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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1892-05-01 · Heft 5 (1.5.1892) · p. Seite 102

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
12 (1892)
Issue
Heft 5 (1.5.1892)
Date
1892-05-01
Page
Seite 102 (sequence 6)
Language
German
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102 reizen, was bald praktisch zu werden verspricht. Darum hebt er, indem er die Juden einen Staat im Staate nennt, besonders folgende Momente hervor: einmal das angeblich feindselig Absondernde im Judentum, insofern dasselbe in seinen Bekennen: den Dünkel uralten Adels nährt und sie glauben macht, daß sie gegen Christen nicht dieselben moralischest Pflichte» hätten, wie gegen Stammes Dann kommt der Vorwurf, daß die das ist das alte mittelalterliche Lied, genossen — das hat er von Eisenmenger. Juden nicht an Jesu Gottheit glaubten H besonders seltsam im Munde des Verkünders der „sittlichen Weltordnung.* Dann kommt der Handel, »nd da plagirt er einfach seinen Meister. Der Jude erblicke in allen Völkern die Nachkommen derer, welche sie aus ihrem schwärmerisch geliebten Vaterlande vertrieben habe», das sie zu dem den Körper erschlaffenden und den Geist für jedes edle Gefühl töötenden Kleinhandel verdammt hat und verdammen wird. Zwar ihn selbst habe noch kein Jude je betrogen. Dennoch sei ihm dessen unausrottbarer Hang zum Betrug unzweifelhaft. „Ihnen Bürgerrechte zu geben — sagt er — dazu sehe ich kein Mittel, als in einer Jacht ihnen alle» die Köpfe abzuschneiden und andre aufzusetzen, in denen auch nicht eine jüdische Idee sei. Um uns vor ihnen zu schütze», dazu sehe ich wieder kein anderes Mittel, als ihnen ihr gelobtes Land zu erobern, und sie alle dahin zu schicken." Sie sehen, Kant mit seinen unverbesserlichen „Palästinern" spricht aus Fichte, nur niit einem gewissen v'rschärften, rohe» Accent, der ihn dem modernen Antisemiten ähnlich macht. Fichte ist in diesem Punkte seiner Zeit sehr vorausgeeilt; er. hat zwar auch bald Schule gemacht, wie die Fries und Grattenauer darthuli, aber vorerst wird es Heller in der deutschen Denkerwelt. S chle ie r m ach er, der Seelenfreund der Henriette Herz, der Vergötterer Spinoza's, kennt keine von Gott verworfen, sondern nur erwählte, „und wenn, sagt er, nicht alle zu der gleichen Seligkeit erwählt sind, wenn die Stufenreihe der Frömmigkeit und Seligkeit so unendlich ist, wie die des Seins, so gehört diese Mannigfaltigkeit gleichfalls zur Vollkommenheit der Welt." Cs ist nun zwar dies lange noch nicht die Sprache des vielgelästerten Talmud, wonach die Frommen aller Völker Anteil haben an der künftigen Welt, aber doch auch nicht mehr die Sprache eines Judenfeindes nach Fichte'schem Ideal. Schleierniacher will denn auch nicht als ein Judenfeind gelten. Er ist dafür, daß den Juden iinnierhiii Einbürgerung gewährt werde. Auch steht ihm der jüdische Monotheismus hoch über dem hellenischen Polytheismus; aber ei» Kant'scher Gedanke beherrscht ihn besonders stark und wird bei ihm zur Quelle mancher Gehässigkeit, der Gedanke, daß d a s C h r i st e n t u :» mit Nichte » irgend welche Gemeinschaft mit dem Judentum habe. In jenem allein sei das Prinzip einer ins Unendliche wachsende» religiösen Veivollkommnung gegeben — ein Satz, den übrigens schon der ebenso gerechte wie tiefe Zeller*» als unbewiesen bezeichnet, als bloßes Postulat individuellen christlichen Bewußtseins, ohne jede wissenschaftliche Berechtigung: Ich erwähne von den irrigen Behauptungen, die Schleie rjm acher von diesem Gesichtspunkte aus gegen das Judentum aufstellt, nur noch die eine, wonach das Christentum zuerst die Forderung erhoben habe, daß die Frömmigkeit ei» beharrlicher, das ganze Leben in allen seinen Aeußerungen beherrschender Zustand, »nd nicht an einzelne Zeiten und Verhältnisse gebupden sein soll. Als ob das nicht schon aufs eindringlichsch in jenen wichtigen Vortrage u. Abh. B. 100. Schriftversen, die der Israelit dreimal

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