Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 12 (1892)
- Issue
- Heft 8 (1.8.1892)
- Date
- 1892-08-01
- Page
- Seite 177 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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17? und sich von der Tendenz, die verstimmt, fernhielt, so muß nian auch in seinen älteren Schriften das, was ans Rechnung seines gar sehr nach links geschobenen Standpunkts in Glaubenssachen zu setzen ist, in den Hintergrund rücken» und dafür billig und gerecht das umsomehr betonen, womit er die jüdische Wissenschaft bereichert hat, ihr Ehre macht und was ihm eine nicht zu leugnende dauernde Bedeutung verleiht. — Alles i» allem gewinnen wir Schor gegenüber den Eindruck, das wir es mit einer in sich abgeschlossenen Persönlichkeit zu thun haben. — Die Männer, mit denen er einstens als seinen Ebenbürtigen, den ihm geistig Verwandten im regen Verkehr gestanden, sie sind längst durch den Tod äbgegangen; vereinsamt blieb er zurück und zehrt nun an Erinnerungen. Vielleicht beschleicht ihn zuweilen, wenn er der allen Freunde gedenket, eine stille Wehmut, doch äußert er sie nie; kalt und gemessen, wie wenn er ganz Verstandesmensch, ohne stumpf geworden zu sein, keines wärmeren Gefühls fähig wäre, spricht er von der Vergangenheit als ob sie actuelle Gegenwart wäre. Hat er sich derart gewissermaßen gesellschaftlich selbst überlebt, so läßt sich dies in Bezug auf geistiges Schaffen nicht behaupten, "denn seine Arbeiten in den „Annalen" und im „Zion", sowie in den 13 Heften des „Hechaluz" soll das 14. Heft seiner periodisch in ringleichmäßigen Zeiträumen seit 40 Jahren erschienenen Sammelschrist und eine Abhandlung über „das Verhältnis des jernsalemischen Talmuds zum Babylonischen", welch' letztere beide er eben zum Truck vorbereitet sich würdig anreihen. Indem ich mich freue, daß die Nachricht von seinem Tode verfrüht ist, wünsche ich, daß cs ihm vergönnt sei, was er in Angriff genommen auch zu vollenden, und erlaube mir, hochgeehrter Herr Dr., Sie zu bitten, vorstehenden Zeilen, die wider Willen ausführlicher geworden in Ihren geschätzten Blättern Raum zu geben. Mögen sie ein kleiner Beitrag und eine schwache Anregung zu der entsprechenden Würdigung bilden, wie sie Schor verdient, und wie wir sie ihm dem Lebenden zollen wollen, damit nicht der Vorwurf berechtigt sei, den der treffliche Zirndorf in seinen schönen Gedenkworten auf Dukes gegen uns erhebt, daß wir undankbar genug unseren großen Rittern vom Geiste, unseren Gedankcnhelden und Wahrheitskämpfern oft kein Denkmal dauernder denn Erz errichten, und sie zu rasch bei der Nachwelt in Vergessenheit geraten lassen. — Me Juden in Galizien. Eine Studie von Franz Rehor. Aus dem Böhmischen in's Deutsche übertragen und mit Anmerkungen versehen von Dr. M. Grünwald in Jungbunzlau. (Schluß.) Die erste umfänglichere Diskussion über die galizische Judenfrage war in den Landtagsitzungen im Jahre 1866. Die Regierung legte damals dem Landtage einen Antrag eines neuen Gemeindegesetzes vor, dessen einige Paragraphen ausführlicher die Rechte der Juden bestimmen. Es wird in diesem Gesetze bestimmt, daß speziell christliche Angelegenheiten, so weit sie der Rechtsmacht der Gemeindevertretung unterliegen, nur von dieser verwaltet werden, und daß jüdische Mitglieder der Gemeindevertretung keinen Einfluß ans die Verwaltung dieser eminent christlichen Interessen haben können. Und umgekehrt speziell jüdische