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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1892-05-01 · Heft 5 (1.5.1892) · p. Seite 110

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
12 (1892)
Issue
Heft 5 (1.5.1892)
Date
1892-05-01
Page
Seite 110 (sequence 14)
Language
German
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iiö — niederzusetzcn, geduldig zu warten, still und ergeben ausznharren, bis der Morgen! graut, seine'Tritte die Nebel und Schatten verscheuchen und seine Strahlen dest Sturm besiege»; dann, meinte der Wanderer, könne er ungehindert, froh und frisch seinen >Weg sortsetzeu. — Israel, der ewige Pilger, zog oft durch das Dunkels durch di^ Finsternis der Zeilen. Es zog durch Egypten und das Licht ward ihm durch Mose und Aaron angeznndet. der Sturm verwehte es wieder, es folgte die babylonische Gefangenschaft, auch hier flammte ihm ein Schimmer djer Erlösung auf. Aber wieder nur von kurzer Dauer, es folgten des Syrers! Grausamkeit, die Feindseligkeiten im Innern. Das Licht Juda Makkabis ging auf 1111b erlosch wieder. Darum erwartet jetzt Israel in-stillem Dulden und! Harre», vertraut nicht mehr auf Menschenhand, sondern auf das die Welt erhellende, die Menschheit weit und breit erleuchtende Licht, wie es ver- ' da2 Licht, er wird uns leuchten. (Ps. 118, 27.) , Dr. M. Des sauer. Herzoglicher Landrabbiner, Meininge». heißen ist. G o t t i st „Das heilige Lachen " Ansprache, gehalten bei dem Brudermahl der Chewra-Kadischa an, 6. März 1892 (7. Adar 5652) von Oberrabbiner Dr. M. G ü d e m a n n. Indern ich da^ Wort ergreife, muß ich zunächst mein Bedauern darüber ausdrncken,! daß meist verehrter Kollege Dr. Jellinek, dem au meiner Stelle das Wort gebühren »pürde, nicht anwesend ist, sonder» krank in der Ferne weilt, und ich bin überzeutzt, daß Sie dieses Bedauern teile». Ich freue mich aber, hinzufügen zu könneiy daß es ihm besser geht, und wir wollen hoffen, daß er bei der nächsten Chewra-Sßuda seinen Platz an dieser Tafel und in der Reihenfolge der Redner wieder einnehmen wird. Ich wende mich jetzt meinem Gegenstände zu, und das sind Sie selbst, meine Herren, Sie und die abwesenden Mitglieder, um mit der Bibel zu sprechen, „die heute hier mit uns versammelt sind und die heute nicht unter uns weilen", welche letztere zu meinem Bedauern die Mehrzahl bilden. Vielleicht kann ich dazu beitrage», daß unsere Mitglieder ein anderes Mal auch sämmtlich Mitgäste an dieser Tafel sind, i Darum will ich mir erlauben, einige Worte über die Bedeutung der Chewra-Kadischa und auch der Chewra-Sßuda zu sagen. Wundern Sie sich nicht, daß ich vom Essen zu reden anfange. Die Bibel fängt auch vom Essen zu reden an. Das heißt: sie erzählt uns, wie der erste Mensch sein Pflichtgefühl beweisen sollte durch den Entschluß, nicht zu essen. Ich will aber beweisen, daß ein richtiges Chelvra-Mitglied effen und sogar auch trinken muß, und dgß nian ganz gegen den Geist der Chewra-Kadischa verstößt, wenn nian eine so Ehrwürdige und wichtige Institution, wie die Chewra-Sßuda ist, unbeachtet läßt und sich nicht daran beteiligt. Denn die Chewra-Sßuda ist eine wichtige Institution! Freilich so obenauf liegt diese Wahrheit nicht. Man könnte im Gegenteil die Frage auswerfen: Was hat die Aufgape der Chewra-Kadischa mit einem heiteren Gelage gemein? Sie soll ja von Rechtswegen nur auf die Seufzer der Not und der Trauer lauschen, nicht auf den Jubel der Weinlaune und das Knallen der Champagner-

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