Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 12 (1892)
- Issue
- Heft 6 (1.6.1892)
- Date
- 1892-06-01
- Page
- Seite 143 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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schweigen hinweggehen können Der Verfasser unterläßt es nicht, aus dem Sohar, der übrigens Jahrhunderte hindurch eine höchst untergeordnete Bedeutung gehabt haben muß, wenn, wie S. 38 mit Recht angenommen wird, schon ein Gelehrter des 8. Jahrhunderts ihn verfaßt haben soll, — eine Stelle hervorzuheben, in der von einer göttlichen Dreieinigkeit die Rede ist. Mit dem christlichen Dogma hat die in derselbenausgesprochene Behauptung indes nur eine formelle Aehnlichkeit, zumal sie sich ausschließlich auf das göttliche Wesen beschränkt, das über alle Menschlichkeit hoch erhaben gedacht wird. Einen Trinitarismus lehrte unter den Kabbalisten besonders Abraham Abulafia, aber auch nur in dem Sinne, in welchem nach der soharistischen Theologie das göttliche Wesen in zehn ihm entstammende Potenzen sich abstuft. — S. 50 sucht der Verfasser die durchwegs gerechtfertigte Annahme, daß die Namen Onkelos und Akylas nur ein und dieselbe Persönlichkeit bezeichnen, zu widerlegen. Er übersieht dabei, daß in der einzigen Stelle, in welcher Onkelos zum Verfasser einer aramäischeu Pentateuch- Übersetzung gemacht wird (Megilla 3a\ nur eine palästinische Tradition, die von der griechischen Uebersetzung des Akylas berichtet, ungenau wiedergegeben wird. Wo der Talmud sich auf Stellen dieses aramäischen Targums beruft, geschieht dies gewöhnlich in der Anführungsform:^„wie wir übersetzen". Ein mit Akylas nicht identischer Onkelos, wie das von Späteren einem solchen fälschlich zugeschriebenen Targum zum Pentateuch, hat nicht existirt. — Die Betrachtungen über die Zukunft Israels (Heft 5) können eigentlich ebensowenig zu sicheren Resultaten führen, als es etwa solche über die Zukunft des Christentums vermöchten, die heutzutage in weiten Kreisen niindestens in gleicher Weise in Frage gestellt erscheint. Die biblischen Weissagungen können hierfür nicht als alleiniger Maßstab gelten, da sie doch mehr nach ihrem geistigen als nach ihrem materiellen Inhalte aufgefaßt werden können. Von einer Bekehrung Israels, zum Christeutume, die der Verfasser erhofft, ist wenigstens in den Prophezeiungen des alten Testamentes keine Rede und die Wiedererlangung Palästina's erscheint in denselben mir als das nächste Hoffnungsziel der babylonischen Exulanten. Nach der Ueberlieferung der Synagoge hat Israel seit der Erreichung desselben keine Prophetenstimme mehr vernommen und es bleibt uns nichts anderes übrig, als aus der Vergangenheit zu lernen, wie wir für die Zukunft zu wirken haben.— Aus dem Nachlasse § D Lu;zatto's wurden eine große Anzahl französischer, italienischer und lateinischer Briefe, größtenteils wissenschaftlichen Inhalts veröffentlicht (b^Ü8toIui'io italiano, francesse, latino di Samuel David Luzzatto du Triest-e, publicato da suoi tigli, Padua 1890). Es befinden sich unter denselben viele litterarische Mitteilungen von Jost, Geiger, Jellinek, Martara, Steinschneider, G. Wolf u. A. Besonders interessant sind die bibliographischen und philologischen Bemerkungen, die in denselben dargeboten werden. — Von den zumeist in der Frankfurter Stadtbibliothek befindlichen Schriften des frühverstorbenen Talmndgelehrten Hhron Fuld wurde ein Teil (Responsen, Glossen zum Talmud u. Ä ) unter dem Titel „Bet-Ahron" veröffentlicht. Das Werk ist nicht für den Buchhandel bestimmt. Der Optimismus und Pessimismus in der jüdischen Religionsphilosophie, eine Studie über die Behandlung der Theodicee in derselben bis auf Maimonides von Dr. g. Goiten. Berlin, Mayer & Müller, 1890. Für die jüdischen Denker hatte die Frage nach dem Ursprünge oder vielmehr nach dem Zwecke der Nebel (Vorw. S. 7) nicht nur eine philosophische, sondern eine in noch höherem Maße religiöse Bedeutung. Die Annahme, daß das Uebel auf ein für sich bestehendes böses Princip zurückzuführen sei, war