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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1892-05-01 · Heft 5 (1.5.1892) · p. Seite 103

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
12 (1892)
Issue
Heft 5 (1.5.1892)
Date
1892-05-01
Page
Seite 103 (sequence 7)
Language
German
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103 täglich lesen soll, gesagt wäre: „Du sollst lieben den Ewige», deinen Gott, mit deinem ganzen Herzen, mit deiner ganzen Seele und mit deinem ganzen Vermögen. Und es sollen sein diese meine Worte in deinem Herzen .... und du sollst von ihnen reden, wenn du weilest in deinem Hause, wenn du gehest auf dem Wege, und wenn du dich niederlegst und wenn du aufstehst", als ob eben diese Forderung nicht die Grundabsicht aller jener religiösen Vorschriften wäre, welche das Leben des Juden bis. ins Einzelnste, bis zu seinem letzten Athemzuge, religiös zu heiligen die Bestimmung haben! Auf der gleichen relativen Höhe, auf der wir Schleiermacher treffen, bewegen sich auch Hegels Bemerkungen in Bezug auf das Judentum.*) Der Geist — sagt er — welcher bisher, im Heidentum, entwürdigt war, erhält erst hier, im Judentum, seine Würde, sowie die Natur ihre rechte Stellung. Die Nqtur . . . . ist erschaffen, und diese Vorstellung, daß Gott Herr und Schöpfer der Natur, bringt die Stellung Gottes als des Erhabenen herbei' indem die ganze Natur Gottes Schmuck . . . ist. Durch die Geistigkeit überhaupt wird nun das Sinnliche und Unsittliche nicht mehr privilegirt, sondern als das Unsittliche herabgesetzt. Nur das Eine, der Geist, das Unsinnliche ist die Wahrheit . . . und wahrhafte Moralität . . . kann nunmehr auftreten, sowie zum ersten Male hier eine geschichtliche Ansicht erscheint. Das ist doch schon ein erheblicher Fortschritt gegen Kant's Behauptung, es fehle dem Judentum der moralische Geist Dieser moralische Geist ward durch das Judentum erst geschaffen. Freilich kommt bald auch ein Rückfall in Kantische Reminisccnzen. Die biblische Geschichte habe wohl große Züge, aber cs seien in sie auch gehässige dadurch hineingekommen, daß dieses Volk i n seinem harten D ienste gegen alle andren sich erhaben fühlte. **) Was er unter diesem „harten Dienste" verstehe, giebt er in seiner Weise so wieder, daß er sagt: „Das Subjekt als concretes wird nicht frei, weil das Absolute selbst nicht als der concrete Geist aufgefaßt erscheint — er meint das Fehle» des Dogmas von der Menschwerdung Gottes —; die Juden haben, was sie sind, durch de» Einen: dadurch hat das Subjekt keine Freiheit. . . . Das Subjekt komme nie zum Bewußtsein seiner Selbständigkeit, sei nicht an und für sich, daher auch bei den Juden keine Unsterblichkeit."***) Also eine andre Version des schon von Kant herbeigezogenen Moments, nur daß diese noch mehr gegen den klaren Wortlaut des Alten Testaments verstößt, das an den verschiedensten Stellen die vollkommene sittliche Freiheit und Selbständigkeit des Menschen betont. Ob aber Hegel das Alte Testament kennt? Man Möchte es bezweifeln, wenn man ihn in seiner Geschichte der Philosophie****) sagen hört: „Das Christentum ist ans dem Judentum.hervorgegangen» aus der sich bewußten Verworfenheit. Das Jüdische hat von Anfang dieses Selbstgefühl der Nichtigkeit ausgemacht, ein Elend ...., wo nichts war, das Leben und Bewußtsein hat. Dieser einzelne Punkt ist später universalhistorisch geworden, und in dies Element des Nichts der Wirklichkeit hat sich die ganze Welt, erhoben, eben aus diesem Prinzip aber in das Reich des Gedankens, indem jenes Nichts ins positiv Versöhnte umgeschlagen." Aus der letzteren echt Hcgel'schen Wendung geht zwar hervor, daß das Erstere nicht so schlimm gemeint ist. als es sich anhört, aber falsch ist es dürch und durch. In keiner Phase seiner Geschichte hat das Judentum von sich das Bewußtsein einer Verworfenheit *) Philos. d. Gesch.. S. 202-ÄG. *f) Das. S. 2»1. ***> Tas. . ***) III, •«. Mi

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