Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 12 (1892)
- Issue
- Heft 6 (1.6.1892)
- Date
- 1892-06-01
- Page
- Seite 144 (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2969669-2969947-2969954--3565-2976958- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
144 durch die monistische Gotteslidee und Weltanschauung von vornherein ausgeschlossen. Das Vorhandensein derselben in der Welt und im Menschenleben mußte aber mit ihr um so mehr in Einklang gebracht werden, als es auch dem Glauben an die Vollkommenheit des göttlichen Wesens und besonders an seine Allgüte einen in offenbaren Thatsachen hervortretenden Widerspruch entgegenstellt. Es galt also hier die Losung eines Problems, das in manchen Kreisen zu Gefahr für den religiöse» Glaube» sich gestalten konnte. Es ist dies auch die einzige Frage, die, wie der Verfasser >S. 1 ff) zeigt, schon in dem biblischen Schrifttume, besonders im Buch Hiob und in Kchelet, zuni Gegenstände spekulativer Behandlung gemacht wird. Auch die spätere Sectenspaltung stand nicht ganz außer ihrem Einflüße, in den Schulen Schammais und Hillels wurde sie Jahre lang discutirt, wie den» auch die Lehrer der Mischna, die mit dem auch in ihre Kreise eingedrungenen und besonders von Acher (Elisa b. Abuja) vertretenen Dualismus der Gnostiker sich auseinander zu setzen hatten, zu verschiedenen Meinungsäußerungen über dieselbe veranlaßt wurden. Die Darstellung dieser Lehren in vorliegender Schrift ist durchwegs zutreffend und läßt besonders die theoretischen Grundlagen derselben klar hervortrete». Selbstverständlich haben die Religionsphilosophen des Mittelalters, Saadia, Jbn Zadik, Jehuda Halevi, Maimonides ». a. sich mit dieser Frage eingehend beschäftigt. Den Inhalt und die Ergebnisse ihrer diesbezüglichen Untersuchungen kann man aus der vorliegenden Schrift (S. 35, ff.) kennen lernen, auf Grundlage umfassender Quellenstudien, in der dieselben in klarer ausführlicher Weise besprochen werden. Das Resultat seiner Forschungen legt der Verfasser (S. 111) in folgende» Worten dar: Die jüdische Religionsphilosophie hat es redlich versucht, das Vorhandensein des Hebels mit der göttlichen Weltordnung in Einklang zu bringen wobei sie sich allerdings auch von der jeweiligen phlilosophischen Zeitströmung beeinflussen ließ- Durch die gegebene» Erfahrungsthatsachen gelangt sie im Große» und Ganze» zu einem eudgmonologischen Pessimismus der L e b e n s anschauung, die sie jedoch durch die Annahme eines trqnscedenten Lebens mit dem theologischen Optimismus der Weltanschauung in Einklang zu bringen weiß. Jener Pessimismus führt aber nicht zur Weltverachtnng Und Lebensverneinüng, sondern zur Weltüberwinduug und Lebensbeherrschung. Ji» Allgemeine» lautet die Lehre des Judentums dahin, daß die Uebel in der Hand der Gottheit ein Mittel sind, die Menschen ihre Abhängigkeit von einem höchsten Wesen fühlen zu lassen und sie dadurch in sittlicher Zucht zu erhalten. Inhalt: liebet die Stellung von Dr. M. ©tii < Schluß). — Dic dem Böhmischen ii Dr. M. Grünwald — Mein Leichenstei Frankfurt a. M. ai teilungen. — Beilach einiger neuerer Philosophen zum Judentum. Vortrag gehalten ckelmacher, Stadt- und Conferenz-Rabbiner in Mannhein Juden in Galizien. Eine Studie von Franz Rehor. Ans 's Deutsche übertragen und mit Anmerkungen versehen von in Jnngbunzlau. — lieber Leopold Dukes von H. Zirndorf, n. Zur Erinnerung an Herrn I. Schöuhos, gestorben in it 4. April 1892. — Monatsschau. — Referate und Mit- Verantwortlicher Redakteur und Herausgeber Dr. Adolf Brüll; in Komission für dön Buchhandel bei Franz Benjainin Auffarth; Druck von H. L Brönner's Druckerei (F. AZ. Breidensteiu), sämtlich in Frankfurt am Main.