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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1892-06-01 · Heft 6 (1.6.1892) · p. Seite 137

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
12 (1892)
Issue
Heft 6 (1.6.1892)
Date
1892-06-01
Page
Seite 137 (sequence 17)
Language
German
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137 Nicht von den Juden rühren die großen Krise» her, sondern diese seien dadurch veranlaßt, daß durch die Dampfmaschine und die elektrische Kraft die ganzen Productionsmittel, die Communicationen, der Absatz, die Bewegung in der Bevölkerung eine ungeheure Veränderung erfahren hätten Mit ihm seien die meisten Professoren und Gelehrten der Ansicht, daß der Antiscmiiismns nicht Recht habe und eine ungeheure Uebertreibnng sei. Das schlimmste von alle» agitatorischen Mittel» sei der Hinweis auf eine bessere Zukunft, ohne dabei anzngeben, wie dieselbe sich gestalten solle. Bei allen extremen Parteien sei die Neigung vorhanden, anznnehmen, daß bei Aendcrung der materiellen Verhältnisse die Menschen besser würden; die Weltgeschichte beweise das Gegenteil. Weder die Vertreibung der Juden noch der Socialstaat werde die erhoffte Glückseligkeit bringen. Es gebe eben keinen Himmel auf Erden." — Der „Semite" Richard Wagner. Das ist kein Paradoxon, das ist eine wirkliche und wahrhaftige Behauptung und als solche in einem germanisch-antisemitischen Blättchen im nenn zehnten Jahrhundert, mit unheimlich wirkende» Ernste ausgestellt. Richard Wagner, der große Meister, wäre in gewissen Harmonie-feindlichen und darum ninsikgegnerischen Kreisen gar nicht der berühmte Herr, der er ist, ivürde er nicht das Pamphlet gegen das Judentum in der Musik geschrieben haben. Dieses erst hat ihn waschecht und vollwertig gemacht, mehr no.ch als es die von ihm vollzogene Wiedererweckung des germanischen Mythus je im S:a»de gewesen iväre. Und nun, o Schmerz! Das erwähnte Blättchen hat ge'nnden, daß Wagners Art zu schassen nicht deutsch sei, seine Musik wäre mehr kelto-scmitisch als gemanisch. er selbst ein geld- und gewinnsüchtiger Spekulant, sei übrigens im Leipziger Jndenviertel geboren, was immerhin zu denken gebe! Wähnet nicht, Wagner sei Wotans Werk, jammert, jammert über ihn, denn er ist Jude. Unerhörter Wahnwitz! — Der Hofopernsängerin. Fräulein Therese Rathäuser (einer Pesterin) ist eine ganz ungewöhnliche Auszeichnniig von Seiten des dentschen Kaisers zuteil' geworden. Die junge Künstlerin hatte in der vom Kaiser anbefohlenen Gala- Aufführung der Oper „Carmen" die Titelrolle gesungen und Kaiser Wilhelm beauftragte nach der Vorstellung den Intendanten Grafen Hochberg, der Sängerin seine besondere Zufriedenheit auszusprechen und ihr seine Worte zu wiederhole» „Fräulein Rothauser ist die beste „Carmen", die ich gesehen". — Am 1. Dezember 1890 zählte Kerlin 79,286 Juden. Nach dem endgiltigcn Ergebnis der an diesem Tage stattgehabten Volkszählung betrug die Zahl der Juden im Königreich Preußen 372,058 unter einer Gesammtbevölkerung von 29,955,281 Seelen neben 19,230,375 Evangelischen, 10,252,807 Katholiken, 59,351 andern Christen und 4960 Personen anderen Bekenntnisses. Wie bei den Evangelische», verminderte sich auch bei den Juden seit 1885 der Anteil an der Gesanimtbevölkerung, während er bei den Katholiken und den anderen Christen stärker wurde. — Die Synagogen-Gemeinde in Kräh hat durch das Ableben des letzten israelitischen Bürgers dieser Stadt zu existiren aufgehört. Die Erbschaft des Gemeindevermögens hat auf Grund vorausgehender Vereinbarung die Synagogen- Gemeinde Tirschtiegel angetreten. — In der Synagogen-Gemeinde Schwiebus wurde am 31. März der neuangelegte Friedhof eingeweiht — Im Westen der Stadt Kerlin soll eine neue Synagoge errichtet werden. — In Krody starb Herr I. K. Scharr, der bekannte Herausgeber der hebräischen Zeitschrift „Hechaluz". Er war einer der bedeutendsten Gelehrten und Kritiker unter den Juden in diesem Jahrhundert, welcher von mächtiger Liebe zur Wahrheit erfüllt, eine scharfe Feder führte, die sich in ein Schwert umwandelte, wenn es galt der Beschränktheit, 12

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