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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1892-07-01 · Heft 7 (1.7.1892) · p. Seite 151

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
12 (1892)
Issue
Heft 7 (1.7.1892)
Date
1892-07-01
Page
Seite 151 (sequence 7)
Language
German
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151 außer den pflichtgemäßigen Schulgegenständen muß ja noch eine große Anzahl sogenannter Nebenfächer, Musik und Tanz und Conversation iu neueren Sprachen und wer weiß was sonst noch betrieben werden, und da bleibt wahrlich für die Religion, die ja ohnehin auf die Versetzung keinen Einfluß hat, keine Zeit und Muse übrig. Ja, ich gebe es zu, auf die Versetzung iu eine höhere Schulklasse ist die Kenntnis der religiösen Wahrheiten und der Religiousgeschichte belanglos; es gicbt aber im Leben noch andere Versetzungen, bei denen cs führwahr nicht gleichgültig ist, ob die Religion den Menschen begleitet, oder ob er lediglich sich selbst und seinen stürmischen, ungezügelten Leidenschaften überlasten ist. Wenn euer Sohn aus dem Elternhause in die Fremde mit ihren Gefahren, und Versuchungen versetzt wird; wenn für ihn unvermittelt eine Versetzung vom Zustande des Glückes und des Wohlbehagens in eine trübe, aussichtslose Lebenslage erfolgt: ach! da ist er bei aller Fürsorge, die ihr auf seine Erziehung verwandt habet, schlecht vorbereitet und wird die Prüfung nur mangelhaft bestehen, so ihr seine sittliche Kraft nicht gestärkt habet durch den heilkräftigen Trank ans dem Borne der Gotteslehre, so ihr ihm nicht durch „Gesetz und Recht," durch Glauben und Moral eine Stütze gegeben habet, die untrüglich i$, die ihn vor dem Sturze in die Tiefe sicherer bewahrt, als jedes andere Hülfsmittel, das euch unentbehrlich dünkt. Sehen wir es den» nicht tagtäglich, wie wahr der begeisterte Seher gesprochen: Knaben schon ermatten und ermüden, und Jünglinge straucheln in großer Zahl, indeß die auf den Herr» Vertrauenden ihre Kraft wechselnd erneuen. den Adlern gleich die Schwingen erheben, gehen ohne zu ermatten, laufen ohne zu ermüden? Haben wir der warnenden Beispiele denn nicht schon genug? Wollen »vir erst noch »lehr Erfahrungen machen? Ich erinnere euch an euere Verantwortlichkeit vor Gott und vor der Welt, ehe es zu spät ist, ehe euch die, Reue erfaßt, und die Scham euch zur Erde beugt. Was ihr durch Vorenthaltung der Religion an eueren Kindern thut, ist gegen „Gesetz und Recht," widerstreitet den elementarsten Begriffen der Elternpflicht. Sollte es denn wirklich wahr sein, was jetzt vielfach behauptet wird, und zwar im Lager der Strenggläubigen wie der Freidenkenden behauptet wird, daß nur der behördliche Zwang den schreienden Mißständeu im Judentum abhelfen kan», daß Israel nicht mehr aus eigenem Antriebe sich auf sich selbst und auf das, was es seinen Kinder» schuldig ist, zu besinnen vermag? Ich kann, ich will es nicht glauben; ich mag das Kleinod der Religion dem Staate nicht anvertrauen, mag nicht seiner Fürsorge und seiner Auffassung überantwortet sehen, was wir selbst Jahrtausende hindurch treu gehütet und vor Schaden und Verkümmerung bewahret haben. Ich habe das Vertrauen z» dem guten Geiste und zu dem Selbstbewußtsein in der Gemeinde Jakobs daß sie auch ohne staatliches Machtgebot ihr heiliges Erbgut pflegen und im Herze» der Jugend sicher bergen wird. Wir gründen ja ohne fremde Beihülfe, ohne Anregung von außen, Wohlthätigkeitsanstalten aller?>rt, sorgen für Waisen ünd Wittwen, für Kranke und Greise, und sollten der größten Wohlthat gegen unser eigen Fleisch und Blut uns entziehen, sollte» unsere eigenen Kinder religiös verwaist sein lassen, sollten die Tochter Zions zwingen, sich in den Wittwenschleier zu hüllen, sollten die Jugend krank und greisenhaft aus die Lebensbahn führen? Nein; Auch die Lauesten und Gleichgültigsten müssen nachgerade eingesehen haben, daß die Verjüngung des Judentums, seine Kräftigung und Erstarkung nur von der Durchdringung des

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