kornel Krzeczunowicz eine äußerst feindliche Stellung gegen die Juden eingenommen hat, protestierte der Berichterstatter Franz Smolka: „Es nimmt mich Wunder, daß eigentlich der geehrte Abgeordnete für den Brezianer Wahlbezirk die Einwendung machte, daß die Juden schon über zwanzig Jahre die Gleichberechtigung haben, und noch nicht Polen geworden sind, und verlangte, daß sie früher mit der polnischen Nation verschmelzen und erst dann ihre Rechte anstreben. Das nimmt mich deshalb Wunder, da der geehrte Abgeordnete eigentlich dem armenischen Stamme angehört, welcher für sich existierte und mit uns verschmolzen ist. Und warum verschmolz er mit uns so, daß wir ihn zu den aufopferndsten Söhnen Polens rechnen? Weil er seit jeher die Gleichberechtigung besessen und sie noch hat. Wäre das nicht, blieben die Armenier ähnlicherweise wie Inden eine besondere Stammesart, und der geehrte Abgeordnete würde erfolglos die Gleichberechtigung anstreben, da ihn« jemand die Verschiedenheit des Stammes vorwerfen und verlangen würde, wie er es von den Juden verlangt, daß die Armenier früher mit der polnischen Nation verschmelzen." Durch den Beschluß vom 8. October 1868 forderte der Landtag die Regierung auf, daß sie nach Untersuchung der Gesetze, Rescripte und deren ähnlicher Erlässe bezüglich der Juden den verwünschten Schritt zum Aufheben der Privilegien mache. Gleichzeitig wendete sich der Landesausschuß an die Staatsbehörden,' daß sie Daten sammle», welche zur Feststellung der rechtlichen Stellung der Juden zielen. Und welche Antwort gab die Regierung? Durch das Ministerialrescript vom 21. November erklärte sie den Landtagsbeschluß für gegenstandslos und ohne praktische Bedeutung, da das § 15 der Grundgesetze über die Rechtsverhältnisse der Reichsbewohner jeglichen Unterschied zwischen Völkern verschiedener Confesstonen verwirft, und diese Angelegenheit gänzlich erledigt. . Aber der Landesausschuß antwortete mit der Resolution vom 10- Dezember, daß er sich