Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 12 (1892)
- Issue
- Heft 5 (1.5.1892)
- Date
- 1892-05-01
- Page
- Seite 112 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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112 $obe wird er ein Gutsbesitzer, „me«/ koneli mekomo,“ und das kleine Landgütchen, in dein er schläft, — vor welchem uns Gott lange bewahre» möge — das gehört ihm, unveräußerlich, unantastbar in alle Ewigkeit. Ist das nicht ein lieg, den die Cheivra-Kadischa über die finstere» Gewalten davonträgt, und ist ,r‘ -Sßnda nicht ein berechtigtes Siegesmahl, womit sie in Kampf gegen das Leid in der Welt und seine Ueberdemgemäß die (5hewraheiliger Heiterkeit ihren tvindung feiert? Und Wenn Sie nun fragen, woher wir denn eigentlich unsere unverwüstliche gute Laune liehmen, die schon manchen Philosophen und zahlreiche dumme Kerle geärgert hat, so will ich Ihnen darauf in Kurze antworten. Das klassische Altertum erzählt von einem Riesen Antaeus. Der war unüberwindlich, so lanße er die Mutter Erde berührte. Dieselbe Vorstellung kehrt auch in dem Zailber- und Hexenglaitben des Mittelalters wieder. Man glaubte, daß man den-Zauberer» und Hexenmeistern nichts anhaben könne, so lange sie den Bode» berührten, und sie wurde» deshalb ii» peinliche» Verhöre von der Erde aufgehopen. Nun weiß ein Jeder, der unsere Geschichte kennt, daß wir. im Mittelalter im Verdachte der Zauberei und Hexerei standen, und — heute können wir es ja cingesteheii, wo es keine Scheiterhaufen mehr giebt — wir sind auch Hexenmeister. Oder ist es keine Hexerei, daß wir überhaupt noch sind? Und tvie wir oastehen! Man sagt von uns, daß wir die Welt beherrsche», und — warum sollen wir es verheimliche» — wir thun's allerdings — durch unsere Bibel. Welches ist denn die Ursprache jener Lehren, auf denen unsere ganze sittliche Gesellschaftsordnung beruht, welches ist die Ursprache der Zeh» Gebote und des^Satzes: „Liebe deinen Nächsten als dich selbst?" Etwa griechisch «der böhmifth «frer gar russisch? Hebräisch ist chre Ursprache und das Judentum hat sie ans chie Welt gebracht. Dadurch beherrscht es die Welt. Ist das nicht Zauberei? Ja freilich zaubern wir und gleichen in unserer Unüberwindlichkeit dem Rieseü Antaeus, und das werden wir auch in Zukunft, solange wir den Boden berühre». Dieser Boden ist unser alter Glaube, der Glaube an den Gott, welcher sich freut und lacht, wenn er Männer von Ueberzeugung sieht, die sich nicht bange machen lassen Dieser Boden ist unser felsenfestes Vertrauen auf den endlichen Sieg des Guten und Wahren. Dieser Boden, aus dem wir unsere unverwüstliche gute Laune saugen, ist die heitere Weltanschauung des Judentums, welche uiis lehrt: „Gott ist nur da, wo Freude herrscht." Darum wollen wir trotz aller Unbilden uns freuen und lachen, und die Chewra-Kadischa soll: uns durch ihr Wirken den Weg zeigen, auf dem man dazu gelangt, die finsteren Gewalten zu überwinden und auszulachen. Stoßen Sie denn mit mir an aus unseren Verein. Die Chewra-Kadischa und alle ihre Mitglieder, die alten und die neue», die hier sind und nicht hier sind, sie leben hoch! Die Hrtyo-orie in Ungarn. Daß wir unserer Trotzorthodoxie schon so manche Verlegenheit zu verdanken hatten, schreibt der „Ungarische Israelit", ist wohl jedermann sattsam bekannt! eine solche unvernünftige Frechheit jedoch, wie die der jüngsten orthodoxen - Bonzen-, wir wollen sagen, Rabbinerversammlung, wobei der Leithammel derselben, dex Dalai-Lama von Preßburg, sich der Rezeption der jüdischen Religion widersetzt, hätten wir doch selbst von dieser Seite nicht erwartet!