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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1892-04-01 · Heft 4 (1.4.1892) · p. Seite 82

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
12 (1892)
Issue
Heft 4 (1.4.1892)
Date
1892-04-01
Page
Seite 82 (sequence 10)
Language
German
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82 und dort mit allen Ehren behandelt. Er stand zwar unter Bewachung, konnte aber jede« beliebigen Aufwand in Wohnung, Kost und Kleidung machen, seine Besucher fanden zu ihm ungehinderten Eingang. Die Verhaftung Sabbatai's hatte de» Glauben an seine Messianität eher gehoben als erschüttert, man sah in dem außerordentlichen Geschicke einen Fingerzweig der Vorsehung. Sabbatai ließ xin Rundschreiben an die jüdischen Gemeinde» aller Länder ergehen, in welchem er sie zur ernsten Buße und Bekehrung aufforderte und ihnen erklärte, daß nur ihre noch nicht gesühnten Missethaten, der Gang der Erlösung verzögern. Diese Anordnurg wurde mit übergroßen« Eifer befolgt Man betete und fastete, theiste Alniosey ans, Kanfleute schleudern ihre Waareu um geringen Preis los. um, von Geschäften frei, der Hebung frommer Werke obliegen zu können. Es «var ja die Zeit der Erlösung nahe, warum sollte man nicht alles aufbieten, um die göttliche Gnade zu erwirken und den Eintritt des Heiles zn beschleunigen? Von seiner, Haft aus erließ Sabbatai noch weitere Befehle, er schaffte die Fasttage wegen der Zerstörung Jerusalems ab und forderte, daß «uan anstatt derselben Freudenfeste feiere. Er ließ auch sonstige cultuelle Neuerungen einführen, die bei seine» Getreuen keinen Widerspruch fanden. Endlich nahte aber der Tag, an «velch.i» sich Sabbatai's Geschick entscheide» sollte. Er wurde vor den Sultan Mohämed IV. geladen und von deinselben zwar huldvoll empfangen, aber doch entschieden aufgefordert, sich über sein Treiben zu erklären. Als der Sultan ihn« drphte, er «verde, um seine Wunderinacht zu erproben, ihm durch den Heib schießen lassen, da warf er vor lauter Angst seine Kopfbedeckung weg um sofort den Turban anzunehmen, d. h. Mohamedaner zu werden. Von damals an war! Sabbatai's Stern im Sinken begriffen. Hätte er den Mut gehabt, ein Martyrium ayf sich zu. nehme» und für seinen Glauben den Tod zu erleiden, er hjtte dadurch eine geistige Bewegung hervorgerufen, die einen bedeutenden Fortschritt ihr Judentume bewirkt hätte, aber er hatte dadurch, daß man mit seiner Person einen göttlichen Cultlts trieb und ihm dadurch die Begeisterung für die große Idee, die in der Jugend ihn so mächtig beseelte verloren gieng, auch selbst keinen festen, inneren Standpunkt. Ein Martyrimn mußte ihm selbst,! wenn er den Mut gehabt hätte es auf sich zn nehmen, als eine Thorheit erscheiiten, seine messianische Rolle war indes jetzt noch lange nicht ganz ausgespielt. Dein kabbalistischer Advocat hatte aus alten Traditionen nachgewiesen. daß dieser, liebertritt Sabbatai's zum Islam als eine notivendige Episode in dem Leben des Messias vorhergesehen sei. Der Messias müsse auch in der außerjüdischen Welt eine Mission vollführe». Der unermüdliche Natan Gazzati, der nun Europa bereiste, ei» phantastischer Spanier. Jsak Michael Cordoso u. a. sorgten dafür, daß der Messiascultus, der in letzter Folge das Judentum aus den Klammern des Talniudisnius losmachen sollte, nicht aushöre. Sabbatai's Name «var das Panier der Antitalmudisten, die zwar mit ihrer wirklichen Meinung sich nicht offen hervorwagten, aber unter der Flagge des Glaubens an den bereits I erschienenen Messias und die dadurch bewirkte Erfüllung des alten Gesetzes eine Verinnerlichung des Judentums, eine Vertiefung der religiösen Moral anstrebten. Sabbatai selbst hat seit dieser Zeit äußerlich als Mohaniedaner gelebt u««d wohl, noch imiyer Verbindungen niit seinen Anhängern unterhalten- Er heiratete nach dem Tode seiner Frau Sara die Tochter eines Juden. Er kam noch einmal »ach Konstantinopel, um unter den Juden abermals seine Lehren zu verkünden, er wurde hber bei dem Äroßvezier angeklagt und schließlich nach Dnlcigno verwiesen, wo! er im Jahre 1676 sein Leben beschloß. Wie sein lieber»

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