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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1892-06-01 · Heft 6 (1.6.1892) · p. Seite 135

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
12 (1892)
Issue
Heft 6 (1.6.1892)
Date
1892-06-01
Page
Seite 135 (sequence 15)
Language
German
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135 auf das ereignisreiche, wechselvolle Wanderleben des berühmten Pädagogen und Sprachforschers, gedachte seiner bahnbrechenden Lehrbücher für das Studium der alten Sprachen, namentlich der lateinischen, und hob ganz besonders den Umstand Hervox, daß Comenius der erste war, welcher das erfolgreiche Bestreben hatte, in den Geist der alten Sprachen einzudringen. Bon der hebräischen Sprache hatte er eine so hohe Meinung, daß er sie als das Grundelement aller übrigen Sprachen bezeichnete, eine Meinung, welche wissenschaftlich allerdings als nicht stichhaltig erscheint. Was den Israeliten das Andenken an Comenius noch besonders wert erscheinen läßt, ist die Thatsache, daß er als Bischof-der mährischen Brüdergemeinde in seinen Schriften und Predigten sehr entschieden für Toleranz und Glaubensfreiheit auftrat und sich auch warm der zu seiner Zeit noch in den meisten Gegenden schwer bedrückten Juden annahm. Das Judentum bewahrt allen Männern, welche als Vorkämpfer für die Freiheit des Glaubens ihr ganze Kraft einsetzten und dem Fanatismus in Glaubenssachen entgegenwirkten, ein dankbares Andenken und deshalb wird der Nüme des edelgesinnten Amos Comenius stets mit aufrichtiger Dankbarkeit genannt werden. — Am 27. März tagte in Serlin der sechste Gemeindetag, unter zahlreicher Beteiligung von Delegirten aus allen Gegenden Deutschlands. — Die Bibliothek des sek- Herrn Rabbiners Dr. U Driill ist um den Preis von 10,000 Mark in den Besitz der Stadt Frankfurt a. W. übergegangen, nachdem ihr von Seiten der israelitischen Gemeinde und von Privaten 5500 Mark zur Verfügung gestellt wurden. Alle, die sich um den Erwerb der Bibliothek bemüht haben, verdienen Dank im Namen der jüdischen Wissenschaft und wird man in Zukunft es hoch anschlagen, daß diese äußerst wertvolle Büchersammlung dem deutschen Vaterlande erhalten blieb. — Die Realschule der israelitischen Gemeinde (Philanthropin) in Frankfurt a. W. wurde im^abgelaufenen Schuljahre von 267 Schülern, die Vorschule derselben von 117 schillern, die Mädchenschule von 206 Schülerinnen besucht. Die Berechtigung zum einjährigen Militärdienst erhielten 34 Schüler. Dem Programm vorgedruckt ist eine sehr interessante Arbeit des Herrn Dr. I. Kracauer über: „Die Schicksale der Juden in Frankfurt a. M. während des Fettmilchffchen Ausstandes". — Feldmarschall Woltke schreibt in seinen „Trostgedanken", welche sich in dem soeben erschienenen I. Band der „Gesammelten Schriften" befinden: „Man kann sich über Alles verständigen, nur nicht über Dinge, an welche das menschliche Begriffsvermögen nicht heranreicht, und gerade über solche Begriffe hat man achtzehn Jahrhunderte hindurch gestritten, hat die Welt verheert, von der Vertilgung der Arianer an durch dreißigjährige Kriege bis zu den Scheiterhaufen der Inquisition und was ist das Ende aller dieser Kämpfe — derselbe Zwiespalt der Meinungen, wie znvör!" „Wir können die Glaubenssätze hinnehmen. wie man die Versicherung eiu^s treuen Freundes hinnimmt, ohne sie zu prüfen, aber der Kern aller Religionen ist die Moral, welche sie lehren, am reinsten und erschöpfendsten die christliche " „Und doch spricht man achselzuckend von einer trockenen Moral, und macht die Form, in welcher sie gegeben, zur Hauptsache. Ich fürchte, daß der Eiferer auf der Kanzel, welcher überreden will, wo er nicht überzeugen kann, die Christen ans der Kirche hinauspredigt, lieber-- Haupt sollte nicht jedes fromme Gebet, möge es nun an Buddha, an Allah oder Jehova gerichtet sein, an denselben Gott gelangen, außer dem es ja keinen gibt? Hört doch die Mutter die Bitte des Kindes, in welcher Sprache es auch ihren Namen lallt." „Aber auch ein sicherer Ratgeber ist uns, beigeordnet. Von uns selbst unabhängig hat er seine Vollmacht von Gott selbst. Das Gewissen ist der.

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