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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1892-08-01 · Heft 8 (1.8.1892) · p. Seite 171

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
12 (1892)
Issue
Heft 8 (1.8.1892)
Date
1892-08-01
Page
Seite 171 (sequence 3)
Language
German
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171 Doch sollte er nicht Lehrer einer kleinen Gemeinde und Gemeinschaft bleiben, die Vorsehung und sein eiserner Fleiß hatten ihn zu ernsten Arbeiten ersehen; er sollte ein Lehrer zukünftiger Lehrer, ein Mehrer und Nährer des Weltfriedens werden. Und wie herrlich hat er diese Ämter durch 23 Jahre gewaltet! Im Jahre 1869 starb der damalige Secretaire der allian^e israelite universelle in Paris, Mr. Nordmann, und die Augen Cremieux, des weit- und scharfblickenden erschauen in dem unscheinbaren, kaum 30 jährigen Manne, die richtige Persönlichkeit für den so wichtigen, verantwortungsreichen Posten. Josef gleich, dem das Attribut des Zaddik, des Gerechten par excellence beigelegt wurde, war auch Isidore Loeb 30 Jahre alt, als er vor Könige hintrat, um Recht und Freiheit für seine unterdrückten Glaubensgenossen in der Türkei, Serbien^) und Rumänien zu fordern und zum Theil auch zu erlangen. Eine Frucht seiner mühevollen Reisen, seines mannhaften Auftretens ist das standard-work: La Situation des Israeiites en Turquie, en Serbie et en Roumanie (die Lage der Israeliten in der Türkei, Serbien und Rumänien) Paris 1877. Laer et Comp. Ein Jahr früher erschien seine Schrift: Reunion en faveur des Israelitis de TOrient (Bereinigung zu Gunsten der Juden im Orient) und sein Mahn- und' Weckruf verhallte nicht fruchtlos, wußte man doch bei Isidore Loeb, daß uneigenützige Menschenliebe ihm die Feder in die Hand drücke und das Wort in den Mund lege. Und Worte, die aus dem warmfühlenden Herzen stammen dringen wieder in fühlende Herzen. Was Isidore Loeb der Allianz in Paris gewesen, wird erst in Jahrzehnten von einem berufenen Schriftsteller und gewissenhaften Historiker dieses gemeinnützigen Vereines berichtet werden können; er war nicht nur Secretär in dem landläufigen Sinne dieses Wortes in Deutschland und Österreich, sondern in Frankreich, wo der Secretaire der Bevollmächtigte des Präsidenten ist. Und Isidore Loeb hat von dieser ihm zuertheilten Maiht den besten, den edelsten Gebrauch gemacht. Unzählige Unterrichtsanstalten, besonders im Orient, wurden auf seine Veranlassung und Befürwortung errichtet und zunächst Elementarschulen, wo die Volkssprache und die Landessprache gründlich gelehrt wurden. Für die Heranwachsende. Jugend wurden Ackerbauschulen errichtet — war doch Palästina solange die Juden einen selbständigen Staat bildeten ein Ackerbaustaat — und Mädchen- sowie Handwerkerschulen wurden errichtet und gebührend erhalten. Eine andere großartige Schöpfung Isidore Loeb's als Secretaire der Allianz war die Bibliothek in der Allianz, die in der modernen jüdischen Litteratur unvergleichlich einzig dasteht. Jede Druckschrift, die irgend wie mit der Ehre und Lehre de- Judenthums in Zusammenhang stand, wurde angeschafft und aus allen Enden der Welt kamen Büchersendungen an Isidore Loeb, der alle Erscheinungen der jüdischen Litteratur nicht nur kaufte, sondern auch studirte und durch ein besonnenes treffendes Urteil in der Revue des Etudes juives zum Gemeingute der Forscher machte. Isidore Loeb, der anläßlich des 70. Geburtstages Moritz Steinschneiders im Jahre 1886 seine Schrift Unprocea dans la Familie de ibn Tibbon ä Marseille 1255-1266 veröffentlichte und diesem hervoragendsten Bibliographen der jüdischen Litteratur widmete, war selbst einer der bedeutensten Bibliographen, die wir besitzen; denn außer dem verewigten Rabbiner Dr. Nehemias Brüll, s. A., der kurz vor *) In der Türkei und Serbien haben sich die Verhältnisse schon gebefferl; in Rumänien bleibt leider fast noch Alles zn wünschen übrig. 15*

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