Mannheim
Compact Memory

Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1892-04-01 · Heft 4 (1.4.1892) · p. Seite 84

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
12 (1892)
Issue
Heft 4 (1.4.1892)
Date
1892-04-01
Page
Seite 84 (sequence 12)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2969669-2969947-2969952--3501-2976892
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

! — 5-1 — Das Recht, weil iich während meiner vieljährigen Aintsthütigkeit unter ihnen nach meine» bescheidenen Kräften dahin gestrebt habe, den Eintrachtssinn Ä» festigen und mir nicht! bewußt bin, jemals nm des Glaubens willen den einen Bürger vor den andern znrückgestellt zu habe». Die Pflicht, weil nach meiner innigsten Ueberzeugung der Gemeinde, in den Hanptstadien ihrer Entwicklnngsbestrebmigen getroffen, ei» Rückgang droht, da Mißtrauen und Verdächtigungen unübersteigbare Scheidewände zwischen ihren Einwohnern errichten würden.; Und gegen >ven in unserer nächsten Umgebung will die genannte Schrift die Christen denn zum Streite führen'? Gegen Leute, die nichts mehr wünschen, als mit ihren Nebenineüschen in Frieden zu verkehren, die, getreu dein ehrwürdigen Glauben ihrer Väter, größtenteils niäßig und eingezogen leben und von welchen viele wegen i ihres braven und sittlichen Betragens, sowie wegen der pünktlichen Uebung ihrer gesellschaftlichen und Bürgerpflichten manchem Christen als ein beschämendes Beispiel vorgestellt werden können. Die Ausnahme vpn dieser Regel, die bei ihnen nicht in größerer Zahl als bei Andersglänbigeij Vorkommen, können ihnen nicht zuin Vorwurf der Schmach und Verachtung gemacht werden, müssen uns vielmehr veranlassen, unsere Aufmerksamkeit ihnen znzuweiiden und ihnen mit Wohlwollen und Achtung zn begegnen. Mit meiner Verurteilung der Tendenz des genannten Buches stehe ich nicht allein. Mein Widertville gegen dasselbe wird von Bielen, wie ich mir schmeichle, ja fast von den meiste» meiner protestantischen und katholischen Mitchristen, denen ihre Religions- und Sittenlehre Verträglichkeit und Nächstenliebe als hochheilige Pflichten ans Herz legt, geteilt. Ich will Sie nicht im Verdacht haben, absichtlich dagegen gehandelt zu haben. Sv weit ich Sie kenne, glaube ich vielmehr, daß Sie in Beobachtung dieser Tugenden hinter. Niemandem zurückstehen wollen. Mein Protest gilt darum nicht so sehr Ihnen, als dem Herausgeber, der die Verantivortlichkeit für dieses häßliche Pamphlet übernommen hat. Vielleicht haben Sie so ganz arglos und im guten Glauben die Verbreitung dieser Schmähschrift als eine ganz einfache bnchhändlerifche Thätigkeit angesehen, ohne sich einmal selbst von dem Inhalte der Schrift zu überzeugen. Ist dieses aber der Fall, dann müssen Sie, wie ich hoffe, mir doch zugeben, daß eine solche pberflächliche Auffassung nicht richtig ist und daß etwas mehr Vorsicht hier nicht am Unrechten Platze gewesen wäre. Was mich betrifft, so habe ich das Bedürfnis gefühlt, meinem Schmerze über die Zurücksetzung Anderer durch Vorstehendes Ausdruck zu geben. Mein erstes Wort in dieser Sache wird gleichzeitig mein letztes sein. Für den aber, der es hören will, stehe ich nicht an, am Schluffe noch zu erklären, daß ich im Geiste mehr mit den meisten Inden sympathische, mit ivelchen mich das Leben in Berührung brachte, als mit den Christen, welche, nachdem die letzten Töne des friedeverkündenden Christliedes eben verklungen sind, ihre Mitchristen schon wieder zum Kampfe gegen die Juden Hetzen."

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.