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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1892-06-01 · Heft 6 (1.6.1892) · p. Seite 124

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
12 (1892)
Issue
Heft 6 (1.6.1892)
Date
1892-06-01
Page
Seite 124 (sequence 4)
Language
German
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Wir sehen, wie der gemeine Judenhaß, der noch zu Ende des vorigen und am Beginn des jetzigen Jahrhunderts selbst in den vornehmsten Geistern spuckte und mit den sonst freiesten und bedeutendsten Anschauungen zusainmenbestand, sich allmählich aus diesen oberen Regionen. Klärung zurücklassend, verzog, und nur noch, wie heute, unten c ls Bodensatz zurückgeblieben. Wohl versucht dieser wieder aufs neue in die Höhe zu dringen und die alte Trübung wiederherzustellen, aber es will incht mehr gelinge». Keinen Philosophen, keinen wahrhaft führenden Geist sehen wir mehr sich zum Apostel des Judenhasses hergeben — sie f ölt ii eil es nicht mehr, nicht etwa nur der politischen Errungenschaften der Neuzeit wegen, sondein vor allem der gesicherten Ergebnisse moderner wissenschaftlicher Forschung wegen, welche es als durchaus unmöglich, als widersinnig erscheinen lassen, das Judentum und seine Träger in mittelalterlicher Weise aufzufassen Das Judentum steht heute wissenschaftlich anerkannter da als je. So erklärt es sich, wie heute der Judenhaß vornehmlich die Domäne niedriger Volksaufhetzer geworden. Das höhere geistige Moment des Religiösen und Sittlichen hält nicht mehr vor — so wird zu dem niedrigen, tierischen Instinkt der die geistige Macht des Rasse gegriffen. Der Geist aber, der Irrtums zu erstürme», er wird auch die tief unter ihm stehende Macht materialistischer Rohheit zu stark genug war, stark genug sein, bündigen. Aie Juden in Galizien.*) Eine Studie von Franz Rehor. Aus dem Böhmischen in's Deutsche übertragen und mit Anmerkungen versehen von Dr. M. Grünwald in Jungbunzlau **) I. Maria Theresia übernahm mit der Provinz Galizien eine bedeutende Anzahl xvon Juden, nahm aber keine erheblichen Aenderungen an ihrer ehemaligen Organisation vor, nur daß den Juden durch den Erlaß vom 8. März 1783 unter Kerkerstrase, oder Verlust ihrer ganzen Hab' und Gut ohne Gubernialzustimmung, welche einer großen Taxe unterlag, zu ehelichen verboten war. Die unbemittelten Juden durften überhaupt keine Ehen schließen, und Uebertretungen in dieser Hinsicht wurden an den Kahallentenund Rabbinen mit Gefängnis *) Quellen: Xsisze (:zy obce zywioly? (Dr. Witold Levicki» Lemberg 1889. — Wnioski \v sprawie zniesie nia przywilejow ludnosci starozakonnlj (Teosil Merunowicz) Lemberg 1881. — Zvdzi (Teof. Merunowicz) Lemberg 1879. — o im»tc>dzic icelach rozprav nad kwestya zydowska (Teof. Merunowicz) Lemberg 1660 — Kurjor Lwowski 1899, „Slona nedza w gonielr4, 1891 Nr. 98, „Nasi zydzi.“ — Pokucie (Oskar Kolberg) Krakau 1SKJ und 1888. — ^>arod Nr. 14, 1890, „zydioska hospodarka v dobach ciiryslyjanskoho rnitropolita", Nr. 11, 1890, „Jak zydy hazdujut v Lemkposcyni.“ — Dilo (politisch Tagblatt) vom 3. Febr. 1887: Vice zycliostioh rabinich i cndstoowio, Nr. 129 vom Jahre 1889, „Urganisace hal. zudu za cisar. Mar. Theresie“, Nr. 212 von 1890, zudi o Halici w, Nr. 27«;, Prezydiaske kramarstvo. Zahlreiche Localnotizen in den betreffenden Blättern. — Geschichteter russischen Litteratur (Om. Ohonsoskiy) Lemberg 1887, I. Band. <*) Sämtliche mit M. G. bezeichnete Anmerkungen rühren vom Uebersetzer her. ') Kahal ifr ein rein hebräisches Wort und bedeutet ursprünglich „Versammlung"; nichts mehr und-nichts weniger als das griechische (ecclesia) woraus das französische Wort tglise (Kirche) entstanden ist. In Polen und Rußland wird das Wort Kahal in der Regel in mala parte und mala fide angewandt. (M. G.)

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