Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 12 (1892)
- Issue
- Heft 8 (1.8.1892)
- Date
- 1892-08-01
- Page
- Seite 176 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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— 176 stehenden Ergebnisse der gediegenen Versuche über Isaak Albalag, Nissim ans Marseille, über den Rasch! zugeschriebenen Commentar zu Bereschit rabba, über die „Halachot gedolot," die Erklärungen zur Mischna, die Recension des Pinsker'schen Karäerwerkes ua. nt. ganz außer Acht gelassen. — - Schor scheint diese Geringschätzung seitens seiner Zeitgenossen leicht zu verschmerzen, es sei! denn, daß er hie und da einem mehr oder minder berufenen oberflächlicher Hyprikritiker einen Seitenhieb .versetzt der gewöhnlich auf deit Kopf trifft. — Es mag Weh thun, oft würdige verdienstvolle Männer von seinen wuchtigen Schlägel, niedergeschmettert, von der Lauge seiner beißenden Ironie überschüttet, von Gift, Geiser und Galle unverdient bespritzt zu sehen; wird man jedoch nicht von Entrüstung überwältigt und urteilt nüchtern unbefangen, so muß das Eine wenigstens zugestauden werden, daß es nicht lediglich Malice ist, sondern daß in! letzter Linie dem grimmen Kämpen eine nicht zu unterdrückende , ungeheuchelte nichts beschönigende, schonungslos die Fehler aufdeckende Liebe zur Wahrheit die Feder führt. Bis zur aufrichtigen Selbstkritik allerdings ist er nicht vorgrichritten; es ist eine Art von Unfehlbarkeit, die er sich beimißt, indem er, wie es den Anschein hat, eben in ihm dem eminent intuitiv Begabten, aufsteigenden Gedanken a priori für richtig hält und ansgiebt, ohne daß hinterher die Reflexion die discussive Gedankenarbeit ihm als ein Regulativ der Wahrheit dient, das nodwendig ist, wenn anders die geistreichste Jdeencombination zur PhantasiNagorie wird. Wo viel Licht, ist viel Schatten; je bedeutender der Mann, desto größer seine Schwächen. Schor, wohl von einem starken Glauben an sich selbst erfüllt, teilt diese» Dünkel mit allen führenden und bahnbrechenden Geistern, die bestimmt waren die Wahrheit zu fördern. Eine objektiv«»U»tersuch>ing wird ihm zweifellos ungezählte Jrrtümer Nachweisen, aber doch inimer sie säuberlich scheiden müssen von dem, was unbestritten seinem Namen Unsterblichkeit verschaffen wird. — Indem seine gerade Berstandesrichtung vor allem die schlichte Auslegung von Bibel- und Talinudtext zu begründen, scholastische Wortklauberei, Trugschluß und Scheinbeweis zu fliehen suchte, ioerfiel sein durchdringender haarspaltender, zuweilen über das Ziel hinausschießender Scharfsinn, nicht selten dem gleichen Uebel auf eine anderen Seite — er betrieb auf sprachlichen und historischem Gebiet modernen Pilpul. Einzelne Abhandlungen jedoch, in denen er nach einem Geiger'schen Wort, „aus dem Volle» geschöpft, das es eine Freude ist," haben aus zur Zeit unbehobenen handschriftlichen Schätzen neue wissenschaftliche Charakterköpfe gleichsam aus der tixfen Versenkung der Jahrhunderte, während welcher sie verschollen geblieben, herporgezaubert und auf die litterarische Schaubühne gebracht. Er sah sie zwar Alle durch die Brille seiner eigenen überaus freisinnigen religiösen Anschauungen au, suchte in ihnen stets nur Stützen für sein System, zum Teil unbekümmert darum, daß einzelne Züge anachronistisch entstellt und gewiß nicht naturgetreu wiedergegeben erschienen; diese subjektive Färbung jeßoch von seinen historischen Bildern durch selbständige Prüfung der Quellen, die immer ungetrübt l>em Leser als Belege geboten werden, weggcwischt, chid ifie treten lebcnsivarni, markant und kraftvoll gezeichnet hervor. —! Wie Schop in Gesprächen, die ich mit ihm während der letzten vier Jahre einigemal stundenlang zu pflegen Gelegenheit hatte, niemals ein dogmatisch- oder praktisch religiöses Thema berührte, jede Erwähnung von Parteidifferenzen vielleicht mit Absicht mied, wie er überhaupt mit der Zeit zahmer und duldsamer schrieb