Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 12 (1892)
- Issue
- Heft 5 (1.5.1892)
- Date
- 1892-05-01
- Page
- Seite 113 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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113 Wie? Ihr wollt nicht, daß die jüdische Religion de» anderen gleichgestellt, als Religion anerkannt werde! Ihr wollt nicht, daß ein Christ, aus Uebcrzeugnng, zum Judentum sich offen bekenne» dürfe! Freilich meint auch der Talmud, daß Proseliten für das Jndentuni eine Plage sind — doch nur, weil sie, wie die Kommentatoren erklären, gewöhnlich frömmer als die geborenen Inden sind. — Uebrigens ständen wir heute nicht viel besser, wenn das Judentum es wie das Christentum verstanden hätte, für sich Propaganda zn machen! Roch schöner klingt die Ursache dieser Pagoden int Kaftan; die Rezeption werde auch die Gemischten- und Zivilehen nach sich ziehe»! Wie? ist es besser, iveiin der Liebende oder die Geliebte sich taufen, nni eine Ehe einzugehen, als daß sic in gemischter Ehe leben! Aber ihr fürchtet nur die obligate Zivilehe, die euerem Sacke zum Nachteile diene» würde, aber wer wird euch denn zwingen, euere Töchter Nichtjnden zn geben, oder euere Söhne Zivil- oder gemischte Ehen ei »gehen zu lassen! Wohl hat das alte Preßbnrg mit seinem Sofer an der Spitze, sich auch seiner Zeit gegen die Emanzipation ausgesprochen, doch das hatte noch etwas für sich, denn er fürchtete, wie Lord Rüssel, daß die Freiheit der jüdischen Religion schade» könnte — doch sind wir überzeugt, daß der alte Sofer gewiß gegen die Rezeption der jüdischen Religion nichts einzuwenden gehabt, ja dieselbe mit Freuden begrüßt hätte! Sagt euch doch von uns los, da wir dumm genug sind, uns von euch nicht los zn sagen! Ihr haftet uns ohnedies nur zur Schmach und Schande an, und ihr nur seid schuld, daß der Fortschritt keine Fortschritte macht! Ginge es nach unserem Kopfe, wir hätten euch längst den Laufpaß gegeben und euch in euerer grenzenlosen Dummheit versinken lassen! Indessen wollen wir sehen, ob die orthodoxen Gemeinde», die bereits der Bewegung sich angeschlossen, sich nun der schrecklichen Dummheit ihrer blinden Führer anschließen werden — thun sie es, dann verdiene)« sie auch die Emanzipation nicht! Ihr werdet wohl Gesinnungsgenossen finden, sowohl air den verschämten Antisemiten, als an den Pfaffen und Pfäfstei»— aber wäret ihr keine Dummköpse, >vie ihr in der That es seid, so müßtet ihr schon aus dieser euerer Genossenschaft erkennen, wie schlecht euere Sache ist. Schauet doch nach Oesterreich. Italien, Deutschland, Frankreich, Belgien, Holland und England, wo seit Jahren schon all' die Sachen eingeführt sind, die ihr nur als Gespenster fürchtet, und sehet, ob dort das Judentum deshalb zu Grunde ging! Aber ihr habt die Angen verklebt und das Herz verstockt und möchtet am liebste» in den alten Ghettis verfaulen, wohlan denn, wir wollen es euch nicht wehren, aber dann nennt euch nicht mehr Unseresgleichen! ziehet nach Rußland, dort werdet ihr den achtzehnhundertjährigen Druck mit Wonne genießen können, bis euer Messias kommt, da ihr ja ohnedies Asiaten seid. Wahrhaftig! wir ringen vergebens nach Worten, »m unserer Indignation Ausdruck zu verleihen und wir schämen uns, mit euch gleichfalls Juden genannt zu werden, da ihr doch nur Heiden seid, die nebst Gott auch tausend andere Dinge anbeten und verehren Und sie wird doch über kurz oder lang dnrchgefübrt, die Rezeption, und ihr werdet euch nur dem Spotte der Mit- und Nachwelt ausgesetzt habe» als Narren und dumme Menschen, die ihr wäret, seid und in Ewigkeit bleiben werdet! / 10