Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 12 (1892)
- Issue
- Heft 6 (1.6.1892)
- Date
- 1892-06-01
- Page
- Seite 130 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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IM Dabei versagte er über eine beneidenswerte Lebenssülle und eine säst nie getrübte Gesundheit, welche ja nach dein Ausdrucke der germanischen Sprachen — „liealtliv<* und „heilig" — mit der Gottseligkeit in sehr naher Beziehung stehen soll. Nach allerlei großen und 'kleiistn Lebenssahrten tvar dieser moderne Jbn Esra an einesn frühen Tage seines Levenssommers in London gelandet und hatte bei einer bräven christlichen Familie des Arbeiterstandes in dem geschäftigen Stadtteil Finsbnry Quartier bezogen. Eitt paar Jahrzehnte hat er uiit^ zäher Ausdauer in jenem bescheidenen Quartiere gewaltet. Die Kinder des Hauses wuchsen heran, die Alten starben heraus; Dukes wohnte »och immer in dem rauchgeschwärzten Hanse. ES hatte sich eine gemütvolle Freundschaft gebildet zwischen den schlichten Hattslenten und dem sanguinisch lebhaften, immer redseligen und dabei schivnnghaft gestikulircnden Gelehrten und es war ettvas Spinozisches in diesem Verhältnis. Die wackern englischen Leute haben gewiß zu dem Büchermenschen als zu einem sonderbaren aber hoher« Wesen hinaufgesehen. Er hatte überhaupt das fittt, von gebildeten und wohlmollendcn Christen verstanden zu werde». Zum Hiuanfsehen war aber auch sonst Grund vorhanden, denn Dukes hatte das volle preußische Kavallerieinaß von nahezu sechs Fuß; er war eine fast vornehnie Erscheinung und der markante Charakterkopf saß auf einer vom vielen Lesen Sv zeigt ihn auch das Bild, das er und Schreibe» keineswegs gesenkten Gestalt, mir in den Sechziger Jahren geschenkt. Jene Finsbnry-Mansarde war es nun, wo ich im Herbste 1862 zum ersten Mal dem Literarhistoriker cntgegentrat; und bei meinen wiederholten Besuchen der Themsestadt habe ich diesä" Gänge nieinals unterlassen und habe gern den -ström dieser anßerordentlichcit Beredsamkeit über mich ergehen lassen. Es war aber ein äußerst staubiges Quai man auf dem Kontinent so nennt, rtier, gerade keine Dachstube, denn das, was st in beit niederen Londoner Häusern kaum anzntreffen, aber doch ein Gemach, wo Einern vor Wust und Chaos der Athein beinahe ausging; eine Variation des Faust'schen Sanktums: „Beschränkt mit diesem Bücherhauf, Den Würnie nagen, Staub bedeckt." Ueberall Bücher, auf den StühlenF"nnd darüber brütend eilt Brettern, dem Bette, dein Fußboden, den fast undurchdringliches Staubgebirge. Auf dein Belte lagen Folianten, auf den Riesenbänden Handschriften und Papiere, auf diesen wieder Wäsche und S Literaria und Astes eingewickelt in Seit diesein ersten Besuch zwischen uns gebildet, der, wenn leidungsstücke, darattf eine fernere Schicht eine dichte Staubkruste, hatte sich ein ziemlich regelmäßiger Verkehr . .. .... _ ich mich recht entsinne, bis zu seiner Abreise nach Wien dauerte. Ich besitze noch eine gute Anzahl seiner mit derber Männerhand hingeschriebenen Briefe, obgleirh ich nur die wesentlicheren anfbewahrt habe. Er >var ein astßerst prompter Corrcspondent, gab über alles Mögliche bereitwillige Auskunft! und war auch sonst gefällig und willfährig fast bis zur Selbstverleugnung. An .gedanklichem Inhalt sind diese Briefe, welche Geschäftliches oder trockne bibliographische Notizen enthalten, nicht eben allzureich;'aber die Dukes'sche Eigejiart läßt sich auch in dem kleinsten Billet nicht verleugnen. Folgende vom 27. April 1865 datirten Zeilen sind nicht ohne kulturgeschichtliches Interesse: , „Rabbiner Löw zahlt nichts für die Aufsätze (im „Ben Chananja.") Der „Orient" hat auch nichts gezahlt. Für alle Arbeiten im Orient