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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1892-07-01 · Heft 7 (1.7.1892) · p. Seite 149

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
12 (1892)
Issue
Heft 7 (1.7.1892)
Date
1892-07-01
Page
Seite 149 (sequence 5)
Language
German
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149 zerfiel, die alle auf anderem als dem von ihrem Führer Moses vorgezeichneten Wege das Heil suchten, so oder doch ähnlich sieht es auch in unserer Mitte aus, gegenüber der Forderung einer gründlichen und sachgemäßen religiösen Unterweisung der Jugend. Die erste Gruppe — sie ist wohl nicht sehr zahlreich, aber setzt sich aus Angehörigen der sogenannten vornehmen Stände zusammen, die einen besonders hohen Wert darauf legen, daß ihre Kinder ihre Zugehörigkeit zum Judentum so spät als möglich erfahren — sie macht den Grundsatz geltend: ich halte eS fiir das Beste ein Kind mit religiösen Fragen, die es in dem zarten Alter noch gar nicht zu erfassen vermag, mit konfessionellen Unterschieden und dergleichen gänzlich zu verschonen. Ist mein Sohn herangewachsen, so mag er nach eigener sorgfältiger Prüfung, zu welcher er in Folge seiner allgemeinen Bildung dann sicherlich befähigt sein wird, sich für die Religion entscheiden, die ihm die bessere dünkt. Will er der väterlichen Religion treu bleiben: nun, ich werde ihn davon nicht zurückhalten, glaubt er, eine andere vorziehen zu sollen: so mag er das vor seinem Gewissen verantworten, ich will ihm nach keiner Seite hin seine persönliche Freiheit einschränken. Wißt ihr, wie mir das vorkommt'? Ich möchte es an einem Beispiele aus einern verwandten Gebiete euch erläutern., Deutsche Eltern, denen in ihrer Borliebe zum Weltbürgertum der Patriotismus als etwas engherziges und tyrannisches erscheint, lassen ihr Kind im Auslande, sagen wir in Frankreich, erziehen und schließen es von jeglichen Berkehr mit deutschen Landsleuten ab. Durch Unterricht und Umgang lernt es französisches Wesen, französische Sitten kennen, hört auch beständig von der Bedeutung Frankreichs für die Kultur der Menschheit reden, nebenbei auch weidlich auf die deutschen Barbaren schelten, die das große schöne Frankreich beraubt haben, und die noch jetzt alles mögliche Böse wider dasselbe ersinnen. Unwillkürlich wird in dem Herzen des Kindes die Liebe zu Frankreich keimen, und das Bild der deutschen Heimat wird in seiner Seele mehr und mehr erblassen. Und wenn es nun herangewachsen vor die Wahl gestellt wird, ob es Deutschland, ob Frankreich sich zum Baterlande wühlen soll: ich bin nicht zweifelhaft, wie es sich entscheiden wird. Deutschland hat ihm nichts gegeben, alles, was es weiß, was eö vom Leben genossen hat, seine Freunde, seine Gespielen — es verdankt es Frankreich, ihm ist es darum mit jugendlicher Begeisterung zngethan, ihm ist seine herzliche Theilnahme gewidmet. Doch vielleicht übt die alte.Heimat noch eine kleine Anziehungskraft auf es aus, namentlich da seine lieben Eltern, die so viel für es gethan, im deutschen Baterlande leben, und es schwankt nun lange hin und her, und zu welchem Entschlüsse es endlich kommt — es fühlt sich nicht befriedigt, nicht glücklich, sein Herz bleibt getheilt. Ihr wendet ein — wendet mit Recht ein — das thun vernünftige Eltern, die ihr Kind lieben, nimmermehr, sie berauben es nicht freventlich des Segens, den das Bewußtsein, ein theures Vaterland zu besitzen und zn lieben, dem Menschen verleiht; solche Eltern giebt es nicht. Aber solche jüdische Eltern giebt es, die so unverantwortlich verfahren, die ihr Kind absichtlich dem segensreichen Einflüsse der Religion entfremden, die es darben und schmachten oder aus einer Quelle trinken lassen, die getrübt, wenigstens für die Angehörigen des Judentums getrübt ist. Genug hiervon! Die sittliche Entrüstung über solche Entartung bemächtigt sich meiner, ein heiliger Zorn steigt in mir auf, wenn ich

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