Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 12 (1892)
- Issue
- Heft 7 (1.7.1892)
- Date
- 1892-07-01
- Page
- Seite 165 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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165 Verbindung sei auch insofern« bemerkenswerth, „als die Grafen Hoyos, soweit uns bekannt, dem jüdischen Liberalismus angehören und stark in „Judenschutz machen". Was die Antisemiten nicht Alles wissen? — In Fikchach bei Augsburg hat sich die freiwillige Feuerwehr, nachdem sie volle 20 Jahre bestanden hatte, aufgelöst, weil in letzter Zeit zwischen Juden und Christen, Reibereien sich bemerkbar machten, die an Antisemitisnius grenzte», u. a., weil Hauptmann, Rottenführer, Cassirer rc. Juden waren. Die Israeliten gründeten eine neue Feuerwehr, die vielleicht einzig in ihrer Art, (besonders in Bayern) ist. Das Kgl. Bezirksamt hat sie bereits genehmigt. — Herr Morris de Ionge, zuletzt Redacteur eines antisemitischen Blattes in Hannover, trat aus der Redaction desselben aus, weil die Behandlung, die der Judenfrage seitens der antisemitischen Parteien und insbesondere seitens der antisemitischen Presse zu Teil wird, eine unchristliche und deshalb sittlich verwerfliche sei, und er es für seine Gewissenspflicht halte, diese Auffassung in Zukunft auch öffentlich zu vertrete». — In Cottbus erscheint seit dem 1. April zweimal in der Woche ein antisemitisches Blatt die „Niederlausitzer Wacht" — Herr Fr. v. Schack in seinem Werke „Pandora" S. 11 schreibt über die Dichtkunst der Hebräer. Es gab Völker, deren Litteratur sich ganz ohne Einwirkung der Erzeugnisse anderer Nationen entwickelte, weil sie keine solche kennen lernen konnten. So die Inden . . . Ebenso ganz aus sich selbst hat sich die Dichtkunst der Hebräer entwickelt; sie hat eine einseitige, jedoch erstaunliche Höhe erreicht, und nach Allem, was seitdem hervorgebracht worden, bleibt doch das Buch Hiob, sowie Manches in den Psalmen und Büchern der Propheten wegen seiner Erhabenheit und seines Schwunges staunenswerth. Alles ist mächtig und groß, ein donnernder Choral, neben dem jeder Ton von Menschenstiniinen verhallt. Wollte man hier sagen das beständige hochgestimmte Pathos erzeuge Monotonie und die Kenntnis fremder Gedichte hätte den Juden, wenn solche ihnen zugängig gewesen wären, von Nutzen sein können, um ihre eigenen zu vervollkommnen, so würden das nahezu so viel heißen, als wünschte man überhaupt aus der hebräischen Poesie dasjenige hinweg, worin ihre überwältigende Wirkung besteht. — Die mit hebräischen Typen gedruckte „Allgemeine jüdische Zeitung" in Budapest, welche zweimal wöchentlich erscheint, ist in den alleinigen Besitz des Herrn Earl Adler, Chef der Buchdruckerei-Firma M. Burian, übergegangen. — In Warienbad wurde Herr Dr. Goctein, bisher in Nachod, als Rabbiner gewählt und in Habion; Herr Dr. Herman Hanelh aus Liplo - *»;t - Wiklös. — In Wien starb am 14. Mai im Spitale der Barmherzigen Brüder, nachdem er in der Nähe des Klosters von einem Unwohlsein befallen wurde, Herr Arthur S. Weißmann, geboren in Iotny». Er war ein ebenso gelehrter wie charakterfester Mann, der mit aller Entschiedenheit für eine Reform des Judentums eintrat und in der von ihm gegründeten „Wissenschaftlichen Monatsschrift" der freien Forschung diente. Er war ein klarer Denker, der ehrlich und rückhaltlos für seine Ueberzeugung eintrat, ein gelehrter Forscher dem ein reiches Wissen zu Gebote stand. In unserer Zeit, die arm an Gelehrsamkeit und Charaktergröße, ist der frühe Heimgang eines solchen Mannes um so tiefer zu beklagen. Wertvoll sind seine exegetischen Studien über die Psalmen, seine Arbeiten in vielen hebräischen und jüdischen Zeiffchriften und seinen Edition des Werkes „Schein Olam", welches über die kabbalistischen Anschauungen des Rabbi Jonathan Eibenschütz Aufschluß gibt. Herr Weißmann lebte in Wien in ärmlichen Verhältnissen und hatte wegen seines Freimuthes, wie sich dos nicht anders erwarten läßt, nicht wenige Gegner. Hierfür ließ ihn der Vorstand der Wiener israelitischen Cultusgemeinde in ehrenvoller Weise bestatten. Herr