Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 12 (1892)
- Issue
- Heft 8 (1.8.1892)
- Date
- 1892-08-01
- Page
- Seite 170 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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170 Er mußte schon! als Kind eine außergewöhnliche Reife bewiesen haben, denn in seinem 17 Jahre bezog er das Rabbinerseminar in Metz, das unter der Leitung des um die rabbinische Litteratur in Elsaß-Lothringen nnd Frankreich hochverdienten Rabbi Mordechai jrenel1) stand. 6 Jahre widmete er sich dem Studium der theologischen Litteratur und absolvirte dasselbe mit ausgezeichnetem Erfolge, so daß er in dem noch jugendlichen Alter von 22 Jahren den Titel eines „grand rabbin" (Oberrabbiner)! erhielt. nach Titel», nicht nach Würde» und Ehren, sehnte sich sein Ldiofrf)fo nafschi bethorah" (meine Seele sehnt sich nach Wissenschaft) so sprach der im 23. Lebensjahre stehende Soma, dem talmudischen Geisteshclden, und diesem gleich verzichtete Loeb auf alle Freuden des treuen und trauten Familienlebens, verzichtete auf alle Vergnügungen, um der Thora sich ganz nnd voll ausschließlich widmen zu können.; ' Die 3 Säulen jedoch, auf denen die Welt ruht, sind nach Simon dem Gerechten: Thora, Abodah nnd Gemillnth Chesed (Pirke Abot F) Wissenschaft, Gottesdienst und echte, üneigemiützigc Wvlthätigkeit. Auf diesen 3 Gebieten war Isidore Loeb ein leuchtendes Muster von Berufstreue und unentwegtem Pflichteifer, bis zum letzten jAugenblicke seines Lebens. Doch picht jugendlicher Feuergeist; der Thora, Nach der Isidore Loeb mit Ben Das schöne Wort unseres großen Dichters Schiller: „Rastlos vorwärts mußt du streben, Nie ermüdet stille stehen. Willst du die Vollendung sehen" schien seines Lebens Motto zu sein. Denn wenn man auch den Elsäßern in bissiger Weise in Frankreich — dem Lande der Ironie — nachsagt, daß dieselben weder deutsch noch französisch verstünden und richtig sprächen, so war der Elsäßer Jude Isidore Loeb ein Kenner der deutschen Sprache, die er jiit Wort und Schrift meisterhaft beherrschte?) Und daß er ein Meister des französischen Stils war, wird von Jude und Christ in gleicher Weise in ganz Frankreich anerkannt. Kein Geringerer als Ernest Renan rühmte niir Isidore Loeb's Stil als claßisches Muster eines echt wissenschaftlichen Stiles, der dennoch populär in des Abortes gutem Sinne sei. Um sich also zu vervollkommnen, gieng unser Isidore Loeb nach Paris und ward bald zum lve-tenr ä l’ecole Thalmoud-Thorah (Lehrer an der Thalmud- Thoraschule), die jbte Vorstufe und Vorschule zur ecole rabbinique (zum Rabbinerseminar) war, ernannt: Volle 2 Jahre wirkte er segensreich daselbst, dann kurze Zeit in gleicher Eigenschaft in Bayonne, hatte hier Gelegenheit die spanische Sprache zu studieren, und folgte im Jahre 1866 einem ehrenvollen Rufe der israelitischen Gemeinde in St. Etienne, woselbst er ein echter Priester die Hochachtung und Verehrung Iber gesammten Bevölkerung ohne Unterschied des Glaubens sich zu erwerben und zu.erhalten gewußt hatte. ') Rabbi Mordechai Trend zählte z„ den hervorragendsten Talmndisten, und waren dessen Vater und Großvater Ooerrabbinen von Metz, wie mir der verewigte Trend während meines Pariser Aufenthaltes (van 1874—1877) berichtete. Außer zahlreichen kleineren Arbeiten veröffentlichte Trönel ein vorzügl ches französich-hebräisches und hebräisch-französisches Wörterbuch. *) Zahlreiche Briese in deutscher und französsicher Sprache, die an mich gerichtet wurden, bewahre ich von Isidore Loeb, die ich bei günstiger Gelegenheit mit der göttlichen Hilfe zu veröffentliche gedenke.