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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1892-04-01 · Heft 4 (1.4.1892) · p. Seite 89

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
12 (1892)
Issue
Heft 4 (1.4.1892)
Date
1892-04-01
Page
Seite 89 (sequence 17)
Language
German
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89 Scherr beurteilt das Judentum, wie bereits angedeutet, stellenweise einseitig und falsch. Da jedoch, wo er ihm Gerechtigkeit widerfahren läßt, thut er dieses mit Nachdruck, voll und ganz. Daher können wir auch nicht umhin offen einzugestehen, daß, wenn der vorurteilsfreie Verfasser der „Geschichte der Religion" etwas mehr Objektivität besessen hätte, er der Lösung seiner schwierigen Aufgabe sehr nahe gekommen wäre. So aber leidet das gelehrte Werk bei bedeutenden Vorzügen an großen Mängeln. Doch wer vermag etwas Vollkommenes zu schaffe»? Bei all deni bleibt Scherr ei» großer Gelehrter, ein Menschen- und Lichtfrennd. Es wird ihm seitens der Juden nie vergessen werden, daß er in seinem' berühmten Werke, allen Anfeindungen zum Trotz, die Fahne der Toleranz, ganz besonders den verleumdeten Israeliten gegenüber, hochhält und zwar in den Schlußworten: „In den letzten Jahren hat die Einancipation der Juden in allen civilisirteu Ländern Europa's zu weitläufige», gesetzgeberischen Erörterungen geführt. In England, Belgien, Deutschland und Holland machte die Einancipation erfreulicher Weise auch praktische Fortschritte, welche der bürgerlichen Gleichberechtigung der Juden mit den Christen mehr oder weniger nahekomme». Völlige Befreiung vom Joche der mittelalterlichen Barbarei haben jedoch die Jude» vorerst in Frankreich und Nordamerika erlangt." Und wir füge» hinzu: O, möchte doch die wohlverdiente, völlige Gleichstellung mit den Bekenner» anderer Konfessionen in Kürze doch auch allen Israeliten auf dem weiten Erdenrunde zu teil werde»! W. Frank. Wonatsschau. In Zrrslau starb am 27. Februar Herr Drof. Dr. Iarob ßevy, in den weitesten Kreisen, durch seine Wörterbücher z» den Targumim und zum Talmud und Midrasch, die mit Zusätzen von Prof. Fleischer erschienen sind, rühiulichst bekannt. — Herr Gswald Dorer, der im Dienste der Colonijation Krasiliens, als Delegirter des deutschen Centralcomitees für die russischen Inden erfolgreich thätig war, ist i» Rio de Janeiro dem gelben Fieber erlegen. - I» Derlin starb am 7. Februar der in den weitesten Kreisen der dortigen Bevölkerung unermüdlich thätige Arzt Dr. Heinrich Dosrnthal im 58. Lebensjahre. Der Dahingeschiedene hat neben seiner zeitraubenden Praxis die allgemeine medizinische „Central-Zeitung", das älteste medizinisch publizistische Organ Berlins, mit Umsicht geleitet. Seiner unverdrossenen Hingebung verdankt die „Centralhilfskasse für die Aerzte Deutschlands" ihr Entstehen und Gedeihen — In Hriih starb Herr Rabbiner Gabriel Hirsch Lrwin im 84. Lebensjahre — Aus Hrrslau berichtet ma» von dem Tode des Herrn Gantor Deutsch, der als Verfasser sehr geschätzter Synagogengesänge in Fachkreisen bekannt war. - In Homburg v. d. H. hielt vor einem zahlreichen Publikum Herr Rabbiner Dr. Kottek einen Vortrag über die Geschichte der jüdischen Gemeinde daselbst. Die ersten Inden werden in Homburg 1337 erwähnt, von welcher Zeit ab dieselben dort stets ansässig waren. Der Vortragende brachte ein ziemlich reichhaltes Material an Tocumente» und Verordnungen mit Bezug auf die Niederlassung und das geschäftliche Leben der Inden bis zum Jahre 1848 vor, aus welchem zu entnehmen war, daß der confessionelle Friede, Dank dem Schutze 8

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