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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1892-05-01 · Heft 5 (1.5.1892) · p. Seite 109

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
12 (1892)
Issue
Heft 5 (1.5.1892)
Date
1892-05-01
Page
Seite 109 (sequence 13)
Language
German
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109 nahmen, belächeln unsere ehrwürdigen Institutionen, besuchen nicht das Gotteshaus, verbergen am liebsten ihre Zugehörigkeit zum Judentum. Kann man da noch immer Optimist bleiben? Doch tröstet uns die Geschichte und ruft uns zu: Es ist alles schon dagewesen. Wir sind auch schon über die Klippen des Atheismus, des Jndifferentismus, der Irreligiosität zu den grünen Ufern der Blüte religiös-sittlichen Lebens gelangt Was haben die Griechlinge in der Makkabäerzeit auf die Dauer, die Acher und Abtrünnigen aller Zeiten uns geschadet! Wir glauben aber, daß es zu keiner Zeit noch so schlimm um unser Judentum stand. Feinde nach innen und außen. Gerade unsere Gebildeten sind die Zerstörer, die Studirenden, die Indifferenten; das unheilige Lachen über unsere Einrichtungen, unsere Kämpfe und Hoffnungen finden wir meist bei unseren oberen Zehntausend. „Wenn zwei, der eine verständig und nüchtern, der andere betrunken, des Fürsten Majestät beleidigen, wer wird härter bestraft, der nüchterne oder der trunkene?" Ein Höfling, heißt es in einem Gleichnis des Midrasch, und ein unwissender Landmann übertraten einst einen strenge» Befehl des Königs. Dieser ließ den Landmann unbestraft, dagegen belegte er den Hofdiener mit einer äußerst empfindlichen Strafe. Mit einem rohen Landmann, meinte er, der die Wichtigkeit und Notwendigkeit der Gesetze nicht begreift, darf man nicht haarscharf ins Gericht gehen, ihm will ich darum die Strafe erlasse»; aber Einer, der täglich in »leinem Hause verkehrt, und der von dem wohlthätigen Einflüße meiner Verordnungen durchdrungen sein müßte und nichtsdestowenigkr vorsätzlich und mit Bewußtsein die nötigen Schranken einreißt, er soll meine strafende Hand fühlen. „Wer zum Bürgen für eine Sache bestellt ist, der muß dafür haften." „Der Blinde hat keine Scham" „Der tierische Teil kann nicht zur Rechenschaft gezogen werden, wohl aber die vernunftbegabte Seele, die mit dem höchsten Wesen mit dem göttlichen Geiste in innigem Verkehre stehen soll, sie ist für alle Fehltritte und Schäden verantwortlich." — Der vernünftige Mensch soll in sinnliche Dinge, sittliche Ideen und Gedanken hineinlegen. Durch die hineingetragene Idee unterscheidet sich ein gewöhnliches von einem zur Andacht bestimniten Hause, ei» Grabstein von einer profanen Felsplatte, ein linnenes Sterbekleid von einem anderen leinenen Gewände. „Zwei Menschen opfern Lämmer zum Passahfeste, der eine weiht das Tier unter heilige» Empfindungen, der andere denkt dabei an den Genuß, den lecker« Braten für seinen verwöhnten Gaumen; drum heißt es: Gerade sind die Wege Gottes, der Fromme wandelt, der Frevler strauchelt auf denselben. Nun, vielleicht bewahrheitet sich Jesaias Wort: Und ist darin auch der zehnte Teil, und wird er abernials gesichtet, doch wie der Eiche und Therebinthe Sprosse noch beim Fällen zurückbleibt, so ist heiliger Same sein Sproß. Die Gottgläubigen Israeliten werden nach inneren und äußeren Kämpfen die Gleichgültigen im Inner», die Fanatischen draußen besiegen, die unheiligen Lacher zu Ernst und Einkehr, die Verzweifelnden zur Hoffnungsfreudigkeit zurückführen. Wir schließen mit dem siegesfrohen Gleichnis unserer Weisen: Es ist finstere Nacht. Im dunkeln, schaurigen Wald zieht ein Wanderer langsam tastend, angstvoll daher, denn kein Stern vom Himmel erleuchtet den Pfad, kein Licht aus Menschenwohnungen. In seiner Bedrängnis versucht er, ein Licht anzuzünden, doch kaum brannte es, verwehte es der Wind, er versuchte es noch einipal, dreimal, viermal anzuzünden, doch vergeblich, so oft &§ brannte, ward die Flainme verweht. In seiner bedauerlichen Lage blieb ihm nichts anderes übrig, als sich

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