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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1892-07-01 · Heft 7 (1.7.1892) · p. Seite 157

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
12 (1892)
Issue
Heft 7 (1.7.1892)
Date
1892-07-01
Page
Seite 157 (sequence 13)
Language
German
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157 fielen, lieferten eine bedeutende Menge Juden der Willkür der Führer der Religionsgemeinden, unter das zweischneidige Schwert ihrer weltlichen und geistlichen Macht aus. Uebrigens bestiininte die „Ordnung" die Macht der Rabbiner und Kahalen nicht ausführlich, lieb die Auslegung zahlreicher Paragraphen zum Nachteil der Staatsgesetze und dies oft in wichtige» Fällen zu. Die Regierung, die die Juden durch die „Ordnung" über die Christen erhob, und sie mit überaus wunderlichen Privilegien bedachte, errichtete einen Rechtsstaat im Staate. Und welche Gründe bewogen sie zu den ausnahmsweisen Maßregel» des schädlichen jüdischen Elementes wegen? Es waren finanzielle und politische Gründe. Die Juden, deren Umgangssprache die deutsche war, wurden zum Werkzeug der Germanisationsutopien der Kaisers Josef II. auserseheu, dessen Regierung die württembergischen Deutschen nach Galizien lockte und sie dort oft in ganzen Mengen auf eigenen Aufwand ansässig machte. Den Juden wurden deutsche Schulen errichtet und daß sie ihre ganze Korrespondenz mit den kaiserlichen Aemtern deutsch unterhielte», wurde schon erwähnt. Nichtsdestoweniger haßten die Rabbiner diese deutschen Schulen aus dem Grunde ihres Herzens und agitierten gegen dieselbe» dermaßen, bis sie dieselben abgeschafft, und an ihrer Stelle deutsch confessionelle Schulen erlangt hatten. Nicht besser erging es dem Kaiser mit dem Plane der jüdischen Ackerbau Kolonien, deren eine zum Bersuch bei Bolechov gegründet wurde. Es wurden 12 halbgemauerte Bauernhäuser erbaut und ebenso vielen jüdischen Familien übergebe». Aber schon nach einigen Jahren verbrannten die Juden, was von Holz war und anstatt die geschenkten Aecker zu bebaue», kehrten sie zum Schacher zurück und zerstreuten sich in der Umgegend.'") Das Bestreben der Regierung ans den polnischen Juden eine neue Gattung des deutschen Elementes zu schaffe», wurde bei der ersten Conscriptiou durch Erlässe an die ^Mischen und Militärbehörden kund. Bis zu dieser Zeit hatten nämlich die Jlwrn keine Fainiliennanien, sie schrieben sich nur mit dem bloßen Name», außer daß sie auch den Namen des Vaters hinzufügten; aber die Anordnung der Regierung befahl ihnen deutsche Zunamen'") sich zu geben, was die das Verzeichnis führenden Offiziere oft zur Schmach der Juden mißbrauchten; so schrieben sie in das Verzeichnis Zunamen wie z. B.: Katzenellenbogen, Unterleibsgeschwür u. dergl. Eine Reihe von Hosdekreten und Kabinetsverordnungen ist ein weiterer Beweis der Germanisationsbestrebungen der österreichischen Regierung. So verordnet ein Dekret der Hoskanzlei vom 26. April 1805, daß die Bücher und Rechnungen der jüdischen Gemeinden deutsch geführt werden; dem Dekret vom 2. Februar 1806 zufolge sollte bei der Wahl der Funktionäre für eine Gemeinde nur auf die Rücksicht genommen werden, welche deutsch konnten: mit dem Dekrete vom 9. Juni 1828 wird den Abschätzern der Domestikal- Steuer anbefohlen, daß sie sich mit dem jüdischen Gemeindeamte deutsch verständigen; laut Dekret vom 4. Februar 1820 sollten die Gebete und Predigten in den 15; Die Nichtigkeit dieser Angaben ist noch zu untersuchen; denn nicht nur die jüngste Gegenwart, die Kolonisation in Palästina, sondern der ursprüngliche ackerbautreibende Beruf des jüdischen Staates lassen diese Angaben als von feindlicher gehässiger Seite, mala title, herrührend erscheinen. M. G. iG) Ueber die „deutschen Zunamen" vgl. meinen Aussatz: „T'.e Namen der Juden" in meinem Jüdischen Centralblatt p. 91—97 und p. 15,6—169; über die veutschen Bornamen, wie über jüdische Vornamen im allgemeinen handelte der verewigte Dr. Leopold Zunz in einer besonderen Schrift über die Namen der Juden, die auch im 2. Band seiner „Gesammelten Schriften" in erweiterter Ausgabe sich findet. M. G.

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