Mannheim
Compact Memory

Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1892-06-01 · Heft 6 (1.6.1892) · p. Seite 136

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
12 (1892)
Issue
Heft 6 (1.6.1892)
Date
1892-06-01
Page
Seite 136 (sequence 16)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2969669-2969947-2969954--3557-2976950
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

136 — unbestechliche und unfehlbare Richter, welcher sein Urteil in jedem Augenblick spricht, wo wir ihn hören wollen, und dessen Stimme endlich auch den erreicht, der sich ihr verschließt, wie sehr er sich dagegen sträube." „Es sagt uns, daß jeder Tag dem Herrn geweiht sein sollte, daß selbst der erlaubte Zins, vom Bedrängten erhoben, unrecht sei, mit einem Wort, es predigt die Moral in der Brust von Christen und Inden, von Heide» und Wilden." — Der älteste Mann in der Provinz Pose» ist der frühere Kaufmann Salomon in Wrotschen, jetzt 108 Jahre alt. Bielleicht dürfte derselbe auch, nachdem der Rentier Jordan in Bielefeld im 113. Lebensjahre gestorben, gegenwärtig der älteste Mann Deutschlands sein. — Das seltene Fest ihres hundertjährigen Bestehens feierte am 27. März die „Bruderschaft zur Ausübung der Wohlthätigkeit und Krankenpflege" in Düsseldorf. Aus Anlaß der Jubelfeier, zu welcher der Rabbinatsverweser Herr Dr. Dienstfertig eine die Geschichte des Vereins behandelnde Festschrift verfaßt hatte, fand Vormittags ein Fest-Gottesdienst in der Synagoge statt. Später vereinigte» sich die Mitglieder, welchen zahlreiche Gäste von nah und fern sich angeschlossc» hatten, zu einem Festessen in den Räumen der städtischen Tonhalle. — Die Gesellschaft jüdischrr Handwerker und Künstler in Kerliu (gestiftet 184b von M. Halle) beging am Montag den 21. März ihr 47 jähriges Stiftungsfest. Der Mitgliederbestand ist derselbe geblieben und balanciren Einnahmen und Ausgaben mit Mt. 12,540. Das Vermögen beträgt Mk. 84,900. Die Wittwenkasse der Gesellschaft hat über 500 Mitglieder und ein Vermögen von Mk. 60,850. — Das Jüdische Wiidchenstift, Oranienburgerstr. 73 in Kerlin, das der hauswirtschaftlifhen Ausbildung unbemittelter jüdischer Mädchen dient/verzeichnet die Zahl der Mitglieder der Anstalt von 317 auf 361 gestiegen, die Summe der Jahresbeiträge' von Mk. 3669 auf Mk. 4043, das Gesammtvermögen von Btt. 12,733.13 auf Btt. 15,179.16. Die Zahl der Zöglinge, ist auf acht gestiegen. Mit dem Stifte ist ein Mittagstisch zun« Selbstkostenpreise verbunden. — Der Magistrat in Kerlin hat beschlossen, zum Andenken Giaeomo Weyerbeers an dem Hause Parisex Platz 6a. eine bronzene Gedächtnistafel anzubringen. Die Tafel soll die Inschrift erhalten: „Giaeomo Meyerbeer wohnte hier 1848—1863. Seinem Gedächtnis die Stadt Berlin 1892." — Die Verwaltung der Kuranstalt, für arme Israeliten in Kad Soden im Taunus berichtet, daß die Zahl der Pfleglinge sich im. Jahre 1891 auf 150 vermehrt hat. Herr M. A. Wolf liefert fortan alle in der Anstalt erforderlichen Weine und Spirituosen unentgeltlich. Die Mitgliederbeiträge beliefen sich auf Mk. 6568, die Geschenke auf Mk. 13,092, die Zinsen auf Mk. 216. Diesen Einnahmen stehen Mk. 19,736 Ausgaben gegenüber. — Nach den definitiven Ergebnissen der Volkszählung vom i. Dezember 1890 in Kayern beträgt die Zahl der jüdischen Seelen 53,885. — Zu einer Deputation hessischer Schullehrer, welche jüngst vom Großherzoge von Hessen in Audienz empfangen wurde, sprach derselbe beherzigenswerte Worte. Er sagte,! daß er die antisemitische Bewegung auf's tiefste bedauere und sie, gleich seinem Onkel, dem hochseligen Kaiser Friedrich als eine Schmach unseres Jahrhunderts betrachte. So weit es in seiner Macht liege, wiirde er in seinem Reiche entschieden Front gegen diese verwerfliche Hetze machen. — Herr Professor Ad. Wagner fährt auf dem einmal betretenen Weg fort und benutzt immer neue Gelegenheiten, um seinen früheren Parteigenossen einen möglichst deutlichen Absagebrief zukommen zu lassen. So hat er in dem konservativen Bürgerverein „Blücher" unter Anderen, gesagt: „Es sei eine Phrase, wenn es heißej man solle die konservative Bewegung jetzt in die antisemitische überleiten.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.