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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1892-04-01 · Heft 4 (1.4.1892) · p. Seite 87

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
12 (1892)
Issue
Heft 4 (1.4.1892)
Date
1892-04-01
Page
Seite 87 (sequence 15)
Language
German
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87 Johannes Scherr über Kebräer und Kebräertum. (Schluß.) Es ist aber auch eine Religion des Geistes, denn im Mosaismus ist zuerst Gott völlig von der Natur emancipirt. Er ist losgelöst vom Dasein der Natur, er steht ihr gegenüber, über ihr, er beherrscht sie als freie sittliche Macht. Der Mosaismus verwirft aber nicht nur den Pantheismus, sonder» auch den Polytheismus und Dualismus; er ist strenger Monotheismus: „Gott ist einer, und nur dieser Eine ist Gott!" Unter dem Zeichen dieses letzten Satzes haben wir bis jetzt — selbst unter Niederlagen — gesiegt- Ist er unserer Lebensfahne niit unauslöschlichen Lettern aufgedrückt, so werden wir auch in Zukunft — selbst in den schwierigsten Lagen — siegreich bleiben. Gott ist einzig! Dieses sei auch fortan unsere Parole, wie sie es von je her gewesen! Auch das von Scherr über die Propheten Gesagte können wir ohne Anstand unterschreibe». „Der Beruf der Propheten," so lauten Scherrs Worte, „war ein erhabener. Schwerlich, sagt ein berühmter Bibelforscher, gibt es im ganzen Altertunie eine merkwürdigere Erscheinung im Gebiete des sittlichen Lebens als das Prophetentum, das inan das höhere sittlich-religiöse Bewußtsein des Volks, und da das Gute und Wahre stets im Kampfe liegt, das öffentliche Gewisse» oder die Selbstkritik des Volkes nennen könnte, u. s. w." Ueberaus treffend und schön zieht Scherr die Parallele zwischen Priester- und Prophetentnm, wenn er sagt: „Das Verhältnis der Priesterzur Prophetenschaft kann so bestimmt werden: die Priester waren das stehende Heer, die Propheten die Freiwilligen Gottes. Die Priester waren die officiellen Träger des dogmatischen, aber die Propheten die begeisterten Träger des sittlichen Gehalts im Judentume." Die Unsterblichkeitsidee spricht Scherr dem Mosaismus gänzlich ab in den Worten: „Vom Jenseits ist weder in verheißender, noch in drohender Weise auch nur mit einer Silbe die Rede. Das altmosaische Heil war ein positives, sozusagen handgreifliches. Und diese Heilslehre ist bei den Juden, wie sich auck) später die Zukunftshoffnungen wandeln mochten, bis auf den heutigen Tag wirksam geblieben. Ungeachtet all der Kraft der Abstraktion, welche dazu gehörte, den spirituellen, superanaturalistischen Gottesbegriff des Mosaismus zu schaffen, sinh die Hebräer sehr positive anfs Materielle gestellte Leute, die besten Rechner und Kaufleute der Welt." So sehr uns im Vorstehenden auch Vieles aus dem Herzen geschrieben ist, so muffen wir doch die sogleich folgende Behauptung, daß das Judentum ursprünglich Polytheismus gewesen, entschieden von der Hand weisen. Hören wir Scherr: „Der urväterliche Gott der Hebräer fiel nicht dem Nanien, aber dem Wesen nach, mit der semitischen Hauptgottheit zusammen, welche eine affirmative und negative Seite hatte und von den verschiedene» Stämmen der Semiten unter verschiedenen Namen verehrt wurde. Auch bei de» Hebräern fand eine polytheistische Zerteilung, des göttlichen Wesens statt, sie waren in älterer Zeit keine Monotheisten. — Schon früh muß es unter den Hebräern eine Partei gegeben haben, welche einen inneren, geistigeren, humaneren Gottesbegriff pflegte, ausbildete, verfocht, bald glücklich, bald erfolglos, bis sie endlich in späterer Zeit

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