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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1892-06-01 · Heft 6 (1.6.1892) · p. Seite 128

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
12 (1892)
Issue
Heft 6 (1.6.1892)
Date
1892-06-01
Page
Seite 128 (sequence 8)
Language
German
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128 »»erklärliche wie »»gerechtfertigte Vergessenheit eines hochverdienten Toten macht den etwas verspäteten Nachruf z» einer zeitgemäßen und den vielen Lesern und Schälern Dnkes' gewiß nicht nnwillkoininenen Gabe. Der geistvolle Preßburger hätte eS verdient, äusl's eingehendste und sorgsamste den Ueberlebenden in seiner reichen Thütigkeit vor Augen gestellt zu werden. Er ist am 3. August zu Wien, mehr als 81 Jahre alt/ans dem Leben geschieden, und zu frühe hat man an ihm das Psalmcnwort (31, 13) wahr gemacht: „Ich bin vergessen wie ein Toter, ans dem Herzen heraus". Freilich, er hatte keinen akademischen Titel; er hatte nie ein Amt bekleidet, und da er allein und ledigen Standes im Leben gewaltet, so hinterläßt er auch Niemanden, der sich seines Nachlasses und seines Ehrengedächtnisses bei der Nachwelt anzunehmeii gewillt iväre. Er ivar schlechtweg Leopold Dukes, allein dieser Name hatte e»st einen guten Klang und wird ihn gewiß wieder haben und für lange behaupte», rvenn das bischen Antisemitismus und russische Einigrationsfrage und was sonst noch den Sinn und die öffentliche Meinung in Änsprnch nimmt,! sich verzogen und Raum geschaffen haben wird für gute Bücher und gute Manschen und ähnliche gute Dinge, die man sonst wohl der Beachtung wert hielt- Was nun unsere speeielle Berechtigung betrifft, über den wacker» Schreiber und Sammler das Wort zu nehmen, so möchten wir diese nicht blos auf das fleißige Studium seiner Broschüren und Monographieen sondern mehr noch auf de» Umstand gründen, daß es uns vergönnt war, dem Verlebten in einer vorgerückten Periode seines Lebens wiederholt zu begegnen. Wir hatten dadurch Gelegenheit, nicht nur das wunderbare Konversationstalent Leopold Dukes' kennen zu lernen, sondern auch seine Sonderlingsnatur aus ziemlicher Nähe bequem zu betrachten. Doch >vir sprechen zu einem Geschlecht«, welchen! noch manche Vorbegriffe zum Verständnis dieser umfassenden literarischen Thütigkeit beizubringen! sind. Wir sollten deshalb einen methodischen Gang cinhalten und uns von der Fülle der Momente und Standpunkte nicht fortreißen lassen. Leopold Dukes ist 1810 zu Preßburg geboren. Er war aus guter Familie, die später nach Wien nbersiedelte. Zu Ende der Fünfziger Jahre lebten Schwestern von ihin in der jkaiserstadt in günstigen Verhältnissen Ueber des Literarhistorikers Studiengang und Entwicklung fehlt es auch an den dürftigsten Aufzeichnungen. Wo erwarb er sein erstaunliches Wissen, seine mannigsachen Sprachkenntnisse? Wo bildete er seinen Stil, der zwar des feinen Schliffes entbehrte, für seine literarische Spezialität aber in so vorzüglicher Weise ein Werkzeug wurde? Wir wissen es nicht und sind geneigt anzunehme», Andere wissen nicht viel mehr davon als wir. Mehr als eine Seite seines Wesens ist und bleibt in Dunkel gehüllt. Doch verrät sich der Autodidakt in einem Dutzend Eigentümlichkeiten; und dieser selbst gemachte, durch sich selbst geschulte Mann ivurde einer der Polyhistoren unserer Zeit, ein Vielwisser, welcher die Fäden und Gewebe der jüdischen Wissenschaft in seiner rührigen Hand vereinigte. Er wurde eine Jbn Esra-Natur nach kleinerem Zuschnitt, wenigstens was das. Reisen und die Reiselust anbetrifft. In seinem heimischen Oesterreich fühlte er sich beengt und fremd, wohl auch beneidet und angefeindet und vielfach behindert. Mit kargen Mitteln fand er den Weg »ach den verschiedenen Hauptstädten und Musensitzen der europäischen Kulturländer. Man findet ihn in München und Tübingen, in Hannover und Hamburg, in Paris und Leipzig, in London und Oxford. Ueberall gewinnt er Freunde, wird als seltene, exotische

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